Der Tanz auf dem Vulkan - Volker Kutscher lässt in einem Kriminalroman das Berlin des Jahres 1929 gegenwärtig werden: Gereon Rath, neu in Berlin und abgestellt bei der Sitte, erlebt eine Weltstadt im Rausch und voller sozialer und politischer Spannungen. Ein Toter ohne Identität, der Spuren bestialischer Folterung trägt, gibt der Mordkommission Rätsel auf. Rath entdeckt eine Verbindung zu einem Kreis oppositioneller Exilrussen, die mit geschmuggeltem Gold Waffen kaufen wollen, um einen Putsch vorzubereiten. Auch andere sind hinter dem Gold und den Waffen her. Rath bekommt es mit Paramilitärs und dem organisierten Verbrechen zu tun. Er verliebt sich in Charly, Stenotypistin in der Mordkommission, und missbraucht ihr Insiderwissen für seine einsamen Ermittlungen. Dabei verstrickt er sich immer weiter in den Fall und macht sich schließlich selbst verdächtig.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2008
Mit Begeisterung hat Hardy Reich diesen historischen Kriminalroman gelesen, für den sich Volker Kutscher viel vorgenommen hat: Den Untergang der Weimarer Republik nachzuzeichnen. Für den Rezensenten ist ganz klar, dass Kutscher dieser eigenen Ambition durchaus gerecht wird, alles sei "ganz und gar schlüssig". Der Roman spielt im Berlin des Jahres 1929: Der sozialdemokratische Polizeipräsident hat, um den Kommunisten einen Strich durch die Rechnung zu machen, die Mai-Umzüge verboten, es kommt zu den berühmten blutigen Mai-Unruhen mit Dutzenden Toten. Diese Umstände sind jedoch nicht nur Kulisse, sondern werden von Kutscher direkt mit der Krimihandlung verknüpft, in der ein aus Köln versetzter Kripo-Beamte gegen Unterwelt und höhere Politzirkel ermittelt. Das gefällt dem Rezensenten so gut, dass er dem Autor den etwas gezwungen lakonischen Stil nicht nachhaltig übel nimmt.
Mit offensichtlichem Vergnügen hat Rezensent Oliver Pfohlmann diesen Krimi vor der Kulisse der Weimarer Republik gelesen. Dem Autor Volker Kutscher bescheinigt er einiges handwerkliches Können, genaue historische und milieusichere Recherche sowie die Fähigkeit, meist treffsichere Dialoge zu schreiben. Die knapp 500 Krimiseiten fand der Rezensent "trotz gelegentlicher Längen" insgesamt ziemlich spannend. Nur der Schluss gefiel ihm nicht, zu sehr fühlte er sich an James Ellroys Los-Angeles-Krimi "L. A. Confidential" erinnert. Auch hätten dem Roman aus Rezensentensicht ein paar mehr politisch unkorrekte Ecken und Kanten, Juden und Nazis gut getan. So ist der Roman eine Spur zu solide, meint der Rezensent.
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