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Aus dem Archiv
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Klappentext
Iris von Roten, promovierte Juristin aus evangelisch-großbürgerlichem Haus, wurde 1958 mit ihrem feministischen Manifest "Frauen im Laufgitter" über Nacht zur meistgehassten Frau in der Schweiz und zu einer über die Grenzen hinaus bekannten Frauenrechtlerin. Verheiratet war sie mit dem katholisch-konservativen Walliser Patrizier, promovierten Juristen und Politiker Peter von Roten. Für die Ehe - hatte Iris von Roten durchgesetzt - musste von Anfang an völlige Eigenständigkeit jedes Partners in ökonomischen, politischen, beruflichen und sexuellen Belangen gelten. Iris und Peter von Roten haben ihren Lebensplan gelebt, sie wussten darum, kein glückliches Ehepaar im herkömmlichen Sinne zu sein. Während der zahlreichen und länger andauernden Trennungen schrieben sie sich ca. 1500 Briefe, ein intellektuell und gesellschaftskritisch reicher Fundus, der nun erstmals von Wilfried Meichtry ausgeschöpft wird. Wilfried Meichtry erzählt die spannende private und politische wie kulturelle Zeitgeschichte der Schweiz im 20. Jahrhundert, es ist auch eine Geschichte der Frauenbewegung, des konservativsten Katholizismus und ein Bild der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.06.2007
Alexis Schwarzenbach zeigt sich von dieser Doppelbiografie von Iris und Peter von Roten zunächst beeindruckt, hat allerdings auch einiges zu bemängeln. Als sehr verdienstvoll würdigt er die genaue Klärung des familiären Hintergrunds Peter von Rotens, der einem aristokratischen, katholischen und konservativen Milieu entstammte. Mit der protestantischen Iris Meyer, die 1958 das bedeutendste feministische Werk in der Schweiz veröffentlichte und die offene Ehe propagierte, ergab sich eine an weltanschaulichen Auseinandersetzungen reiche Partnerschaft, die Wilfried Meichtry eindrücklich darzustellen versteht, lobt der Rezensent. Enttäuschend dagegen findet er, dass die Familienverhältnisse von Iris kaum ernsthaft geklärt werden, ihre Jugendjahre in der Schweiz nur angedeutet, ihre Geschwister gar nicht behandelt werden. Dass es schließlich kein Personenregister in dieser Doppelbiografie gibt, rügt Schwarzenbach ebenfalls und lässt durchblicken, dass ihm das Buch insgesamt etwas zu lang geraten ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.05.2007
Höchst faszinierend findet Katharina Rutschky diese Doppelbiografie des Ehepaars Iris und Peter von Roten. Und zwar in mehr als einer Hinsicht. Zum einen scheint ihr der Ländervergleich zwischen der Schweiz - in der die von Rotens lebten - und Deutschland höchst aufschlussreich; so empfiehlt sie zur vergleichenden Lektüre Gerhard Henschels auf Briefdokumenten beruhenden Eheroman "Die Liebenden". Gerade im Vergleich der "hinterwäldlerischen Schweiz" mit der von "Nazizeit und Krieg" verheerten deutschen Nachkriegszeit tritt aber, so Rutschky, die "Parallele einer glücklichen Liebeswahl" umso deutlicher hervor. Glücklich - und im Fall der von Rotens extrem unwahrscheinlich. Die aristokratischen und schwer katholischen Eltern des Peter von Roten verwahrten sich nämlich strikt gegen die Heirat des Sohnes mit der Studienkollegin Iris. Aus ihrer Perspektive völlig zu Recht, denn die Feministin Iris von Roten befreite das Söhnchen zum "Anarchisten und Schürzenjäger". Letzteres durchaus im Sinne der beim Eheschluss vereinbarten Regeln der Freizügigkeit. Und obwohl beide im Grunde voneinander bekamen, was sie wollten, diagnostiziert Rutschky in Iris von Rotens Fall schweres, auch durch ihre Ehe nicht zu heilendes Unglück, verursacht durch eine Welt, die der selbstbewussten Frau stets mit Widerstand begegnete.
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