Bücherschau der Woche
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Christoph Ransmayr
Strahlender Untergang
Ein Entwässerungsprojekt oder Die Entdeckung des Wesentlichen
Klappentext
Christoph Ransmayrs erste poetische Arbeit, 1982 in rhythmischer Prosa geschrieben, erzählt mit grimmiger Ironie vom Verschwinden des Herrn der Welt, des Menschen. Als Proband - Held oder Opfer? - einer Neuen Wissenschaft, die nur noch Verwüstung betreibt und nichts mehr herzustellen vermag als die Organisation des Verschwindens, wird dieser Herr im Rahmen eines Entwässerungsprojekts der Sahara ohne Wasser und Lebensmittel in einem Terrarium ausgesetzt und seinem Untergang überlassen. Während er zwischen Dünen und Geröll dem Tod durch Verdursten entgegentaumelt, belehrt ein anonymer Vertreter der Neuen Wissenschaft eine akademische Delegation in der Oase Bordj Moktar, dass hier streng nach den Gesetzen der Logik unter einer sengenden Sonne zu Ende gebracht werde, was vor Milliarden Jahren auch unter Sonnenstrahlen begann: das organische Leben, der menschliche Auftritt.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.12.2000
Dieser nachträglich herausgebrachte literarische Erstling Christoph Ransmayrs - eine "im ökologischen Trend der achtziger Jahre liegende Weltuntergangsvision" - stimme bereits ein Leitmotiv der späteren Arbeiten des Autors an, schreibt Samuel Moser: Den hier behandelten "Vorstoß des Menschen an die Ränder der Zivilisation, an denen sich ihm das Zentrum seiner Existenz enthüllt" nun erscheint ihm "etwas pompös" und beeindruckend zugleich. Ambivalent bleibt das Urteil des Rezensenten, wenn er den Text als "von mephistophelischer Bosheit" kennzeichnet, ihn aber gleichfalls "zutiefst moralisch" findet und ihn in einem "irritierenden Raum zwischen Science Fiction und archaischem Mythos" ansiedelt. Erst im letzten Satz der Besprechung zeigt sich recht eindeutig, was Moser eigentlich schätzt an diesem Buch: Es sind die "leiseren Geräusche eines Untergangs".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.09.2000
Volker Weidermann weist darauf hin, dass dieses Buch bereits 1982 erschienen ist und damals ein rechter Flop war. Mittlerweile ist Ransmayr jedoch ein bekannter Schriftsteller, und so habe sich der Verlag wohl auf das Frühwerk besonnen, so der Rezensent. Seiner Besprechung ist die Vermutung zu entnehmen, dass das Buch auch nach fast zwanzig Jahren nicht interessanter geworden ist: ?Pathos, Pathos und große Worte?, stöhnt Weidermann, der spürbar genervt ist von der Geschichte um das Verschwinden des Menschen in der Wüste, der - geldgierig und oberflächlich - ?den Blick für das Wesentliche? verloren hat.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.08.2000
Verdientermaßen neu aufgelegt worden ist dieser Roman einer "letzten Welt", schreibt Paul Jandl, der erste in einer ganzen Reihe eines zutiefst pessimistischen Oevres. Hier ist in einem "Projekt" die Wissenschaft und ihre Experimentiersucht "auf die Spitze getrieben": ein Mensch wird in der Versuchsanordnung eines durch Aluminiumwände abgegrenzten Wüstenareals ausgesetzt, sein Tod ist gleichzeitig auch der der Wissenschaft selbst. Erschienen 1982 auf dem Höhepunkt der "Anti-Atom-Proteste", schreibt Jandl, macht dieses Buch ob seiner Technikfeindlichkeit heute vielleicht staunen, aber der Parabel-Charakter und die Sprache des Autors, für den am "unwirtlichen Ort der Leere ... die Sprache und das Erzählen gerade erst anheben", haben von ihrer Kraft nichts eingebüßt, resümiert der Rezensent.
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