Das organisierte Verbrechen ist ein Gewinner der Globalisierung - das ist die bittere Erkenntnis des britischen Journalisten Misha Glenny nach jahrelangen Recherchen in der Unterwelt. In seinem spektakulären, oft erschreckenden und bahnbrechenden Buch enthüllt er die brutalen Profiteure der weltumspannenden Schattenwirtschaft von der kasachischen Kaviarmafia über ukrainische Waffenhändler bis zu kanadischen Drogensyndikaten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 27.12.2008
Erschreckend, mehr als erschreckend sind, stellt der Rezensent Mario Scalla fest, die Zustände, die der Reporter Misha Glenny in diesem Buch beschreibt . Er ist durch die Welt gereist und hat das verheerende Wirken und Wirtschaften der globalisierten Mafia mit eigenen Augen gesehen und sich von Kennern und Zeugen in Gesprächen beschreiben lassen. Von Bulgarien, wo ehemalige Ringer beim Handel ihr ihnen vor Recht und Gesetz nicht zustehendes Scherflein absahnen, bis Afrika - Nigeria insbesondere mit seiner Internetkriminalität und dem Kokainhandel -, von Indien bis Südamerika. Die alten Klischees, so Scalla, gelten nicht mehr. Die Mafia von heute ähnelt weniger dem Corleone-Clan als der Struktur von ebay. Und Glennys Einblicke sind stets faszinierend, wenngleich es mangels "theoretischer Durchdringung" nicht ganz zum "Standardwerk" reiche.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.12.2008
Mit einer Situationsbeschreibung zu Ausmaß und Charakter der organisierten Kriminalität heute leitet Reporter Hans Leyendecker seine Rezension zu Misha Glennys "McMafia" betitelter, international ausgerichteter Studie ein. 'Mafia' sei kein Geheimbund, erklärt Leyendecker, sondern eine Definition des Zustands einer Gesellschaft. Wie der Rezensent ausführt, hat sich das organisierte Verbrechen in Europa nach dem Ende des Kommunismus eher ausgeweitet, nicht zuletzt auch aufgrund der Aktivitäten früherer Sicherheitsdienste, wie der britische Autor, ein Experte für Mittel- und Südosteuropa, für den Rezensenten überzeugend darstellt, etwa in der Verknüpfung der Kriege im ehemaligen Jugoslawien mit dem organisierten Verbrechen. Eine Kernthese Glennys lautet, die Verbrechensstrukturen in Osteuropa hätten in der Übergangszeit den Aufbau des Kapitalismus überhaupt möglich gemacht. Der Rezensent referiert, die heutigen Verbrechergruppen bilden keine parallele Gegenmacht zu staatlichen und wirtschaftlichen Strukturen, sondern bevorzugen eine unauffällige und ebenso ungestörte Teilnahme am Wirtschaftskreislauf. Ohnehin sei es schwierig, eine scharfe Trennlinie zwischen der organisierten Kriminalität und "gewöhnlicheren" Formen der Korruption im Kapitalismus zu ziehen.
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