Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Englischen von Sebastian Vogel. Korruption, Erpressung und brutaler Mord - das ist die blutige Wahrheit hinter dem Mythos Mafia. Sie ist die bekannteste und berüchtigtste kriminelle Organisation der Welt, das Synonym für organisierte Kriminalität, eine gewalttätige und verschworene Geheimgesellschaft. Ihr Ehrenkodex beruht auf der "omerta", der Schweigepflicht. John Dickie enthüllt die Regeln, die die Gemeinschaft der "Ehrenmänner" im Innersten zusammenhält, er erzählt von ihren Initiationsriten, ihren Strategien und Kooperationspartnern in Staat, Gesellschaft und Kirche - das wahre Gesicht der Mafia jenseits des "Paten"-Mythos.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.05.2006
Selbstverständlich sei dies eine spannende Geschichte der Mafia, lobt Rezensent Oliver Pfohlmann, sie sei aber darüber hinaus "erfreulich nüchtern" und fundiert. Schon 1898, referiert Pfohlmann, habe der erste große Ermittler für die Regierung ein vollständiges Organigramm der Mafia erstellt, das prompt in Archiven verschwunden ist. Heute stelle es die wichtigste Ausgangsquelle für Historiker wie John Dickie dar. Dieser verstehe die Cosa Nostra als ein Phänomen der Moderne, als "Gewaltindustrie", und weniger als eine Erscheinung von sozial rückständigen Regionen. Auch füge John Dickie der Geschichte der vermeintlichen Helden diejenige ihrer Gegner hinzu, die nicht weniger spannend sei, zumal sie häufig auch zu "Opfern" und "Märtyrern" wurden. Weitere Ergänzungen zu einer rein historischen Geschichte der Mafia seien Dickies Exkurse über die Psychologie der Mafiosi und über die Rolle der Frauen. Wer dieses Buch gelesen habe, so der Rezensent, habe auch das nötige Hintergrundwissen, um die jüngste Verhaftung von Bernardo Provenzano einzuordnen. Der "Traktor" sei wohl einfach überflüssig geworden als "Vermittler" zwischen den Bossen im Gefängnis und der jungen Generation.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.04.2006
Für Henning Klüver gibt es nur einen bedenklichen Einwand gegenüber einem ansonsten "klug argumentierenden" und "spannend" erzähltem Buch, das die Cosa Nostra von ihren Anfängen während der italienischen Einheitsbewegung im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart beschreibt. John Dickie zeige kenntnisreich, dass die Organsiation sich in all diesen Etappen "immer wieder erneuert, angepasst, modernisiert hat". Aber genau darin liegt ein agrumentatives Problem: "Der Mythos Mafia wird entzaubert und zugleich auf einer höheren Ebene bestätigt", glaubt der Rezensent und verweist - mit dem Autor selbst - auf die jüngsten Verflechtungen zur Forza Italia. Aber selbst in der Beurteilung dieser Frage bleibe der Autor nach Meinung Klüvers auf dem Boden der Tatsachen und ziehe nicht vorschnell den Schluss "eines Silvio Berlusconi als Mafioso".
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