Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 14.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Güner Yasemin Balci

Arabboy

Eine Jugend in Deutschland oder Das kurze Leben des Rashid A.

Cover: Arabboy

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN-10 310004813X
ISBN-13 9783100048134
Kartoniert, 286 Seiten, 14,90 EUR

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Klappentext

Rashid, Sohn einer libanesisch-palästinensischen Familie, ist weder Deutscher noch Libanese oder Palästinenser, er ist ein "Arabboy", so nennt er sich in den einschlägigen Chaträumen, die er und seine Kumpel mit selbstgemachten Gewalt-Clips versorgen. Sie gehorchen dem Gesetz der Straße, auf der sich jeder sein Recht nehmen muss. Wer das nicht kann, wird zum "Opfer" - er ist dem Lebenskampf nicht gewachsen. Mit Hilfe von Aabid, der es vom Flüchtlingsjungen zum "Mega-Checker" im Rotlichtmilieu gebracht hat, macht Rashid kriminelle Karriere, bis er durch seine Drogensucht die Kontrolle über sein Leben verliert. Ihn rettet seine Verhaftung. Im Gefängnis wartet er auf seine Abschiebung - und Deutschland, das so verhasste Land, wird für ihn zum Inbegriff aller Sehnsüchte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.10.2008

Durch und durch düster ist dieses Buch von Güner Yasemin Balci um einen deutschen Jugendlichen mit palästinensisch-libanesischen Familienhintergrund, der in Deutschland kriminell wird und schließlich von seiner Familie in die Türkei abgeschoben wird, muss Roswitha Budeus-Budde feststellen, die "Arabboy" allerdings nicht als Tatsachenbericht, sondern als Roman gelesen hat. Kein einziger hoffnungsfroher Lichtstrahl fällt in dieses "kurze Leben", das exemplarisch für eine türkische oder arabische Biografie in Deutschland steht, und die Autorin lässt ihre Geschichte auch genauso finster enden, so die Rezensentin. Balci sei übrigens selbst als Kind türkischer Eltern in Berlin, Neukölln aufgewachsen und später Sozialarbeiterin geworden, das heißt, sie weiß, wovon sie schreibt, lässt uns Budeus-Budde wissen.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008

Rezensentin Regina Mönch hat großen Respekt vor der Autorin und ihrem Buch. Die Journalistin Güner Yasemin Balci ist für sie eine "Aufklärerin im besten Sinn", weil sie nicht anklagt, sondern Verantwortung übernimmt und ihre Kompetenz nutzt, um dem libanesischen Flüchtlingsjungen Rashid eine Stimme zu verleihen. Was diese Stimme der Rezensentin zu erzählen hat, hat es in sich. Mönch hat Balcis Buch als Tatsachenbericht über eine Kindheit und Jugend in Berlin-Neukölln gelesen, wo die Autorin selbst aufgewachsen ist und in einem Jugendclub gearbeitet hat. Schlagartig wird ihr klar, wie weit die Diskussion um Integration oft an den hoffnungslosen Realitäten vorbeigeht. Die stilistische Vorgehensweise der Autorin, "lakonisch und präzise" und doch mit "viel Emphatie" für die Protagonisten, hält sie für angemessen und erkenntnisfördernd.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2008

In einer Mehrfachbesprechung widmet sich Johan Schloemann Büchern, die im Gewand der Sozialreportage Armut, Chancenlosigkeit und Gewalt zum Thema machen, die ihm aber in ihrer Absicht und Wirkung nicht ganz geheuer sind. Dazu gehört auch Güner Yasemin Balcis Buch "Arrabboy", in dem die Neuköllner Autorin das Porträt des jungen Intensivtäters Rashid in düstersten Farben zeichnet. Rashid ist ein wirklich unangenehmer Zeitgenosse, der bei allem Gerede von seiner eigenen Familienehre nicht den mindesten Respekt vor seinen Opfer zeigt. Sein Lebenstraum ist ebenso schäbig: Am liebsten würde er Chauffeur für den örtlichen Zuhälter werden. Nicht nur dass das Buch "richtig schön Angst" macht, nimmt Schloemann ihm übel, sondern auch, dass es Benachteiligung und Gewaltkriminalität unverrückbar miteinander verknüpft.

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