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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 21.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Norbert Niemann

Willkommen neue Träume

Roman

Cover: Willkommen neue Träume

Carl Hanser Verlag, München 2008
ISBN-10 3446209948
ISBN-13 9783446209947
Gebunden, 608 Seiten, 24,90 EUR

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Klappentext

Asger Weidenfeldt, ein junger, erfolgreicher Fernsehjournalist in Berlin, spürt, dass er das wirkliche Leben verpasst. Er legt eine Pause ein, fährt zurück in die bayerische Heimat, wo seine Mutter Clara, eine gealterte Schauspielerin, vom vergangenen Ruhm zehrt. Als Clara zur Rückkehr des verlorenen Sohns ein großes Fest organisiert, prallen die Generationen, Lebensentwürfe und Träume aufeinander. Es kommt zur Explosion.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.12.2008

Stritten sich schon in den vorangegangenen Romanen von Norbert Niemann Theorie und Erzählen, so hat, nach Heribert Kuhns ernüchtertem Dafürhalten, in seinem dritten Roman die Theorie endgültig die "Oberhand gewonnen". Dass es mit einfachem "Dahererzählen nicht mehr getan ist", weiß auch der Rezensent und insofern weiß er Niemanns Theoriebewusstsein durchaus zu schätzen. Der Autor lässt seinen Helden, den Fernsehjournalisten Asger Weidenfeldt, in die bayrische Provinz reisen und auf einem auf dem Anwesen seiner Mutter ihm zu Ehren inszenierten Fest in wechselnden Perspektiven über Gesellschaft, Kultur und die Welt diskutieren. Dazwischen schaltet sich immer wieder ein auktorialer Erzähler ein, der erklärend, analysierend und deutend in die Personenrede eingreift, erklärt der Rezensent. Die Crux besteht für ihn vor allem darin, dass Niemann in der Erzählweise nicht variiert und sich die Stimmen der Protagonisten von den "metasprachlich geschliffenen Differenzierungsakten" des auktorialen Erzählers nicht unterscheiden lassen. Dadurch wirke insbesondere die Hauptfigur farblos und unlebendig, eine "blasse Kopfgeburt", wie der enttäuschte Rezensent feststellt.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008

Die über 600 Seiten dieses Romans von Norbert Niemann verwandeln sich für den Rezensenten bei der Lektüre zusehends zu einer "Menge Holz". Das ist nicht gut. Dass der Held des Buches vor der Gegenwart in die Provinz flieht, bloß, um festzustellen, dass der Kulturpessimismus dort nicht weniger Futter findet, deutet Richard Kämmerlings noch als Teil der von ihm zustimmend konstatierten "bitteren Ironie" des Autors. Allerdings merkt Kämmerlings schnell, dass der Autor den Stoff nicht überzeugend zu verdichten vermag und ihm die satirische Würze eines William Gaddis abgeht. Die zunächst so radikal daherkommende Zeitdiagnose erscheint ihm schließlich als bloße Rhetorik. Auch fragt sich Kämmerlings, wieso das Personal des Romans durch die Bank überhaupt keine Schwierigkeiten hat, die Malaise wahrzunehmen. Ganz so schlimm, findet der Rezensent, kann es um die Gegenwart also nicht bestellt sein.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.09.2008

Christoph Bartmann fand sich Norbert Niemanns Roman offenbar recht nahe und las ihn mit "gespannter Aufmerksamkeit". Die Handlung scheint zunächst nicht aufregend: Der Berliner Kulturjournalist und Tangoverächter Asger Weidenfeldt macht Urlaub im Chiemgau, wo seine wohlhabende Mutter anlässlich des Besuchs ein Fest gibt. Wie der Autor allerdings hier seine Gegenwartskritik und seine Fragen, beispielsweise wie wir unser Leben führen wollen, unterbringt, erstaunt Christoph Bartmann. Schon bei Asgers Zugfahrt in den Chiemgau spürt der Rezensent, wie hier "fast obsessiv" beobachtet, "wortgewaltig und hingebungsvoll" erzählt werde, wenn es dem SZ-Kritiker auch manchmal etwas "schematisch und klobig" vorkam.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.09.2008

Mit Bedauern konstatiert Rezensent Eberhard Falcke das völlige Misslingen dieses Romanprojekts. Zwar setze das ehrgeizige Buch "üppig instrumentiert" mit einer "Symphonie der Großstadt" an, führe den Leser alsbald aufs überschaubare bayrische Land, um schon während der Zugfahrt mit den Lektionen über die Widersprüche unserer Gegenwart zu beginnen: Die Geiseln der Simulation beispielsweise oder die Schwierigkeiten bei der Identifizierung der Wirklichkeit zwischen den Bildern von ihr. Doch Norbert Niemann "buchstabiert" sich dem Eindruck des Rezensenten zufolge nur sehr mühsam durch seinen Stoff. Kaum einmal werden die ohnehin nur schwach gezeichneten Figuren aus seiner Sicht durch einen "souverän inszenierenden" Erzähler bewegt oder in Szene gesetzt, sondern tauchten meist wie in "Nummernrevuen" auf. Zum Hauptthema des Buchs, der Kritik an der Medienwelt, werde aus "vieler Mund fleißig lamentiert, räsoniert, gegiftet". Doch findet der Rezensent dies weniger Erkenntnis fördernd als dass es für ihn eine fatale Mischung aus "diskursiver Hyperaktivität und erzählerischem Notstand" ergibt. Strafverschärfend kommt für Falcke hinzu, dass den Roman zuweilen "ein muffiger Hauch" von besserwisserischem Biedersinn durchweht.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2008

In höchsten Tönen lobt Rezensent Roman Bucheli den neuen Roman von Norbert Niemann. Schon den Prolog zu dieser ebenso klugen wie witzigen und poetischen Geschichte über den "versnobten Intellektuellen" Ansgar Weidenfeld feiert Bucheli als "erstaunliches, an Intensität, Präzision und Poesie kaum zu überbietendes Kabinettstück". Aber auch der Fortgang dieser Zeitreise in die Vergangenheit des Protagonisten in das Haus seiner Mutter in der Provinz begeistert den Rezensenten durch das besondere Talent dieses Autors, Denken und Handeln seiner Figuren transparent zu machen und so auch einen "Riss in der Zeit" und ihren Existenzen spürbar werden zu lassen, ohne ihn je direkt zu thematisieren. So wird der Roman aus Sicht des Rezensenten immer stärker auch zu einer "poetologischen Selbstauskunft" Niemanns, glänzt sein Erzählstil durch das Wechsel- und Zusammenspiel von aufblühender Imagination und nüchternem Räsonnement. Für Bucheli ergibt das eine einzigartige Mischung aus Sinnlichkeit, poetischer Verdichtung und erzählerischer Fülle.

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