Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 08.02.2012, 16.40 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Roberto Saviano

Gomorrha

Reise in das Reich der Camorra

Cover: Gomorrha

Carl Hanser Verlag, München 2007
ISBN-10 3446209492
ISBN-13 9783446209497
Gebunden, 368 Seiten, 21,50 EUR

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Klappentext

Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann und Rita Seuss. Die süditalienische Camorra mischt mit im internationalen Drogenhandel, verschiebt riesige Mengen Giftmülls in Italien, macht gewaltige Geschäfte mit der Herstellung billiger wie hochwertiger Textilien, hat praktisch das Monopol auf den Handel mit Zement - und Geschäftsbeziehungen, die bis nach Deutschland, Schottland oder China reichen. Der junge Journalist Roberto Saviano hat unter Einsatz des eigenen Lebens vor Ort in Neapel recherchiert, Beweise geliefert und ein Buch geschrieben, das dem Leser den Atem nimmt. Saviano lebt inzwischen im Untergrund.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.10.2007

Michael Braun zeigt sich in seiner Rezension beeindruckt nicht nur vom großen Tatsachenmaterial, das Roberto Saviano in seinem Erfahrungsbericht über die neapolitanische Camorra aufbietet, sondern auch von der literarischen Qualität der Schilderung. Savianos nüchtern und bisweilen fast zynisch erscheinender Bericht zehre von den persönlichen Erfahrungen, die der junge Autor und seine Familie mit der kampanischen Mafia gemacht habe. Trotz der großen Subjektivität, die sich aus diesem Herangehen ergibt, habe Saviano auch eine tiefgehende Analyse der mafiösen Strukturen geleistet, lobt Braun. Da der Erfolg der Mafia darauf beruhe, in der Öffentlichkeit totgeschwiegen zu werden, bedeute die große Beachtung, die Savianos Buch in Italien erfahren habe, bereits einen Erfolg gegen die Mafia.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007

Dies ist, preist die Rezensentin Kerstin Holm diese literarische Reportage, "ein Epos unserer Zeit". Roberto Saviano hat sich im Wallraff-Stil mitten hinein begeben in die "größte kriminelle Organisation" in Europa - die neapolitanische Camorra. Was er nach der Rückkehr ins zivilisierte Leben zu berichten weiß, lässt den Atem stocken. Es gibt Einblicke in die Globalisierung des Verbrechens, die zum Beispiel nicht davor zurückschreckt, weite Teile Kampaniens zur Müllhalde verkommen zu lassen. In ihrer Selbstdarstellung orientieren sich die Camorristi vorzugsweise an den Übertreibungen, die sie aus Brian Di Palmas Film "Scarface" kennen; bei aller Stillosigkeit aber sind sie auf dem aktuellen Stand ökonomischen Handelns und darum ist ihrer auch kaum habhaft zu werden. Die Rezensentin weiß Savianos "Pathos" ebenso zu schätzen wie seine "lateinische Klarheit" und feiert nicht nur das Buch, sondern auch seinen nach Morddrohungen abgetauchten Autor.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.08.2007

Birgit Schönau ist begeistert von Roberto Savianos erstem Buch "Reise in das Reich der Camorra", das jetzt auch in deutscher Sprache vorliegt. In diesem journalistischen Meisterstück setzt sich der Autor mit der Mafia-Organisation "Camorra" auseinander, die in der Gegend um Neapel ihr Unwesen treibt. Mit "kraftvollen Pinselstrichen" zeichne der Autor hier ein "Schreckensgemälde über den vielleicht brutalsten und geschundensten Landstrich im alten Europa". Viele Fakten hat die Rezensentin aus diesem Buch erfahren, doch gerade dort, wo Saviano Einzelschicksale erzählt, "ist er am stärksten", meint sie. Saviano, der in Italien von den einen als "Popstar" gefeiert, von den anderen als Verräter verfolgt wird, habe mit diesem Buch ein wichtiges Zeichen gesetzt und auf ein Problem aufmerksam gemacht, das nach wie vor seiner politischen Inangriffnahme harrt.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.08.2007

Sichtlich beeindruckt zeigt sich der Rezensent Dieter Richter von Roberto Savianos großer Doku-Erzählung "Gomorrha", die dem Autor, der hier mit Zorn und Detailkenntnis über die Verzweigungen der neapolitanischen Camorra berichtet, Morddrohungen einbrachte. Zwar lese sich das ganze mehr wie ein "Blog" denn wie ein Buch, an dem lange gefeilt wurde - dem imponierenden Gesamteindruck scheint das in den Augen des Rezensenten aber wenig Abbruch zu tun. Es hindert ihn jedenfalls nicht daran, die Reise des Erzählers durch die verschiedenen Organisationsformen und Bereiche der organisierten Kriminalität mit Dantes Reise durch die Unterwelt zu vergleichen. Man erfährt, wie Richter in seiner sehr ausführlichen Rezension referiert, dass die Camorra italienische Haute Couture von Schwarzarbeitern zusammennähen lässt, dass "Halbfertigprodukte" aus China importiert und dann als "Made in Italy" teuer verkauft werden und vor allem, dass die Camorra längst den Gesetzen der neoliberalen Marktwirtschaft gehorcht und als allerbeste Gesellschaft auf "Dezentralisierung, Flexibilität, Franchising" setzt. Insbesondere in den Passagen, in denen Saviano die Funktionsweisen der organisierten Kriminalität von heute analysiert, ist dieses Buch nach Ansicht des Rezensenten höchst lesenswert.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.07.2007

Ebenso erhellend wie fesselnd findet Rezensentin Maike Albath dieses Buch über die süditalienische Mafia von Roberto Saviano, das nun auf Deutsch vorliegt. Sie würdigt nicht nur die mutigen Recherchen des Autors, sondern auch seine überzeugende Darstellung, die für sie Anziehungskraft, Geschäfte, Methoden und Betätigungsfelder der Mafia verständlich werden lassen. Deutlich wird für sie außerdem, wie die Camorra als Entwicklungsmotor zum Partner der Politik wird, wirtschaftlichen Aufschwung bringt und zugleich das zivile Fundament der Gesellschaft zerstört. Besonders hebt sie das Können des Autors hervor, der souverän die Register wechsle, Analysen, Zahlen und Fakten mit erzählerischen Passagen kombiniere, Porträts einarbeite und mit der "epischen Qualität seines Stoffes" spiele, bei dem es immer wieder auch um den Aufstieg und Fall einzelner Personen gehe. Ihr Resümee: Eine "atemraubende Mischung aus literarischer Reportage und dokumentarischem Roman".

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