Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Pirmin Meier

Der Fall Federer

Priester und Schriftsteller in der Stunde der Versuchung

Cover: Der Fall Federer

Ammann Verlag, Zürich 2002
ISBN-10 3250104426
ISBN-13 9783250104421
Gebunden, 399 Seiten, 24,90 EUR

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Klappentext

Am 2. August 1902 wird der Priester und Publizist Heinrich Federer (1866 - 1928) auf der Stanserhornbahn in Nidwalden festgenommen. Es besteht Verdacht auf "widernatürliche Befriedigung des Gechlechtstriebes, begangen an einem zwölfjährigen Knaben". Der von Pirmin Meier aufbereitete "Fall Federer" ist ein feinfühlig erzählter historischer Report um Knabenliebe, Katholizismus und Urschweiz, haarsträubender als jede Erfindung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.10.2002

Einen Schweizer Skandalfall aus dem Jahr 1902 rollt Pirmin Meier in seiner "erzählerischen Recherche" auf, so Gieri Cavelty: dem Priester und Publizisten Heinrich Federer wurde vorgeworfen, sich sexuell an dem ihm anvertrauten Privatschüler Emil Brunner vergangen zu haben. Er wurde wegen "Erregung öffentlichen Ärgernisses" verurteilt und verlor Reputation und Job, später machte er sich als Schreiber von heiteren Dorfgeschichten einen Namen, durch die weiterhin der kleine Emil spukte, wie Cavelty schreibt. Das ist für ihn die eigentliche Ironie der Geschichte, die den Zeitgenossen Federers, des "katholischen Kontrapunkts zu Gottfried Keller", entgangen sein muss, dass nämlich Federer die Schriftstellerei regelrecht als Ersatzhandlung betrieb. Bislang sind die pädophilen Neigungen Federers eher geleugnet worden, sagt Cavelty, der in Meiers Buch eine aktuelle Einbettung des Falls in die derzeitige Diskussion des Verhältnisses von katholischer Kirche und Knabenliebe vermisst. Meier habe sich stattdessen zu sehr auf die tagespolitischen Aspekte konzentriert. Insgesamt macht es sich der Autor nach Meinung des Rezensenten zu einfach, denn die These, Federer habe seine sexuelle Neigung literarisch sublimiert, hätte besser belegt werden müssen, findet Cavelty.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2002

Michael Gassmann würdigt Pirmin Meiers erzählerische Recherche als "Sittengemälde in den Farben Schweizertum, Knabenliebe, Katholizismus und Naturburschenkult". Wie der Rezensent ausführt, rollt der Autor darin den Fall Federer auf. Heinrich Federer war einer der führenden Schriftstellers und Journalisten der katholischen Schweiz im ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts. Diesem Mann, der 1928 als hochgeehrter Schriftsteller starb, wurde 1902 ein zweifelhafter Prozess wegen Päderastie gemacht; er unterlag in erster Instanz, erreichte jedoch in der zweiten, dass der Vorwurf auf Erregung öffentlichen Ärgernisses beschränkt wurde - nach dem Prozess konnte er jahrelang weder beruflich noch privat Fuß fassen, referiert Gassmann. Es sei eine tragische, aber kurze Geschichte, die Meier als Chronist der Versuchung auf dreihundertdreißig Seiten erzähle. Obwohl dokumentarisch angelegt, findet sie Gassmann - Meiers Gespür für die vielen historischen, politischen und menschlichen Facetten der Geschichte sei Dank - "brillant romanhaft" gelungen.

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Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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Archiv: Vorgeblättert

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07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

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12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

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