Nach dem Holocaust schien es undenkbar, dass in Deutschland wieder Juden leben könnten. Doch viele, die überlebt hatten, blieben, andere kehrten zurück, zum Missfallen der Juden im Ausland. So war das Leben in der Bundesrepublik zunächst geprägt von fehlendem Schuldbewusstsein bei Nichtjuden und Schuldgefühlen bei Juden, die sich für ihr Bleiben rechtfertigen mussten. Wie sich das komplizierte Verhältnis zwischen Juden und Nichtjuden entwickelte, welche Rolle jüdisches Leben in der jungen deutschen Demokratie spielte und wie jüdische Gemeinden wieder Fuß fassten, beschreibt Anthony Kauders erstmals auf breiter Quellengrundlage.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.09.2008
Positiv aufgenommen hat Ludger Heid diese Geschichte der Juden im Nachkriegsdeutschland, die Anthony D. Kauders vorgelegt hat. Er rekapituliert die unterschiedlichen Phasen deutsch-jüdischer Geschichte in der BRD der fünfziger bis achtziger Jahre, beleuchtet die Gründe von Juden, sich nach dem Holocaust für ein Leben in Deutschland zu entscheiden, und berichtet über ihr Verhältnis zu Israel und die Zuwanderung von Juden aus den GUS-Staaten nach dem Fall der Mauer. Dabei konstatiert er auch, dass die Geschichte der Juden in der BRD nach dem Holocaust im Grunde "unspektakulär" sei. Die jüdische Bevölkerung sei "zahlenmäßig unbedeutend, überaltert, nahezu unsichtbar" gewesen, der real existierende Antisemitismus dagegen "geradezu imposant". Insgesamt schätzt Heid Kauders' Buch als einen ironischen und mit Schwung geschriebenen Essay.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.04.2008
Als einen "lesenswerten Streifzug durch die deutsch-jüdische Geschichte" empfindet Rezensentin Claudia Schwartz das Werk von Anthony D. Kauders. Jüdischsein ist in jedem Jahrzehnt der Bundesrepublik Deutschland unterschiedlich definiert worden, schreibt Claudia Schwartz. Schritt für Schritt wurde aus dem "Dauerprovisorium ein Zuhause". Neben der vorsichtigen Annäherung zurückgekehrter Juden an ihre Heimat werde auch die aktuellste Problematik gut beschrieben: Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion sei eine große Anzahl osteuropäischer Juden nach Deutschland gekommen, was für Spannungen innerhalb der jüdischen Gemeinden sorge. Die Rezensentin schreibt dem Autor einen "nüchtern-kritischen Blick" zu, mit dem er die "schwierige Koexistenz zwischen Deutschen und Juden bei aller Selbstverständlichkeit im Zusammenleben" beschreibt.
Mit Interesse aber auch gemischten Gefühlen, und immer wieder deutlich formulierter Distanz zur gelegentlich beobachteten Überheblichkeit mancher Urteile dieses in Zürich geborenen Historikers hat Rezensent Willi Jasper dessen jüdische Nachkriegsgeschichte gelesen. Besonders die Teile über die Beziehungen der in Deutschland nach 1945 wieder ansässig gewordenen Juden zur Bundesrepublik und dem Staat Israel findet er ebenso spannend wie komplex. Irritiert ist Jasper, dass Anthony D. Kauders die deutschen Nachkriegsjuden als antiintellektuell beschreibt, ohne einfühlsam oder gar analytisch die Ursachen dafür zu beleuchten. Auch Kauders Urteil über das Rückkehrverhalten prominenter jüdischer Intellektueller nach 1945 findet Jasper anfechtbar.
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