Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Französischen von Thomas Laux. In "Die Verbündeten", einem seiner Hauptwerke, das 1927 in Paris erschienen ist, porträtiert Emmanuel Bove seine Mutter und seinen Bruder Leon, die sich im Kampf gegen ihr Schicksal zusammengetan haben. Geld, eine wahre Obsession im Leben und Werk Boves, ist auch hier eines der wichtigsten Themen. Seine Beziehung zu Mutter und Bruder war lebenslang schwer davon belastet, dass die beiden ihn als ihren Ernährer betrachteten - ihn, den Schriftsteller, der selbst kaum über die Runden kam. Radikal und schonungslos zeigt Bove seine Figuren in ihrer Unfähigkeit zu handeln, in ihrem ausweglosen Scheitern.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.08.2000
In einer Doppelrezension geht Martin Ebel auf die folgenden zwei Romane des französischen Schriftstellers Emmanuel Bove ein:
1) "Die Verbündeten"
Der Roman erschien 1928 in Frankreich und wurde erst jetzt ins Deutsche übersetzt, schreibt der Rezensent. Ebel benennt die treibende Kraft der Handlung, in die sich Boves Protagonisten, Mutter und Sohn, verstricken, als Kette von "Übersprungshandlungen". Vordergründig ist das fehlende Geld das Problem; Mutter und Sohn pumpen Freunde und Verwandte an, reden unablässig über ihr Problem, finden jedoch keinen Weg aus der Misere. Sie verwahrlosen zunehmend, schreibt Ebel, und "verlieren jeden Bezug zur Realität". In einer parabelartig eingewobenen Geschichte über den durchaus vermögenden Großvater - Ebel vergleicht ihre Kraft mit Kafkas "Der Bau" - verdeutliche Bove jedoch gleichzeitig, dass das fehlende Geld eben nicht das Problem ist, denn auch der Großvater war ein unglücklicher, getriebener Mann, der ständig den Bankrott beschwor. Die Boveschen Gestalten wirken wie Schiffbrüche, schreibt Ebel, die zwar umgeben sind von der "steifen Brise" des Erfolgs, selbst jedoch müde, enttäuscht und unfähig "in einer Flaute dümpeln".
2) "Ein Mann, der wusste"
Der Rezensent erwähnt, dass dieser Roman, der jetzt erstmals auf Deutsch erschien, selbst im Ursprungsland Frankreich erst vierzig Jahre nach der Fertigstellung des Manuskripts (1942) publiziert wurde. In ihm sind Bruder und Schwester die Protagonisten, deren Leben erfolglos, enttäuschend und unendlich zerredet vor den Leser treten. Um Maurice und Emily herum "tobt das Leben, werden Geschäfte gemacht und Gewinne durchgebracht, wird geliebt, gekämpft und gesiegt". Aber sie selbst haben schon verloren, bevor sie überhaupt begonnen haben. Ihre Abhängigkeit voneinander ist kein Trost sondern nur ein weiterer Punkt des Leidens und der Ausweglosigkeit. "Unaufhörlich grübelt und redet" man, schreibt Ebel, und die Gespräche mit den wenigen anderen, die noch um sie herum auftauchen, haben die Qualität von Beckettschen Dialogen "in denen jeder Satz den vorhergehenden dementiert". Wenngleich Ebel sein Urteil wenig im Detail absichert, urteilt er am Schluss der Besprechung über Bove, dass er sich mit jedem endlich erscheinenden Roman als "einer der größten französischen Schriftsteller des 20.Jahrhunderts" erweist.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski. Eine isländische Kindheitsgeschichte, die am Ende des Zweiten ...
Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael
Als bei den Olympischen Spielen in München im September 1972 elf israelische Sportler von einer palästinensischen ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








