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Klappentext
Erstmals seit fast hundert Jahren liegt mit Hugh Barr Nisbets Buch wieder eine umfassende Lessing-Biografie auf dem neuesten Forschungsstand vor. Das einzigartige Porträt dieses europäischen Klassikers ist zugleich das geistige, gesellschaftliche und kulturelle Panorama eines ganzen Zeitalters. Nisbets Biografie enthält eine detaillierte Darstellung von Lessings Leben und Werken im Zusammenhang mit der europäischen Aufklärung und den Anfängen der klassischen deutschen Literatur. Sie bietet eine Fülle neuer Einsichten in Lessings schwer greifbare, faszinierend-widersprüchliche Persönlichkeit, seine Schwächen und Verdienste, und in seine vielseitige Tätigkeit als Dramatiker, Journalist, Literatur- und Kunsttheoretiker, Philosoph, Religionskritiker, Bibliothekar, Philologe und Polemiker.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Hugh Barr Nisbet: Lessing - Informationen und Leseprobe beim Verlag C.H. Beck
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.03.2009
Mit hohem Lob bedenkt Rezensent Manfred Koch diese umfangreiche Lessing-Biografie, die Hugh Barr Nisbet vorgelegt hat. Er sieht in dem Cambridger Literaturwissenschaftler einen der bedeutendsten Lessing-Forscher und würdigt insbesondere dessen erstaunliche Gelehrsamkeit. Dabei attestiert er ihm, weder bei den Werkanalysen noch bei der biografischen Erzählung je pedantisch oder langweilig zu werden. Lessing wird für ihn bei Nisbet verständlich als "impulsiver Nonkonformist" mit Hang zum Provisorischem, einer Abneigung gegen alle Festlegungen, der menschliche Erkenntnis immer als vorläufig betrachtete. Koch hebt hervor, dass Nisbet nirgendwo Lessings Werk auf dessen Biografie reduziert. Gleichwohl findet er in dem Buch zahlreiche erhellende Verbindungen zwischen Leben und Werk.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.02.2009
Arg gebeutelt scheint Rezensent Adam Soboczynski von dieser über tausendseitigen Lessing-Biografie zu sein. Nicht nur dass die Schrift winzig, das Buch also eigentlich mindestens doppelt so lang ist, nimmt ihn mit. Auch inhaltlich überrollt es ihn mit kleinkarierter, akribischer Philologie, in welcher der Spieler, Polemiker, von Schicksalsschlägen gebeutelte Lessing aus Soboczynskis Sicht nicht die geringste Kontur gewinnt. Auch die "Minimalpsychologie" mit der der emeritierte Cambridger Germanistikprofessor seine dürre Erzählung von Lessings Leben durch das philologische Gestrüpp begleitet, sorgt für Missbehagen beim Rezensenten, der sich außerdem am großspurigen Alleinvertretungsanspruch stört, mit der dieses Buch die Szene betreten hat. Seiner Einschätzung zufolge bereitet es nämlich allerhöchstens Fachgelehrten Erkenntnisgewinnn. Lesevergnügen bietet das in "umständlicher Gelehrtenprosa" verfasste Werk (dem auch die Übersetzung aus dem Englischen durch einen weiteren Lessingspezialisten nicht helfen kann) aus Soboczynskis Sicht so gut wie keines.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.02.2009
Sven Hanuschek, selbst Autor einer Canetti-Biografie, weiß diese umfangreiche Lessing-Biografie von Hugh Barr Nisbet zu schätzen. Deutlich wird für ihn darin, dass uns Lessing näher steht als viele spätere Autoren, insbesondere die der Weimarer Klassik. Er hebt die zahllosen Aktivitäten, die Lebendigkeit, die Vielseitigkeit Lessings hervor, der als Kritiker, Dramatiker, Polemiker, Editor, Philosoph, Alt- und Neuphilologe, Übersetzer, Rokokolyriker, Fabeldichter, Ästhetiker, Spielsüchtiger unterwegs war. Vorliegende Biografie, die systematisch das Zusammenwirken von Leben und Werken beschreibt, mutet ihn fast als Gegenentwurf zu seinem Objekt an, so nüchtern, gelassen, distanziert wirkt sie bisweilen auf ihn. Besonders hebt er die ausführlichen Beschreibungen und Analysen sämtlicher Werke Lessings hervor. Das Buch scheint Hanuschek allerdings weniger für ein breites Publikum geschrieben. Er sieht Barr Nisbets Ziel eher in einer "Gesamtschau auf dem heutigen Stand der Forschung", die "kurzlebige Moden nicht bedienen, Wissenschaftsjargon vermeiden und Lessing-Klischees abtragen soll". Das ist dem Autor in seinen Augen auch vollauf gelungen. Eine Stärke der Arbeit sind für Hanuschek die sozialgeschichtlichen Abschnitte. Mit Lob bedenkt er auch die Übersetzung des Werks durch Karl Guthke.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.12.2008
Ein "großes, gründlich gelehrtes Buch" nennt Jens Bisky die neue Biografie Gotthold Ephraim Lessings von Hugh Barr Nisbett. Der britische Germanist hat Bisky zufolge weitgehend eine Werkbiografie verfasst, die sich mit der intellektuellen Entwicklung Lessings anhand seiner Schriften beschäftigt und auf die Darstellung häuslicher Lebensumstände weitgehend verzichtet. Selbst gut belegte Ereignisse im Leben Lessings werden eher trocken abgehandelt, bemerkt Bisky. Da Nisbett jedoch aus den Schriften Lessings selten zitiert, bleibe seine Darstellung auch einer intellektuellen Biografie oft ein wenig blass. Die "betont glanzlose" Darstellung kann nichtsdestoweniger auch Temperamente Lessings wie seine intellektuelle Neugier oder auch einen Hang zu Polemik beschreiben und zeigt, wie Bisky betont, auch weniger bekannte, eher kauzige und "unbürgerliche" Seiten der Persönlichkeit. Den Übersetzer Karl S. Guthke beschreibt der Rezensent als Kenner Lessings und seiner Zeit, findet aber nichtsdestoweniger einzelne Fehler. Die nach drei Jahrzehnten erste große Biographie Lessings befindet sich auf dem gegenwärtigen Stand der Aufklärungsforschung und kann in der Tat, so Bisky, über die geistige Physiognomie Lessings hinaus auch eine Antwort auf die Frage geben, was Aufklärung sei.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2008
Das einzige Bedenken, das Rüdiger Görner angesichts dieser Lessing-Biografie hat, betrifft den Leserkreis, oder vielmehr den ungeduldigen Leser, den ohne Zeit, sich Lessing derart differenziert wie eindringlich vorstellen zu lassen. Mehr nicht? Mehr nicht als gut tausend Seiten, die den Rezensenten rundum glücklich machen und ihm Lessing nicht als Denkmal, sondern als brisanten Zeitgenossen, als Kritiker, Dialektiker, Polemiker und Rhetoriker präsentierten, sein Werk auf seine lebens- und ideengeschichtlichen Wurzeln hin abklopfen und den Mann in seinen Herzensnöten, im Kampf mit Intrigen und im publizistischen Gefecht zeigen. Jubel löst bei Görner die diskrete und dennoch offene Art Hugh Barr Nisbets aus, sein eher sparsamer Umgang mit Psychologie und seine Fähigkeit, dem Leser intellektuell und theologisch komplexe Probleme, wie Lessings Fehde mit Johann Melchior Goetze auseinanderzusetzen. Wer Lessing nur als leicht angestaubten Klassiker kennt, dem rät Görner unbedingt zu dieser für ihn auch übersetzerisch glanzvollen Monumentalbiografie.
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