Was meint die Rede vom Fortschritt wirklich? Besteht die Welt, wie Wittgenstein behauptet, nur aus dem, was der Fall ist? Was sollen unsere Kinder lernen? Und wie überlebt man die Wissenschaftsbürokratie? Reinhard Brandt protokolliert den Weltenlauf: Pointiert hält er fest, was ihm der Alltag zu denken gibt. Wer sich auf seine Notizen einlässt, erkennt in ihnen kunstvoll gebaute Denkstücke, die zum Prüfen und Zweifeln animieren. Nicht anders mag die Philosophie entstanden sein, die sich hier noch ganz schlicht und unschuldig gibt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.02.2009
Uwe Justus Wenzel hat das Buch des Philosophen Reinhard Brandt - eines ausgewiesenen Kant-Kenners, wie uns der Rezensent wissen lässt - mit angeregter Zustimmung gelesen, auch wenn er dem Autor hie und da nicht folgen will. Das Buch versammelt Anekdotisches, Satiren, Dialoge und Notizen über die Welt im Allgemeinen und im Besonderen, erklärt der Rezensent, in dessen Augen dieses Bändchen durchaus das Etikett "Alterswerk" verdient. Texte über das erste mutwillige "Nein" Adams auf die Frage Gottes, ob alle da wären, über die "Urteilskraft", die es zu trainieren gilt, um nicht im geistlosen Witz der Unterhaltungskultur unterzugehen und Kritik an den höheren Bildungsinstituten fesseln Wenzel, wie er lobend betont. Lediglich der mitunter allzu "apodiktische Ton", der ihn an Adornos "Minima Moralia" erinnert und einige geistige "Kurzschlüsse", wie Brandts Gedanken zum Logo des Hakenkreuzes erregen den Widerspruch des Rezensenten, insgesamt aber hat ihm der Band, der sich gern der "Unschuld der naiven Frage" und der Phantasie überlässt, gut gefallen.
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