Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Spanischen übersetzt von Susanne Lange. Hauslehrer in der Luxusvilla einer russischen Familie in Marbella - nach langen Jahren in Russland sieht der junge Kubaner J. seine Chance gekommen, wieder in Richtung Süden zu wandern, auf der Suche nach dem verlorenen Meer. Aber wer sind die Hausherren Wassili und Nelly? Woher kommt ihr phantastisches Vermögen? Wie weit kann er der schönen Nelly trauen? Als Nelly ihm zum Lohn für die ersten Wochen einen funkelnden Diamanten in die Hand legt, keimt in J. der Verdacht, der Reichtum des Hauses könne daher rühren, daß Wassili der russischen Mafia angehört. Spricht nicht alles in diesem Haus eine doppelte Sprache? Verläßliche Antwort findet er allein in Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", für ihn "das Buch"schlechthin (eine Kristallkugel freilich, in der ihm die gesamte Literatur zu Hilfe eilt). J. begibt sich in ein Labyrinth aus Wirklichkeit und Vorstellung: Was wie ein echter Diamant funkelte, erweist sich als geniale Fälschung; die Hausherren, die er für Mafiosi hielt, entpuppen sich als Gejagte. Da hilft J. nur ein Blick in das Orakel seines Buchs und die Flucht nach vorn: Wassili muss als neuer Zar Rußlands ausgerufen werden.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.10.2008
Florian Borchmeyer staunt Bauklötze: So kann sie also auch aussehen, die kubanische Literatur. Gerade hat er sich durch das dichte Geflecht aus Klischees zu einem Plot vorgekämpft, der ihm Russland gut satirisch als postsozialistische Operettenmonarchie präsentiert, da überrascht ihn der Erzähler in Jose Manuel Prietos wagemutigem Roman - erst mit seinem offenkundigen Desinteresse an der Handlung und dann mit einer Proust-Exegese, die es in sich hat. Zu nichts geringerem nämlich, als zur Authentifizierung der Welt taugt sie ihm, erklärt uns der Rezensent, der sich auch vor weiteren literarischen Anspielungen (Nabokov, Borges, Cocteau etc.) bald nicht mehr retten kann, noch will. Zwar kommt die Handlung durch Prietos "bulimische Zitiersucht" fast gänzlich zum Erliegen, der Rezensent aber kann sich an einer "Art Antinarration" laben, die, wie er findet, dem pompös-eklektischen Stil des heutigen Russlands literarisch ziemlich gut entspricht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.10.2008
Georg Sütterlin kann dem Roman "Rex" von Jose Manuel Prieto, der als Teil einer Russland-Trilogie in deutscher Übersetzung erscheint, rein gar nichts abgewinnen. Im Mittelpunkt steht ein russisches Ehepaar in Marbella, das wegen gefälschter Diamanten von der russischen Mafia verfolgt wird. Wer hier einen realistischen Roman über einen "Nebenschauplatz" des postsowjetischen Niedergangs erwartet, der kennt Prieto schlecht, warnt der Rezensent. Der Erzähler dieser Geschichte ist nämlich der kubanische Hauslehrer des Sohnes, der ein glühender Verehrer Prousts ist, den er für alle drängenden Fragen des Lebens heranzieht. Auch sonst werden ständig die verschiedensten Schriftsteller zitiert, zudem mit einer äußerst "widerborstigen, sperrigen Sprache" operiert, der Prieto zu allem Überfluss die Verben entzogen hat, bemerkt ein ziemlich angestrengt wirkender Rezensent. Ihm geht die "metaliterarische Verspiegelung" auf den Geist und er hat den Eindruck, dass das gewaltige Bemühen des kubanischen Autors um Originalität nicht selten zum "Parfümiert-hochtrabend-Verschwurbelten" führt. Für Fans von Literatur-Literatur mag dieser Roman vergnüglich sein, Sütterlin zumindest ist von diesem Roman zutiefst angeödet.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.09.2008
"Ausgerechnet der postmoderne" kubanische Autor Jose Manuel Prieto nimmt sich - natürlich nicht ohne "ironisches Augenzwinkern" - des ambitionierten Projekts an, im Roman einen geschlossenen Kosmos zu schaffen, stellt Rezensent Kai Wiegandt verwundert fest. Das Ergebnis findet er jedenfalls höchst faszinierend. Zum Inhalt: Der Kubaner J., der bei einem russischen Ehepaar als Hauslehrer angestellt ist, soll die Familie aus den Fängen der russischen Mafia befreien, die der Hausherr, ein begnadeter Physiker, mit selbst geschaffenen künstlichen Diamanten betrogen hat. Er verfällt auf den Plan, seinen Arbeitgeber als russischen Zaren zu installieren um ihn unangreifbar zu machen. Sein Vorhaben baut J. auf einem literarischen Referenzsystems auf, in dessen Mittelpunkt Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" steht, erklärt der Rezensent bestrickt. Sprachlich verzichte Prieto gern auf die Verben am Ende - weiß eh jeder, was dahin kommt, glaubt der Rezensent. Diesen Mangel mache er aber mit umso erleseneren Metaphern und bedeutungsvollen Vergleiche wieder wett. Auch hier sieht Wiegandt im Bemühen um Unverwechselbarkeit und Originalität die Hinwendung zum "Ursprung des Romans aus dem Epos" in Szene gesetzt. Dass die Geschlossenheit dieses Königreichs, das J. tatsächlich erfolgreich gründet, nur mit einem Kniff zu haben ist - indem J. den physischen Tod des Königs unterbindet - wundert den Rezensenten gar nicht, habe doch schon Georg Lukac gezeigt, dass die "Repräsentation von Totalität" im Roman anders als im Epos nurmehr "als Taschenspielertrick möglich" ist.
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