Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Aus dem Englischen von Christa Krüger. Harvard, Anfang der fünfziger Jahre: Der Ich-Erzähler Sam trifft zum ersten Mal auf seine Mitbewohner Henry und Archie. Welten, so scheint es, liegen zwischen den drei jungen Männern. Während Sam und Archie in unterschiedlichen Milieus der amerikanischen Oberschicht aufgewachsen sind, verrät Henrys polnischer Akzent die besondere Herkunft: Er ist Jude, und er ist es vor allem in den Augen der anderen - er selbst fühlt sich "kaum jüdischer als ein geräucherter Schweineschinken". Genau wie Archie und Sam orientiert er sich an den Idealen einer neuen, aufstrebenden Generation der New Yorker Upperclass, die die Werte ihrer traditionsbewussten Elternhäuser in den Wind schlägt; und mehr noch als sie träumt er den "American Dream". Der Einsatz, den Henry bringen muss, ist jedoch hoch. Seine Identität neu zu definieren bedeutet für ihn: die Familie auf immer zu verraten. So bleibt es nicht aus, daß diese Freundschaft später bei allen dreien Narben hinterlässt.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.03.2007
Tiefen Eindruck hat Louis Begleys neuer Roman "Ehrensachen" bei Christoph Schröder hinterlassen. Er hält diesen "fabelhaften" Roman neben "About Schmidt" für den besten des Autors. "Ehrensachen" scheint ihm wieder stark autobiografisch gefärbt. Dabei bescheinigt er Begley, erzähltechnisch versiert die Geschehnisse und sich selbst aus der Distanz zu beobachten. Als zentrales Thema des Romans betrachtet er das Jüdischsein und Jüdisch-sein-Müssen, das vor allem in der Figur des aus Polen stammenden Juden Henry White sichtbar wird, der in Harvard studiert, Anwalt wird und sich weigert, sein Jüdischsein als festen Bestandteil seiner Identität anzunehmen. Darüber behandelt Begley nach Ansicht Schröders zahlreiche weitere Themen: die Geschichte einer Freundschaft über mehr als ein halbes Jahrhundert, den Prozess des Erwachsenwerdens und der Lösung von elterlichen Bindungen, die amerikanische Ostküsten-Upperclass samt ihren verlogenen Codes und Konventionen und eine unerfüllte Liebesgeschichte. Besonders lobt er Begleys "distanziert-elegante, mal ironisch blitzende, mal tragisch aufgeladene" Sprache, die ihren Stoff mühelos trage und weiterbringe.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.03.2007
Nicht ganz glücklich ist Rezensent Andreas Isenschmidt mit Louis Begleys neuem Roman geworden. Zwar füllt er für ihn eine Lücke im biografischen Erzählen dieses Autors, und beschreibt, wie aus dem polnisch-jüdischen Flüchtling der glamouröse amerikanische Erfolgsanwalt wurde. Doch zum Leidwesen des Rezensenten ohne die elegante, perlende Leichtigkeit des Erzählstils, das sichere Gefühl für gut gebaute Romane - Eigenschaften, die sonst Begleys Bücher für Isenschmidt zum Ereignis machen. Hier aber paart sich für ihn nun nicht sehr leserfreundlich "Glanzlosigkeit mit enormer Ausführlichkeit". Allerdings kann der Rezensent Begleys Helden eine gewisse Bannkraft nicht absprechen. Sogar Tragik wird ihm an einer Stelle bescheinigt. Trotzdem bleibt der an seiner jüdischen Identität leidende Harvard-Student für den Rezensenten nur eine "ideengeschichtliche Blaupause", die bei ihm das Gefühl hinterlässt, etwas Wesentliches sei vielleicht unerzählt und sogar vom Autor unreflektiert geblieben.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.03.2007
Als "großen und bisher persönlichsten Roman" feiert Rezensent Edo Reents das achte Buch von Louis Begley. Zu großen Teilen spielt dessen 1950 einsetzende Handlung in der amerikanischen Eliteuniversität Harvard. In Zentrum stehen drei Studenten, von denen einer, ähnlich wie Begley selbst, ein polnisch-jüdischer Emigrant ist. Der Roman ist, so der Rezensent, voll mit Beschreibungen von Autos, Drinks und Abendgesellschaften, an denen sich die Codes für soziale Zugehörigkeit ablesen lassen. Es geht, wie man liest, um Identitäts- und Zugehörigkeitsprobleme. Ums soziale Überleben eines Holocaust-Überlebenden in der amerikanischen Oberschicht, der sich im Verlauf der Handlung von Henryk Weiss in Henry White verwandelt. Es gehe aber auch um amerikanischen Antisemitismus, um Sex als Mittel zur Erlösung, worin Begley nach Auffassung des Rezensenten dem Werk seines Freundes Philipp Roth sehr nahe käme. All dieses wird vom Rezensenten mit großer Emphase beschrieben, und fast in einen kulturgeschichtlichen Kontext einsortiert. Auch die deutsche Fassung von Christa Krüger bekommt Bestnoten ausgestellt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.02.2007
Nach "Lügen in Zeiten des Krieges" greift Louis Begley auch in seinem achten Roman wieder Autobiografisches auf, stellt Maike Albath fest. Darin schildert der amerikanische Autor aus der Perspektive des Ich-Erzählers Sam Standish Aufstieg und Fall des jüdischen Henry White, der knapp dem Holocaust entrann und nun in Harvard studiert, fasst die Rezensentin zusammen. Schilderungen aus dem Universitätsalltag nehmen im Buch breiten Raum ein und offenbaren die innere Zwickmühle, in der sich der Einwanderersohn Henry als Holocaust-Überlebender und Objekt erstickender Mutterliebe befindet, so die Rezensentin. Ihr ist der autobiografische Hintergrund dieses Romans gar nicht so wichtig, viel mehr interessieren sie die "emotionalen Wahrheiten", die im Schicksal Henrys offenbar werden. Hier stellt sich ihr allerdings die Erzählperspektive in den Weg: die innere Zerrissenheit des Protagonisten werde immer nur von außen geschildert. Auch hatte die intensive Schilderung des Harvard-Kosmos die Rezensentin auf eine genauere Analyse der amerikanischen Gesellschaft hoffen lassen, die dann - vielleicht aus Dankbarkeit für Begleys eigenen Werdegang - doch nicht stattfindet, so Albath ein kleines bisschen enttäuscht.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.02.2007
Vielversprechend, aber letztlich nicht überzeugend: so ließe sich Lothar Müllers Urteil zu Louis Begleys jüngstem Roman resümieren. Vielversprechend ist die Ausgangskonstellation. Drei Männer beginnen ihr Studium in Harvard: Archibald P. Palmer III, ein junger Mann aus bestem Hause. Henry White, polenstämmig und jüdisch, wovon er aber gern absähe. Und der Ich-Erzähler Sam Standish. Ihnen folgt der Roman, mit Standishs Stimme, durchs Leben beziehungsweise in Archibald Palmers Fall, bis zum viel zu frühen Unfalltod. White wird zum New Yorker Staranwalt, Standish zum Erfolgsromancier von Begley-, wenn nicht gar Updike-Format. Aber Standish ist für Müller das eigentliche Problem. Die Erzählerfigur wird nie überzeugend mit Leben gefüllt, von den Büchern, die sie schreibt, vermittelt Begley kein Bild. Was dringend nötig wäre, aber fehlt, ist ein Gefühl für die "spürbar vergehende Zeit". Schlimmer noch: Am Ende "versandet", was als spannender "Desillusionsroman" begann.
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