Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Französischen von Klaus Laabs. 8. Oktober 1908: "Adolf Hitler durchgefallen." Ein einzelner Satz steht am Anfang der Katastrophe, die ein Jahrhundert erschüttert hat. Was aber, wenn die Aufnahmekommission der Wiener Kunstakademie damals anders entschieden hätte? Was, wenn der zwanzigjährige Aspirant, der sich prächtig aufs Kolorieren von Architekturpostkarten verstand, tatsächlich Maler geworden wäre? Könnte es sein, dass dieser junge Mann etwas mit uns zu tun hätte? Ohne Scheuklappen wirft Eric-Emmanuel Schmitt in seinem neuen, bislang umfangreichsten Roman die verstörende Frage nach den Bedingungen auf, die einen Menschen zu dem machen, was er ist.
Parallel zu der Geschichte des Diktators Adolf Hitler erzählt Schmitt eine Lebensgeschichte im Konjunktiv, die Biographie des Kunstmalers Adolf H., in der ein Mensch sich unter der humanen Gewalt der Kunst zu einem uns Unbekannten entwickelt. "Adolf H. Zwei Leben" ist nicht nur eine Reflexion über das Verhältnis von Kunst und Politik, Genie und Wahnsinn, es lädt uns auch dazu ein, über das Ungeheuer nachzudenken, das in jedem von uns selbst wohnt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2008
Hin- und hergerissen ist Rezensent Andreas Platthaus von diesem Roman, in dem Eric-Emmanuel Schmitt das imaginierte und das wahre Leben Adolf Hitlers nebeneinander stellt. Nach der "Romanphantasie" des französischen Autors wäre aus Hitler kein Massenmörder geworden, wäre er an der Kunstakademie angenommen worden, und so wird dieser Umstand zum Wendepunkt in der Biografie des Diktators, erklärt der Rezensent fasziniert, der dieses Buch nicht zuletzt auch als Gegenstück zu Jonathan Littells Roman "Die Wohlgesinnten" gelesen hat. Die unterschiedlichen Erzählweisen, die Schmitt gewählt hat - er erzählt aus der Innenperspektive des Künstlers Adolf H., dagegen auktorial über die historische Figur Hitler - findet Platthaus ebenfalls sehr überzeugend. Peinlich dagegen sind ihm die vielen Klischees, mit denen der Autor die Läuterung des jungen Künstlers durch Sitzungen bei Sigmund Freud und eine ältere Geliebte beschreibt und hier, so Platthaus, nimmt das Buch kolportagehafte Züge an. Wenn Schmitt den Soldaten Adolf H. in den Schützengräben nach der "Endlösung" für die dort grassierende Rattenplage nachsinnen lässt, dann ist das für unseren Rezensenten einfach nur "geschmacklos".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.01.2008
Eric-Emmanuel Schmitts Versuch, sich einen "alternativen" Hitler auszumalen, hält Rezensent Thomas Laux für katastrophal gescheitert. Die immer wieder auch von Historikern aufgeworfene Frage, was gewesen wäre, wenn Hitler 1908 die Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie in Wien bestanden hätte, scheint ihm zwar faszinierend. Schmitts Umsetzung dieser Frage in einen Roman über Hitler als Künstler hat ihn indes nicht überzeugt. Er hebt hervor, dass der Autor neben den erfundenen Hitler den historischen gestellt hat und beide alternierend zu Wort kommen lässt. Als Leser sperrt er sich einfach angesichts der Monströsität des historischen Hitlers gegen die Vorstellung eines positiven - zumal wenn diese alternative Version so extrem klischeehaft daherkommt wie in diesem Roman. So erscheine Schmitts Künstler-Hitler nicht nur als Ausländerfreund und Anti-Antisemit, er lege sich auch bei Dr. Freud auf die Coach, arbeite in Paris, wo er Charlie Chaplin begegne, und gehe schließlich als Kunst-Professor nach Berlin. Auf Laux wirkt das alles schlicht "bis ins Übermaß konstruiert, verkitscht und verschwurbelt". Schmitt hätte dieses Buch besser bleiben lassen sollen.
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Uangenehm plausibel
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