Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Held dieser Geschichte ist Nasrettin Öztürk, Deutscher Meister im Superfedergewicht und nicht zufällig namensgleich mit Nasrettin Hoca, den Goethe den türkischen Eulenspiegel genannt hat und der selbst den völkerfressenden Timur zum Lachen brachte. In den siebziger Jahren mit seinen Eltern aus Anatolien nach Berlin gekommen, ein "Kanake", Nichtsnutz und Spieler, steht Nasrettin nun gereift im Ring zu Beausoleil bei Monaco, um dem Franzosen Sandol den Titel des Europameisters abzunehmen. Listig wartet er auf seine Chance, und während er lauert, springt die Erzählung in seine Jugend und Kindheit, ja noch weiter zurück in die Zeit seiner Ahnen und Urahnen. Prachtvolle Sultane, religiöse Eiferer und machtgierige Paschas treten darin auf, aber auch Schweinefleisch, Al Pacino und entführte Mädchen spielen eine Rolle.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.08.2004
Rezensent Christoph Bartmann bekennt, "in den letzten Jahren" keinen Roman gelesen zu haben, der derart vor Wissen strotzte wie dieses "Epos" von Thorsten Becker. Der "imposante" Roman erzählt die Geschichte von Nasrettin Özturk, dem Sohn nach Deutschland eingewanderter Türken, der sich als Boxprofi zum Europameister im Superfedergewicht hocharbeitet. Eingebunden in diese "exemplarische türkische Gastarbeitersaga" erzählt Becker "die türkische Geschichte von der Islamisierung des Landes bis zu den Reformen von Atatürk". Diesen Geschichtsabriss hat Rezensent Bartmann als das eigentliche "Hauptstück" des Romans ausgemacht und er bewundert, wie "spielend" Becker diese gewaltige Stoffmenge literarisch bewältigt hat. Bartmann erläutert den Kunstgriff dahinter ausführlich: Becker lässt den Roman nämlich "leger zwischen den Ebenen" schwenken, türkische Geschichte und Nasrettins Meisterschaftskampf werden wechselweise erzählt. Leises Unbehagen empfand der Rezensent allerdings an der überdeutlichen Parteilichkeit des "bekennenden Turkophilen" Becker; so zeige sein Geschichtsbild mitunter fragwürdige "(Miss)-Deutungen, zum Beispiel bezüglich des Genozids an den Armeniern, der hier als "Folge des armenischen Nationalismus" dargestellt werde. Rezensent Bartmann vermutet, dass hier weniger der "Historiker" spreche, sondern eher der "orientalische Geschichtenerzähler".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.02.2004
Dirk Fuhrig ist sich sicher: Wer nach Literatur "voller Ironie und feinem Humor" sucht, ist hier richtig. Ebenso alle, die sich einfach nur eine richtig gute Geschichte erzählen lassen wollen, und selbst die historisch Interessierten unter den Lesern. Denn Thorsten Becker lässt seinen deutsch-türkischen Roman auf drei Ebenen spielen: Den Rahmen bildet ein Boxkampf, in dem der Held Nasrettin Öztürk für Deutschland um die Europameisterschaft kämpft, in den Schlagabtausch geschoben ist eine Familiensaga, die von Anatolien ins Rheinland führt, und dazu taucht der Roman noch "in die lange Geschichte des türkischen Staats, der Osmanen, Seldschuken und der Janitscharen-Heere ein". Und siehe da: "Die Verknüpfung der drei Erzählebenen ist hervorragend gelungen." Auch sonst ist Fuhrig voll des Lobes und sieht "Sieger nach Punkten" allein auf weiter Flur, wenn es um das "Leben und die Kultur" türkischer Einwanderer geht. Becker sei ein "über alle Maßen origineller, geistreicher und kluger Erzähler" und komme zudem völlig ohne Klischees aus. Ein Glücksfall also, dieser Roman - "ein glänzend geschriebenes und konzipiertes Stück Gegenwartsliteratur."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2004
Wenig zu wünschen übrig lässt dieser Roman für Rezensent Andreas Platthaus, jedenfalls was die Eleganz und Blumigkeit seiner Sprache betrifft. In zwölf Runden eines Boxkampfes verpacke Autor Thorsten Becker nicht weniger als die gesamte Geschichte der Türkei seit dem Übertritt der Turkvölker zum Islam, gibt der Rezensent beeindruckt zu Protokoll. Parallel würden auf zwei weiteren Erzählebenen des Romans die Geschichten der beiden, den beschrieben Boxkampf austragenden Kämpfer geschildert: die des auf Martinique geborenen Franzosen Marcel Sandol und die des deutschen Türken Nasrettin Öztürk. Doch bald ermüdet der Rezensent wie die Kämpfer im Ring, lesen wir mit leichtem Bedauern. Nicht immer nämlich habe Becker sein in die Jahrhunderte ausuferndes Personal im Griff. Dabei findet Platthaus noch verzeihlich, dass Becker in seinen Schilderungen manches zum Klischee gerinnt. Unverzeihlich hingegen findet er, dass gerade die jüngere türkische Geschichte durch die rosarote Brille betrachtet wird und besonders in den Passagen, die Becker dem Völkermord an den Armeniern widme, nichts anderes als türkische Geschichtsklitterung betrieben werde.
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