Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Russischen von Peter Urban. Michail Lermontovs einziger vollendeter Roman gilt als der erste realistische russische Roman. Der Titel gebende Held unserer Zeit ist ein Anti-Held: von Lebensüberdruss geplagt, versucht dieser Petschorin, an die Grenzen zu gehen - auch des Moralischen. Damit löste das Buch bei seinem Erscheinen 1840 (kurz bevor sein Verfasser mit nur 27 Jahren im Duell den Tod fand) eine große Kontroverse aus.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.12.2007
Als "sorgfältig übersetzt und vorzüglich kommentiert" lobt Rezensent Ulrich M. Schmidt diese Neuausgabe des ersten russischen Prosa-Romans, der seiner Information zufolge nicht einfach die französische Form kopierte, und dessen Autor jung im Duell gefallen ist. Ironischerweise ist Michail Lermontow, wie wir lesen, gerade mit seinem Gedicht zum Tode Puschkins über Nacht berühmt geworden, der ebenfalls im Duell umgekommen war. Für den Rezensenten macht besonders die fragmentarische Erzählweise dieses Buchs von 1841 und sein "geradezu avantgardistische Komposition" nicht nur zu einem Meilenstein in der russischen Literaturgeschichte, sondern auch zu einem Vorläufer der Moderne. Der Roman besteht, wie Schmidt schreibt, aus fünf Novellen, die zum Teil "als Flashback konzipiert" sind und von gleich drei Erzählern präsentiert werden, wodurch nicht nur der gute alte auktoriale europäische Erzähler avantgardistisch unterwandert, sondern auch dem "überflüssigen Helden" im Zentrum einiges an ironischer Aushöhlung zugemutet würde.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.12.2007
Als "sorgfältig übersetzt und vorzüglich kommentiert" lobt Rezensent Ulrich M. Schmidt diese Neuausgabe des ersten russischen Prosa-Romans, der seiner Information zufolge nicht einfach die französische Form kopierte. Lermontow starb jung im Duell. Ironischerweise wurde er, wie wir lesen, gerade mit seinem Gedicht zum Tode Puschkins, der ebenfalls im Duell umgekommen war, über Nacht berühmt. Für den Rezensenten macht besonders die fragmentarische Erzählweise dieses Buchs von 1841 und seine "geradezu avantgardistische Komposition" nicht nur zu einem Meilenstein in der russischen Literaturgeschichte, sondern auch zu einem Vorläufer der Moderne. Der Roman besteht, wie Schmidt schreibt, aus fünf Novellen, die zum Teil "als Flashback konzipiert" sind und von gleich drei Erzählern präsentiert werden, wodurch nicht nur der gute alte auktoriale europäische Erzähler avantgardistisch unterwandert, sondern auch dem "überflüssigen Helden" im Zentrum einiges an ironischer Aushöhlung zugemutet werde.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.05.2007
Viel, sehr viel gelernt hat Martin Mosebach bei der Lektüre der neuen, von Peter Urban übersetzten und vor allem kommentierten neuen Ausgabe von Michael Lermontows Klassiker der russischen Literatur mit dem Titel "Ein Held unserer Zeit". Wirklich erklärlich werde die so erstaunliche Tatsache, dass die russische Literatur mit ihren größten Autoren quasi "vom Himmel" fiel, freilich auch durch die vielfältigen Hinweise Urbans nicht. Womöglich sogar noch erstaunlicher, wenn man erfährt, von welch großer Bedeutung Autoren des französischen Rokoko wie Denis Diderot ("Jacques le fataliste") oder Choderlos de Laclos ("Les liaisons dangereux") für Puschkin oder Lermontow waren, trotz ihres gleichzeitig sehr viel düstereren Weltbilds und der gänzlich anders gearteten ideologischen Ausrichtung auf "romantisches russisches Volkstum". Sprachliche Nähen nimmt Mosebach allerdings, nachdem der Blick geschärft ist, durchaus wahr, etwa in der "Schnörkellosigkeit" der Diktion. Hier ist, könnte man seine Rezension resümieren, ein Meisterwerk wirklich neu zu entdecken.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.02.2007
Mit 26 Jahren habe Michail Lermontow seinen damals hypermodernen Novellenband geschrieben, mit 27 habe er dem Held des Bandes Ehre erwiesen und sich in einem Duell töten lassen. Jede der Geschichten allein, zieht Rezensent Jörg Plath weitere Register der Begeisterung, sei ein eigenes Buch wert, nicht nur weil es überaus spannend zugehe, sondern auch, weil Lermontow der russischen Literatur ganz neue Türen geöffnet habe. Zum einen habe er mit dem Helden Pecorin ein Zeitgeistphämonen auf nahezu skandalöse Art verewigt, eine amoralische und geradezu zynische Haltung dem Leben und insbesondere der Liebe gegenüber. Zum anderen biete Lermontow einen völlig neuen Erzählkosmos aus verschiedensten Perspektiven und unter strenger Missachtung jeder einfachen Chronologie. Und zu guter Letzt sei auch die Neuübersetzung von Peter Urban durch und durch geglückt, da sie weniger glätte und einen frischeren, aktuelleren Lermontow hervorzaubere, der aber gleichwohl durch gezielt gesetzte fremde Worte seine historische Distanz wahre.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.11.2006
Sonja Zekri findet es grundsätzlich gut, wenn ein Klassiker wie Michail Lermontows "Ein Held unserer Zeit" in einer neuen Übersetzung frisch aufgelegt wird, doch das neue Gewand dieses Romans in der Übertragung von Peter Urban hat sie enttäuscht. Der Roman dreht sich um den Soldaten Grigorij Petschorin, der reihenweise Frauen verführt, um sie sogleich fallen zu lassen, wenn sie sich ihm hingeben, so die Rezensentin zusammenfassend. Das Buch, in dem Lermontow sämtliche Charakterfehler seiner Zeit zu versammeln suchte, gilt als "Ur-Text der russischen Literatur", erklärt Zekri. Zum großen Bedauern der Rezensentin gelingt es der Neuübersetzung aber nicht, etwas frischen Wind in den Roman zu bringen, im Gegenteil, die Übertragung ins Deutsche sorgt dafür, dass das Buch sogar behäbiger und "klassikerhafter" daher kommt, als es das russische Original fordert. Zudem moniert Zekri, dass Urban so manchen russischen Ausdruck unübersetzt stehen lässt, die Verkleinerungsform, im Russischen sehr viel verbreiteter als im Deutschen, sowie die im Russischen übliche Verdoppelung zur Verstärkung stets wörtlich nimmt und sich dann noch dafür entschieden hat, die korrekte slawische Umschrift bei Personen- und Ortsnamen zu verwenden, was dazu führt, dass unbedarfte Leser nicht wissen können, wie der Name ausgesprochen wird. Die Liebe Urbans zu diesem Roman sei unverkennbar, räumt die Rezensentin ein, doch damit ersticke der Übersetzer dieses Buch.
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