Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Von Legenden überwuchert, durch Sprachregelungen entstellt, von Denkverboten verdunkelt, so zeigt sich dem Wissbegierigen das Bild Mohammeds. Ist er überhaupt eine historische Gestalt? Er ist es! So lautet das Ergebnis langjähriger Forschungsarbeit, die nicht nur die muslimischen Standardquellen einer kritischen Prüfung unterzogen hat, sondern auch die vielschichtige "Nebenüberlieferung". Mohammed erweist sich als der Exponent einer im 4. Jahrhundert einsetzenden hochreligiösen Durchdringung des arabischen Heidentums, die sich nicht nur im Koran niedergeschlagen hat.
Der historische Mohammed kämpfte zunächst vergeblich um die Macht in Mekka und setzte dann von Medina aus eine Eroberungswelle in Gang, die durch die politischen Verhältnisse der Zeit begünstigt wurde. Zwei Jahrzehnte nach seinem Tod kam sie zum ersten Mal zum Stillstand, die übergroßen Erwartungen der Beteiligten wurden enttäuscht. Der Blick zurück verklärte nun die Zeit, in der Mohammed unter den Lebenden geweilt hatte - der Islam, untrennbar verknüpft mit der idealisierten Gestalt des Propheten, betrat die Bühne der Geschichte.
Tilman Nagel: "Mir kommt es in meinen Büchern 'Mohammed. Leben und Legende' und 'Allahs Liebling. Ursprung und Erscheinungsformen des Mohammedglaubens' nicht auf eine Abbildung der muslimischen Biografie Mohammeds an, sondern auf die geschichtswissenschaftliche Erfassung seiner Gestalt und seines Wirkens vor dem Hintergrund der spätantiken vorderasiatischen Ereignis-, Gesellschafts- und Religionsgeschichte sowie auf die Schilderung der Genese und Weiterentwicklung des muslimischen Mohammedglaubens."
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.09.2008
Für den Nachttisch einfach zu monumental, urteilt der Rezensent angesichts von 1500 Seiten philologischer Gründlichkeit. Die Menge an Informationen, die Lukas Wick aus den zwei Bänden des Orientalisten Tilman Nagel entgegenflutet, sowie die Art der Präsentation (langatmig, fußnotenreich, mit umfangreichem Anhang) veranlassen den Rezensenten, die Zielgruppe der Publikation, die er für einen mutigen Wurf des Verlags hält, bei den Fachleuten zu suchen. Wick konstatiert die Ausweitung der Darstellung vom Menschen Mohammed auf die in den arabischen Quellen niedergelegte Wirkungsgeschichte des Propheten und die Verortung der Lebensbeschreibung in der Religionsgeschichte Südarabiens im 6. und 7. Jahrhundert und bemerkt, dass der Autor an einem "glaubwürdigen Kern" im Quellenmaterial festhält. Nagels gemäßigter, weitgehend werturteilsfreier Standpunkt zwischen allzu skeptischen und hagiografischen Beurteilungen des Propheten ist dem Rezensenten sympathisch.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.08.2008
Sehr zufrieden zeigt sich Rezensentin Katajun Amirpur mit dieser Biografie Mohammeds, die der Islamwissenschaftler Tilman Nagel vorgelegt hat. Sie bescheinigt ihm, anhand zahlreicher Quellen ein Bild des historischen Mohammed zu zeichnen und dabei dessen tatsächliches Leben von den Legenden zu trennen. Nagel arbeite die "belastbaren Tatsachen" heraus und komme im Unterschied zu Hans Jansen, Autor einer gleichfalls aktuellen Mohammed-Biografie, zu dem Schluss, es habe Mohammed als historische Figur tatsächlich gegeben. Wohltuend empfindet sie an Nagels Arbeit, dass sie - auch im Unterschied zu der von Jansen - ohne Polemik auskommt. Auch wenn die Lektüre von Nagels wissenschaftlich-fundiertem Werk bisweilen etwas trockener ausfällt, zieht sie es dem Buch Jansens vor.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.03.2008
Mit seiner großen Mohammed-Biografie und dem gleichzeitig erschienen Band "Allahs Liebling. Ursprung und Erscheinungsformen des Mohammed-Glaubens" hat der emeritierte Göttinger Islamwissenschaftler ein Standardwerk geschaffen, das an Bedeutung über Jahrzehnte hinweg nichts einbüßen wird, prophezeit der hier rezensierende Islamwissenschaftler Peter Heine. Besonders gut gefällt ihm der Reichtum an Quellen, viele davon noch nicht in eine europäische Sprache übersetzt. Wie sich der Islam inmitten einer lebhaften Konkurrenz von Christentum, Judentum und anderen arabischen Religionsbewegungen durchgesetzt, wie Mohammed den Islam etabliert und andere Einflüsse verarbeitet und wie sich nach seinem Ableben bestimmte Glaubensgrundsätze über die Zeit hinweg entwickelt und verändert haben, all das schildere Nagel "spannend" wie "überzeugend". Heine verbeugt sich tief vor dem Kollegen, dessen souveräne Expertise für ihn in beiden Büchern sichtbar wird.
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