Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Was hat das Christentum auf die Grundfragen des Menschseins heute zu sagen? Die Antwort darauf hängt unmittelbar zusammen mit der Frage: Wer ist Jesus von Nazareth? War er nur ein großer Mensch oder ist er mehr? Sein Leben lang hat Joseph Ratzinger sich mit Jesus von Nazareth beschäftigt, ihn als Professor, als Bischof, als obersten Glaubenshüter, als Papst zu verstehen gesucht. Als Kardinal hatte er vor einigen Jahren mit dem Buch begonnen. Nach seiner Wahl zum Papst nutzte er jede freie Minute zum Weiterschreiben. Dieses Werk zieht die Summe eines großen Theologenlebens. Es ist wohl das persönlichste Buch, das Joseph Ratzinger und das überhaupt je ein Papst geschrieben hat.
Benedikt XVI. ist überzeugt: Historisch-kritische Vernunft und Glaube sind kein Widerspruch - im Gegenteil: Es geht darum, den Evangelien zu trauen. Wirklich und existentiell dem Zeugnis zu glauben, das die Bibel gibt: Jesus war nicht nur wahrer Mensch, sondern auch Gottes Sohn. Aus dieser Perspektive eröffnet das von der kritischen Forschung erarbeitete historische Faktenwissen ein tiefes Verständnis des Jesus von Nazareth.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Benedikt XVI. / Joseph Ratzinger: Jesus von Nazareth - zum Buch beim Herder Verlag
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.05.2007
Grundsätzliche Einwände erhebt der Religionswissenschaftler Karl-Heinz Ohlig gegen Joseph Ratzingers Jesus-Buch. Gleichwohl begegnet er dem "klar und verständlich" geschriebenen Werk mit großem Respekt. Er sieht darin vor allem ein "meditativ-spirituelles" und "sehr persönliches Bemühen" um die Gestalt Jesu. Lobend äußert er sich über Ratzingers "bemerkenswerte Vertiefung" in das Alte und Neue Testament und seine Auseinandersetzung mit zahlreichen exegetischen Schriften. Den Thesen Ratzingers allerdings kann und will Ohlig nicht folgen. In seiner Kritik stellt er zunächst den Ansatz der "kanonischen Exegese" in Frage. Er hält Ratzinger in diesem Zusammenhang vor, die Eigenarten der überaus verschiedenen Bibeltexte verschiedenster Gattungen, Abfassungszeiten und oft divergenten Theologien nicht hinreichend zu berücksichtigen. Diese "unterschiedslose wechselseitige Interpretation biblischer Texte" führe Ratzinger noch weiter, indem er die Aussagen der Kirchenväter und mittelalterlicher Theologen einbezieht. Ohlig kritisiert dabei insbesondere Ratzingers Bezugnahme auf das Konzil von Nizäa im Jahre 325, das ihm als "hermeneutische Schlüssel für das Verständnis Jesu" diene, und auf die in Nizäa etablierte Trinitätslehre. Zu Ohligs Bedauern gerät durch Ratzingers Ansatz, die Bibel von der voll entfalteten hellenistisch-christlich Theologie her zu lesen, die wichtige Frage nach dem historischen Jesus in den Hintergrund.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.04.2007
Eine "sehr fromme Deutung des jüdischen Propheten Jesu" findet Bert Rebhandl in Joseph Ratzingers Jesus-Buch. Als solche scheint ihm das Werk durchaus gelungen. So bestätigt er dem Autor, der das Buch in seiner Funktion als Theologe und nicht als Papst geschrieben hat, eine Exegese der Bibel, aus der die "Souveränität des lebenslangen Schriftlesers" spricht. Bei seinen Auslegungen habe Ratzinger bei jeder Stelle den gesamten Text im Hintergrund, seine Lektüre schaffe Ordnung in einem riesigen Verweiszusammenhang. Rebhandl unterstreicht, dass bei Ratzingers Behandlung der großen neutestamentlichen Themen, wie der Botschaft vom Reich Gottes, der Bergpredigt, den Gleichnissen oder den Selbstaussagen Jesu, das Wort der Bibel und die Kirchenväter im Mittelpunkt stehen. Die Einsichten der modernen Bibelwissenschaft beziehe er zwar immer wieder mit ein, sie seien aber nicht der eigentliche Gegenstand der Auseinandersetzung. Eine Auseinandersetzung mit nichtchristlichen Orientierungssystemen gibt es zu Rebhandls Bedauern nicht. Und so hält er dem Werk seine Binnensprache vor, die keinen Dialog mit anderen Systemen der Orientierung suche, auch nicht mit der abendländischen Vernunfttradition.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.04.2007
Als "Solitär" feiert Rezensent dieses zwischen 2003 und 2006 entstandene Buch, das ihn mit "seiner radikalen Ernsthaftigkeit", seinem "unerbittlichen inneren Anspruch" und seinem "kompromisslos moralischen Grundton" tief beeindruckt hat. Denn damit steht dieses Werk aus Kisslers Sicht quer "zu den Tendenzen der Zeit wie der Theologie". Zum ersten Mal lege außerdem ein amtierender Papst eine "dezidierte theologische Studie" vor, die dazu kirchenkritische Züge trage. Mit einer Leidenschaft wie kein Papst je zuvor bekenne sich Benedikt XVI. außerdem "zur jüdischen Genese des Christentums". Besonders die daraus folgende Zuordnung von Jesus Christus zum "Glaubens- und Lebenserbe Israels" macht diese theologische Neuorientierung für den Rezensenten epochal. Denn damit verbiete sich jeder "klerikale Antijudaismus" nun ein für alle mal. Doch Benedikt XVI. beeindruckt den Rezensenten auch mit seiner Sicht auf die üblicherweise von den Christen verachteten Pharisäer, die er hier nun als Menschen gedeutet sah, die einst "der Anpassung an die hellenistisch-römische Einheitskultur entgehen" wollten. Auch die theologischen Stellungnahmen des Papstes zu Gegenwartsphänomenen machen das Buch für den Rezensenten zu einer aufregend anderen Lektüre. So beschreibe Benedikt den GAU von Tschernobyl als "erschütternden Ausdruck der im Gottesdunkel verknechteten Schöpfung" und äußere sich höchst kritisch über den grausamen Kapitalismus, der die Welt im Würgegriff halte und den Menschen zur bloßen Ware degradiere.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.04.2007
Mit hohem Lob bedenkt Rezensent Jan-Heiner Tück dieses Buch von Joseph Ratzinger. Bemerkenswert scheint ihm vor allem, dass Ratzinger darin nicht als Papst Benedikt XVI, sondern als Theologe sprechen will, der sich dessen bewusst sei, dass er bei Kollegen nicht nur auf Zustimmung stoßen wird. Das Hauptanliegen des Autors sieht Tück darin, die Kluft zwischen dem historischen Jesus und dem Christus des Glaubens zu überwinden. Er unterstreicht, dass Ratzinger die historische Methode in ihre Grenzen verweist, ohne sie allerdings zu verabschieden. Nicht ohne Widerspruch wird seines Erachtens Ratzingers These bleiben, die Jesus-Darstellung der Evangelien sei stimmiger und zuverlässiger als die Rekonstruktionen der historisch-kritischen Exegese. Gleiches gilt für den Anspruch des Autors, wer die Schrift mit den Augen des Glaubens lese, sehe anderes und mehr, verstehe die Gestalt mithin besser. Tück bescheinigt dem Autor jedenfalls, im Austausch mit den Kirchenvätern und zahlreichen theologischen Exegeten ein biblisch inspiriertes, anschauliches und lebendiges Bild der Gestalt Jesu zu zeichnen, das von Ratzingers Vertrautheit mit dem Gegenstand und seiner Vertrautheit der Person Jesu zeuge.
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