Manfred Peter Heins Gedichte sind hochkonzentrierte Poesie, wie gehärtet für eine endgültige Form, die alles Ornamentale hinter sich gelassen hat. Der Autor, der seit langem abseits des Betriebsamen im Nordosten Europas lebt, schreibt Naturgedichte von einer Intensität wie kaum jemand sonst heute in deutscher Sprache. Er ist auch ein großer Reisender, der fremde Landschaften und Verhältnisse in sich aufnimmt und in sein Gedicht gültig einwebt, in Ramallah, Jerusalem und am Hindukusch die "Botschaft des Irrwegs" zu entziffern sucht. Jenseits der Ideologien bringt er die Chiffren Srebrenica, Lidice, Katyn, Birkenau in einem Vers zusammen als Orte, auf die sich sein Erinnern und sein lyrisches Sprechen bezieht, immer wieder beziehen muss.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.02.2007
Manfred Peter Hein habe eine eigene Sprache entwickelt, um so etwas wie die "andere Seite" der Welt zu erfassen, von der wir nur eine "dunkle Ahnung" hätten. Rezensent Nico Bleutge verweist auf harte Wortfügungen wie "Schrindzone" oder "Steinhaufengrab", aber auch auf eine Vieldeutigkeit bis in die Silben. Als ob Manfred Peter Hein geradezu "silbisch" denke. So führe etwa der Blick durch "Trümmerfelder" in den Slums von Ankara, dann durch Afghanistan, um schließlich nach innen gewendet das Gedächtnis solcher Bilder zu befragen, auch mit Hilfe von mythologischen Verknüpfungen. Die Schroffheit und Unbedingtheit von Manfred Peter Heins Lyrik lässt den Rezensenten an dessen Wohnort in Finnland denken, und eine Natur, die vielleicht Voraussetzung einer solchen Lyrik sei. Aber auch das "Pathos" des Dichters habe heutzutage Seltenheitswert, obwohl der "Stil" dieser Gedichte auf eine gut bekannte Traditionslinie von Johannes Bobrowski über Peter Huchel bis zu Nelly Sachs rekurriere. Ein ganz eigener Vergleich des Rezensenten markiert schließlich seine Bewunderung dieser Lyrik, wie die "Katze Erinnerung" bei Uwe Johnson, so seien Manfred Peter Heins Gedichte "hellsichtig" und "dunkel", "hart" und "geschmeidig".
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