Mit zahlreichen Abbildungen. Was bedeuten die großen gesellschaftlichen Brüche der vergangenen 150 Jahre für ein Wiener Stadtviertel? Auf der Spurensuche in dem ursprünglich sozial und wirtschaftlich stark durchmischten Bahnhofsviertel begegnen wir unterschiedlichen Milieus, der Geschichte einer jüdischen Familie von der Zuwanderung über die Vertreibung bis zu ihren Bemühungen um Restitution, der Karriere eines NS-"Ariseurs" ebenso wie dem sozialdemokratischen Nachkriegsmilieu und der ab den 1960er Jahren erfolgten Abwanderung der jungen erwerbstätigen Generation, die Platz macht für die Zuwanderung ausländischer Migrantenfamilien. Die soziale Dynamik im engen nachbarschaftlichen Zusammenleben zieht Spannungen und Konflikte nach sich, wobei in jüngster Zeit ein urbaner Modernisierungs- und Aufwertungsprozess sichtbar wird.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.12.2007
Dieses Buch nimmt sich Gabriele Anderl "immer wieder gern" vor. Ausschlaggebend dafür sind für sie nicht nur die vielen Illustrationen, Interviewauszüge und literarischen Texte, mit denen die Herausgeber Evelyn Klein und Gustav Glaser die Geschichte des Wiener Nordbahnviertels dokumentieren. Aus den in "akribischer Spurensuche" rekonstruierten Einzelschicksalen und Schlüsselrollen bestimmter Orte und Personen (Volkertmarkt, Franz Krapmaier) liest sie die innerstädtische Funktion des Viertels, aber auch die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche, vom Ende des 19. Jahrhunderts, über den Nationalsozialismus, bis heute, heraus. "Eindringlich erzählt und analysiert", wird der Mikrokosmos eines mitteleuropäischen Großstadtviertels vor den Augen der Rezensentin zum Spiegel der Zeiten.
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