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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 10.24 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Katharina Hagena

Der Geschmack von Apfelkernen

Roman

Cover: Der Geschmack von Apfelkernen

Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2008
ISBN-10 3462039709
ISBN-13 9783462039702
Gebunden, 252 Seiten, 16,95 EUR

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Klappentext

Katharina Hagena erzählt von den Frauen einer Familie, mischt die Schicksale dreier Generationen. Als Bertha stirbt, erbt Iris das Haus. Nach vielen Jahren steht Iris wieder im alten Haus der Großmutter, wo sie als Kind in den Sommerferien mit ihrer Kusine Verkleiden spielte. Sie streift durch die Zimmer und den Garten, eine aus der Zeit gefallene Welt, in der rote Johannisbeeren über Nacht weiß und als konservierte Tränen eingekocht werden, in der ein Baum gleich zweimal blüht, Dörfer verschwinden und Frauen aus ihren Fingern Funken schütteln. Doch der Garten ist inzwischen verwildert. Nachdem Bertha vom Apfelbaum gefallen war, wurde sie erst zerstreut, dann vergesslich, und schließlich erkannte sie nichts mehr wieder, nicht einmal ihre drei Töchter.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.06.2009

Was Andrea Lüthi über diesen Roman erzählt, klingt ein bisschen kitschig. Eine Enkelin erinnert sich im Haus der verstorbenen Großmutter an drei Generationen Frauen ihrer Familie, und das Haus hat die Eigenschaft, auf geheimnisvolle Weise mit den Begebenheiten aus den Frauengeschichten zu korrespondieren, etwa wenn sich ein Apfelbaum im Garten nach einer unglücklichen Liebesnacht mit Frost überzieht. Lüthi ist aber merklich beeindruckt von derartiger Symbolik, die im übrigen von komischen Szenen aufgewogen zu werden scheint.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.07.2008

Was bitte ist ein "konventioneller Frauen- und Apfelroman"? Martin Halter verrät es uns. Katharina Hagenas Debüt führt er auf das großmütterliche Erbe zurück, und dazu gehört neben Geschichten unter Geschwistern, von Omas und Tanten, auch ein Apfelgarten. Was die Autorin draus macht, schmeckt Halter wie zu süßer Apfelmost. Kein Kitsch, nicht direkt, erklärt er, aber den Wurm vermisst er schon ein wenig. Zu gemächlich die Dynamik des Textes, zu lose verknüpft Gegenwart und Vergangenheit, und ein bisschen zu viel Mädchen-Romantik möglicherweise auch. Halter ist da zurückhaltend, doch scheint es, dass die Fantasie und das große Gespür der Autorin für Nuancen und Wortvaleurs ihm nicht genügen.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.06.2008

Christoph Haas ist begeistert von dem Romandebüt, das Katharina Hagena mit ihrer Familiengeschichte "Der Geschmack von Apfelkernen" vorgelegt hat. Die Autorin erzählt darin von Iris, die das Haus ihrer Großmutter erbt und so mit der Dialektik der Erinnerung konfrontiert wird, verrät der Rezensent. Subtil arbeite die Autorin gedächtnistheoretische Erkenntnisse ein und habe ein außerordentliches Händchen für das bedeutsame Detail, wobei ihre Erzählwelt vor allem aus der Konzentration auf sinnliche Eindrücke entstehe, so Haas beeindruckt. Wenn auch mal übersinnliche oder mythische Motive im Roman auftauchen, so bleiben solche Töne doch stets zurückhaltend und es geht Hagena offensichtlich nicht darum, hier eine große allgemeingültige Wahrheit zu verkünden. Sie ist vielmehr am sagenhaften Charakter der Vergangenheit interessiert, stellt der Rezensent fest. Die Reflexion über Erinnerung und das Lüften dunkler Familiengeheimnisse sei nicht unbedingt ein seltenes Ereignis in der Literatur, räumt Haas ein, doch er hat diesen Familienroman wegen seiner Zartheit, seiner Genauigkeit und Sinnlichkeit besonders gern gelesen.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.04.2008

Als "wohltuend altmodisch" und ebenso traurig wie tröstlich lobt Rezensentin Martina Meister dieses Romandebüt, das sie als "Familiensaga" beschreibt, als "nostalgisches Buch", das eher Gerüche als Bilder beschwören würde. Modern sei das Buch aber trotzdem, und zwar auf der formalen Ebene. Denn die Lebensfäden der darin geschilderten Generationen ergäben keine "aufsteigende Linie" mehr, sondern seien heillos verstrickt. Erzählt werde aus der Perspektive einer jungen Bibliothekarin, die das Haus ihrer Großmutter geerbt habe, und sich mit der Geschichte ihre Familiengeschichte erschließt. Und zwar "offizielle Familiendramen" und "inoffizielle Katastrophen" gleichermaßen. Die Rezensentin mag besonders die Art, mit der die Autorin Katharina Hagena in ihrem Buch das Vergessen und Erinnern behandelt, und das, was sie als die "faszinierende Untreue des Gedächtnisses" beschreibt. Hagena entwickele ihre Geschichte an der Alzheimer-Erkrankung der Großmutter der Protagonistin entlang, die mit einem Sturz vom Apfelbaum begonnen habe. Auch der verwilderte Garten des Hauses enthält der Beschreibung der Rezensentin zufolge jede Menge metaphorisches Potenzial.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.04.2008

In höchsten Tönen lobt Rezensentin Anne Nordmann dieses "intelligente" Romandebüt, das ihrer Ansicht nach völlig zu Recht die Bestsellerlisten erreicht hat. Es handelt sich ihren Informationen zufolge um die Geschichte einer Erbschaft, die für sie in manchem mit Arno Geigers Buch "Es geht uns gut" vergleichbar ist: eine Großmutter stirbt und am vererbten Haus entlang wird noch einmal eine Familiengeschichte über mehrere Generationen erzählt. Die Rezensentin beeindruckt nicht nur der komplexe Bau des Romans, sondern auch der höchsteigene, leicht ironische Ton der Autorin, die sie speziell mit einem feinen Gespür für Privates beeindrucken kann. Zentrum des Buchs bildet ihrem Eindruck zufolge die Frage nach dem Erinnern und Vergessen. Zwar gibt es auch geringfügige Unverträglichkeiten für die Rezensentin zu notieren. Aber das ficht das positive Gesamtbild nicht an.

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