"Verschiedene Möglichkeiten, die Ruhe zu verlieren" lenkt den Blick neu und erneut auf den großen Prosaautor Ror Wolf, gelesen, ausgewählt und kommentiert von Brigitte Kronauer. "Für mich war das Anbranden des Wolf'schen Universums eine energiestrotzende, sich selbst genügende Antiwelt, die als Nebenprodukt in aller Schärfe die Ärmlichkeiten und Scheelheit der offiziellen vorführte. Hier sprang jemand, wie ich es nie für möglich gehalten hätte, mit den Scherben von Realität und Geschichten um, deren Bau, Dramatik, Ablauf also durchaus nicht für alle Zeit von bemoosten Autoritäten festgelegt waren, jonglierte mit Alltäglichkeiten, Sensationen, manischen Verengungen und Katastrophenmeldungen nach Gusto und Bedarf."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.01.2009
Freudig begrüßt Rezensent Martin Krumbholz dieses Ror-Wolf-Lesebuch, das Brigitte Kronauer zusammengestellt hat. Er dankt der Schriftstellerin für ihre gelungene Auswahl der Texte und ihre treffende Einführung. Die Texte Wolfs zeichnen sich für ihn durch ihren "antiautoritären Gestus", ihre Komik, ihre anarchische Wirkung aus. Er attestiert dem Autor eine "Beobachtungs- und Empfindungsgenauigkeit" der Wirklichkeit, die insbesondere die "fragwürdige und vor allem tief ideologische Reproduktion dieser Wirklichkeit in Wort und Schrift" in den Blick nimmt, und dabei deren komische Seite zum Vorschein bringt. In diesem Zusammenhang nennt er Wolfs Sammlung von O-Tönen aus der Welt des Fußballs, die er "gewitzt collagiert" und ihnen so die "krudesten, wahrhaft furchteinflößenden Subtexte" entlockt.
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