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Volkmar Sigusch
Geschichte der Sexualwissenschaft
Klappentext
Die Geschichte der Sexualwissenschaft beginnt mit dem Italiener Mantegazza, der über die Physiologie der Liebe schrieb. Der Arzt Magnus Hirschfeld, der 1919 das Institut für Sexualwissenschaft gründete,warb um Toleranz für Homosexuelle, die Frauenrechtlerin Helene Stöcker engagierte sich für "Freie Liebe", Sigmund Freud entwickelte die Triebtheorie. Sie alle wurden 1933 mundtot gemacht. Selber Zeitzeuge, schildert Volkmar Sigusch auch die Entwicklung seit den 1950er-Jahren in Deutschland und den USA (Alfred C. Kinsey). Die Erforschung der Lüste, so zeigt sich, hatte stets das Ziel, die natürlichste Sache der Welt vom Makel der Sünde zu lösen, mit dem Moralapostel sie gerne versehen.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.02.2010
Als "enorme historiografische Leistung" und ein "glanzvoll erzähltes Werk" über die Triumphe und Tragödien der Sexualwissenschaft feiert Hans-Martin Lohmann diese Geschichte der Sexualforschung von Volkmar Sigusch, den der Kritiker als "international herausragenden Vertreter" dieses Fachs hervorhebt. Denn diese Disziplin sei wie kaum eine andere in die ideologischen und wissenschaftlichen Kämpfe der jeweiligen Epochen verstrickt gewesen und auch gegen "fatale Irrwege" nicht gefeit. All dies scheint das Buch höchst kompetent und lesbar zu dokumentieren und nachvollziehbar zu machen: von Antimasturbationskampagnen bis hin zur Anerkennung der Männerliebe. Auch die Verstrickungen der Disziplin in die Rassenlehre des Nationalsozialismus und schließlich ihre institutionelle Zerstörung nach 1933 und ihren Wiederimport aus den USA nach 1945. Was für Lohmann der besonders überraschende Befund dieser Studie ist: die Sexualwissenschaft war bis 1933 vorwiegend eine deutsch-jüdische Angelegenheit.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.07.2008
Oliver Pfohlmann zeigt sich nicht nur vom demonstrierten Kenntnisreichtum dieser Geschichte der Sexualwissenschaft tief beeindruckt, er genießt auch die Leidenschaftlichkeit und Parteinahme, die Volkmar Sigusch darin an den Tag legt, in vollen Zügen. Denn der Autor widme sich in seinem Buch natürlich auch den dunklen Seiten seiner Zunft und ziehe damit auch die Bilanz seiner jahrelangen Bemühungen um eine "kritische" Sexualwissenschaft, so der Rezensent interessiert. So stellt er mit Sigusch fest, dass sich kaum ein Sexualwissenschaftler den Bestrebungen nach einer "Rassenhygiene", die sich um 1900 verstärkten, widersetzte, außerdem zeigt er erhellend, welche individuellen "blinden Flecken" Sexualwissenschaftler pflegten: so waren für Sigmund Freud Frauen ein "dunkler Kontinent", Ernest Bornemann, ein autodidaktischer "Sexualexperte", ignorierte gleichgeschlechtliche Sexualität und konzentrierte sich auf das, was Sigusch bissig als "Coitus germanicus simplex" beschreibt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.06.2008
Ein Opus magnum sieht Hans-Martin Lohmann in dieser Geschichte der Sexualwissenschaft von Volkmar Sigusch. Nicht nur findet er nichts Vergleichbares weit und breit. Er glaubt auch nicht, dass jemand über einen vergleichbaren Schatz an Quellenliteratur verfügt wie Sigusch, der in 35 Jahren als Arzt und Soziologe sexuologische Werke und Nachlässe gesammelt hat. Weil Sigusch kritisch und stilistisch charakteristisch schreibt und sich enthält, die Protagonisten seiner Zunft zu idealisieren, liest Lohmann das Buch, das er übrigens auch als Nachschlagewerk empfehlen möchte, mit großem Gewinn.
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