Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Wieder Oktober. Du kommst aus dem Haus. Am Morgen, noch früh. Die Straße ist nass. Du kommst aus dem Haus und musst stehenbleiben, so riecht es nach Herbst. Das abgefallene Laub. Gerade eben hast du aus der Nacht deinen Traum noch gewusst und jetzt ist er weg. Du spürst noch, wie er sich entfernt. Ein Luftzug, ein Vorhang, der sich bewegt. Flügel, die sich sacht regen, die Schatten von Flügeln, und dann ist er gegangen. Weg für immer. Die Tür fällt hinter dir zu. Man kommt aus dem Haus. Das Leben ist fremd.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.05.2007
Das "Gegenteil von Massenware" erkennt Rezensentin Verena Auffermann in Peter Kurzecks Roman über den Oktober 1983 in Frankfurt. Sie würdigt den Autor als Solitär, als radikalen Biografen seiner Selbst, der detailversessen sein eigenes Leben protokolliert. Dass das nicht bei jedermann auf Gegenliebe stößt, ist Auffermann bewusst, sie jedenfalls zeigt sich von Kurzecks Werk fasziniert. Seine Bücher werden ihres Erachtens einst als die "genauesten Analysen" der in ihnen dargestellten Zeit, Orte und Gefühle gelten. Das grundlegende Thema Kurzecks sieht sie im Vergehen der Zeit, im Wunsch, sie aufzuhalten, nichts verloren gehen zu lassen. Gerade wegen der Privatheit der Aufzeichnung eines von den Kriegsfolgen und den Erkenntnissen von '68 geprägten Lebens scheint ihr das Werk eminent politisch. Sie rühmt Musikalität und Sprachmelodie von Kurzecks Werk, dessen Sätze ihr wie Kompositionen erscheinen. Die Lektüre des Romans erfordert zwar etwas Geduld, räumt Auffermann ein, aber die Mühe lohne sich: "Geduldige Leser haben Glück".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.04.2007
Rezensent Jan Süselbeck ist dem "eigentümlichen Sog" schnell erlegen, den der Klang dieses Buchs, seine rythmisiert erzählende Sprache sowie ihre "überbordende Sanftmut" auf ihn ausgeübt hat. Es handelt sich der Beschreibung des Rezensenten zufolge um die virtuose Verschachtelung einzelner Fragmente, die insgesamt ein monumentales literarisches Alltagspanorama der Nachkriegszeit ergeben: Es geht um Kindheit, Beziehungen, Freunde und Erinnerungen, die der Rezensent in einen gemächlichen Prosastrom eingeflochten fand. Erinnerungen an eine Kindheit als böhmisches Flüchtlingskind und die Nachkriegszeit kommen Süselbeck zufolge darin ebenso vor, wie Nikotin- und Alkoholsucht des Erzählers. Am Ende kommt der Rezensent zu dem ihn überwältigenden Eindruck, mit dieser "radikalen Symphonie des Alltags" habe Peter Kurzeck ihm ein ganzes Leben geschenkt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.04.2007
"Seltsam", "einmalig" "wunderschön" "vorher nie da gewesen" - Rezensent Andreas Maier ist vollkommen verzaubert von der Prosa dieses Romans, in dem es um das Leben selber geht: vorgeführt freilich am Beispiel von Peter Kurzecks eigenem Leben, das der Rezensent hier sehr detailliert aufgefächert fand. Erzählt werde so, wie man Kindern erzähle, und Kurzeck erschaffe seine Welt durch ihre Benennung neu. Augenscheinlich muss man sich durch einen Dschungel von Notizen arbeiten, durch einen veritablen Lebenszettelkasten. Doch der Rezensent empfiehlt allen Erstlesern von Peter-Kurzeck-Romanen dringend, sich auf keinen Fall von dem absatzlosen, scheinbar handlungslosen Sprachkunstwerks abschrecken zu lassen. Denn wer Geduld habe, sich darauf einlasse, versichert er sehr glaubhaft, wird Zeuge und Teil eines zärtlichen Wunders, als das er die Sprache Peter Kurzecks, seinen Blick auf das Leben nicht müde zu lobpreisen wird.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.04.2007
Christoph Schröder ist es in seiner Kritik des vierten Teils eines auf sieben Bände angelegten Romanzyklus' darum zu tun, auf das außergewöhnliche Schreibprojekt einer poetischen Erfassung der ganzen Welt und auf einen herausragenden Schriftsteller aufmerksam zu machen, denn er meint, dass Peter Kurzeck bisher viel zu wenig beachtet wird. Wie schon in den drei vorangehenden Romanen schreibt der Autor unverstellt autobiografisch, wenn er in "Oktober und wer wir selbst sind" von einem einzigen Monat im Jahr 1983 erzählt, erklärt der Rezensent. Auch wenn die in kurzen Sätzen mit häufig fehlendem Verb etwas widerständig wirkende Prosa des Autors zunächst Mühe erfordere, entwickele sie durch ihren sprachlichen Rhythmus rasch einen Sog, der in den Bann ziehe, schwärmt Schröder. Ihn fasziniert die nie enden wollende Neugier und Aufmerksamkeit des Erzählers für die ihn umgebende Welt und er zeigt sich von der melancholischen "Zärtlichkeit", mit der Kurzeck auch deren Verfallszeichen protokolliert, bezaubert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2007
Fasziniert hat Rezensent Marius Meller den Roman "Oktober und wer wir selbst sind" gelesen, mit dem Peter Kurzeck sein autobiografisches Projekt fortsetzt. Zu Unrecht scheint ihm der Autor noch immer kaum bekannt. Dabei glänzt Kurzecks Prosa seines Erachtens durch eine "seltene poetische Qualität". Meller bezeichnet das Gesamtwerk des Autors als geradezu "manisch autobiografisch", Erinnerungen, Assoziation, Reflexionen zu Zeit und Bewusstsein bestimmen für ihn den Text. Er fühlt sich dabei wie in Prousts Werk "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", ein Titel, den er auch für Kurzecks Gesamtwerk passend findet. Zudem sieht er eine Ähnlichkeit zu Thomas Bernhard: Lese man ein Buch, habe man alle gelesen, werde aber auch alle lesen, weil die Bücher süchtig machten. Kurzecks Romane bieten Geschichten aus dem Leben eines Melancholikers, und so nennt Meller Eichendorff und Robert Walser als weitere Referenzgrößen.
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