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zuletzt aktualisiert 10.02.2012, 17.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Ivan Vladislavic

Johannesburg

Insel aus Zufall

Cover: Johannesburg

A1 Verlag, München 2008
ISBN-10 3927743992
ISBN-13 9783927743991
Gebunden, 272 Seiten, 19,00 EUR

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Klappentext

Aus dem Englischen von Thomas Brückner. Ivan Vladislavic durchstreift seine Stadt voller Empathie und ist dabei Betrachter, Sammler und Beteiligter zugleich. Ausgangspunkt seines Erzählens sind Erinnerungsorte, Zeitungsmeldungen und Veränderungen in der unmittelbaren Nachbarschaft, denen er auf seinen alltäglichen Streifzügen begegnet. Er schreibt über das eigensinnige Verhalten von Häusern, die in Alarmbereitschaft versetzt werden, über Lichtspielhäuser, die zu gigantischen Trödelmärkten umfunktioniert wurden, über Metallskulpturen, die auf seltsame Weise aus den Parks der Stadt verschwinden, über Gegenstände und Orte, die ihre ursprüngliche Bestimmung verloren haben. Selbstverständlich trifft er dabei auch auf Freunde, auf Künstler, Flickschuster, Diebe, Büroangestellte, Straßenverkäufer und Sicherheitsbedienstete.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.11.2008

Christoph Bartmann spricht für Ivan Vladislavic' Johannesburg-Porträt eine dringende Leseempfehlung aus und findet, dass man eigentlich gar nicht anders über Städte schreiben sollte, als es der 1957 in Pretoria geborene und in Johannesburg lebende Autor tut. Die Texte, die das Buch versammelt, sind aus so verschiedenen Anlässen wie einem Fotoausstellungskatalogtext, oder einer Recherche zur Post-Apartheidsarchitektur entstanden, erklärt der Rezensent. Und so ergibt sich, wenn der Autor über Gorillas, "Lügner und Gauner" oder die ausgeklügelten Einbruchssicherungen Johannesburger Häuser schreibt, ein multiperspektivisches Bild, das dabei erstaunlich "organisch und zusammenhängend" wirkt, wie der Rezensent schwärmt. Sowohl von der Literatur, maßgeblich von Elias Canetti, als auch von der Bildenden Kunst hat sich Vladislavic bei seinem Stadtporträt beeinflussen lassen und das Ergebnis macht unbedingt "Lust" diese Stadt zu besuchen, versichert Bartmann enthusiastisch.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.07.2008

In höchsten Tönen lobt Rezensentin Angela Schader diese Prosastücke, in denen Ivan Vladislavic von Johannesburg erzählt. Zunächst einmal sei der Band selbst "bestechend schön", Vladislavics Blick auf die südafrikanische Gesellschaft sei "geistreich, schonungslos und einfühlsam" und von einer Achtsamkeit und Achtung gegenüber dem Anderen geprägt, dass sie gern an seiner Seite durch diese zerrissene Stadt führen ließ. Geschult wurde dabei auch ihr Blick: Auf einmal lernte Schader "Tomasons" zu erkennen, Dinge, die nichts mehr mit ihrem ursprünglichen Zweck gemein haben. Und sie begegnete vom Gorilla bis zum Hercules-Kaktus der gesamten Produktpalette des südafrikanischen Sicherheitswahns genauso wie Metalldieben, die es auf öffentliche Bronzeskulpturen ebenso abgesehen haben wie auf Gullydeckel. Als einen der berührendsten Momente des daran wohl nicht armen Buches nennt sie den Moment, in dem Vladislavic auf die wohl geordnete "Schatzkammer" eines Obdachlosen stößt.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.05.2008

Geradezu ins Schwärmen gerät Rezensent Axel Timo Purr über Ivan Vladislavics Porträt des südafrikanischen Johannesburgs nach der Apartheid. Vor ihm entsteht in 138 Vignetten das Bild einer Stadt, die sich im drastischen Umbruch befindet und ihr Gesicht rasant verändert. Er besucht mit Vladislavic Orte und Gebäude, folgt ihm in seinen Alltag, lernt Freunde und Fremde kennen, die vom Autor aus verschiedensten Blickwinkeln porträtiert werden. Das Buch ist für Purr so etwas wie ein "zärtlicher Abschied" von Johannesburg - ohne Klischees, Larmoyanz und Nostalgie. Und so überkommt ihn bei der Lektüre das Gefühl eines "tröstlichen, kathartischen Schmerzes".

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