Die Fakten scheinen allbekannt zu sein - und unumstößlich: In einem Anfall von Wahnsinn hat sich Vincent van Gogh selbst ein Ohr abgeschnitten. Dass dies lediglich die Darstellung Paul Gauguins und keineswegs die "reine Wahrheit" ist, belegen Hans Kaufmann und Rita Wildegans mit ihrer kriminalistisch scharfsinnigen Revision aller verfügbaren Quellen. Am Ende ihrer Untersuchung stehen gänzlich neue, überraschende Schlussfolgerungen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.02.2009
Recht beeindruckt ist Bärbel Küster von der Argumentation von Rita Wildgans und Hans Kaufmann, die im vorliegenden Buch überzeugend darlegen, dass sich Vincent van Gogh nicht in einem Anfall von Wahnsinn das eigene Ohr abgeschnitten hat, sondern dass es ihm im Streit von Malerfreund Paul Gauguin mit dem Degen abgeschlagen wurde. Nicht beweisen, aber immerhin plausibel machen können die Autoren ihre These, meint die Rezensentin, die von dem Buch aber dennoch etwas enttäuscht ist. Denn was ein richtiger Künstlerkrimi hätte werden können, werde derart behäbig und "umständlich" aufgedröselt, dass richtige Spannung über weite Teile des Buches nicht aufkommen will, bedauert Küster. Irgendwie unangenehm ist ihr zudem der moralische Impetus der Autoren, die dem als "heuchlerisch" und eingebildet gezeichneten Gauguin die Hauptschuld an dem Vorfall zuschieben, denn sie wolle sich nicht gern zur Richterin über die Künstler aufschwingen.
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