Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Sieben Mal muß der Pilger die Kaaba umkreisen, in sieben Kapiteln umkreist Stefan Weidner mit seiner neuen um eigene Fotos ergänzten Erzählung die marokkanischen Königsstädte Fes und Marrakesch. Eine Gruppe von Bildungstouristen fährt für einen Tag nach Fes. Ihr Reiseführer ist kein gewöhnlicher Mann, sondern der in Fes geborene Dichter Nassib. Er will seinen Besuchern mehr zeigen als nur die touristische Außenhaut der Stadt. Sein Eifer treibt die unterschwelligen kulturellen Konflikte auf die Spitze, und es kommt zu einem Eklat. Während die anderen am übernächsten Tag abreisen, fährt R., der Nassib von früheren Begegnungen kennt, weiter nach Marrakesch. In der Erinnerung an den Ausflug nach Fes, in Träumen, Assoziationen und angesichts eines sich rapide verwandelnden Landes läutern sich die Reiseerlebnisse zur Vision eines rundum erneuerten Blicks auf die Welt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.07.2007
Stefan Weidner lässt eine Person R., die anlässlich eines arabisch-deutschen Dichtertreffens angereist ist, durch Fes und Marrakesch laufen und ihre Beobachtungen und Reflexionen vor allem der ästhetischen Seite islamischer Kultur schildern. Das ist geschickt, findet Sabine Berking, denn so schaffe Weidner ein "Orientbild zwischen Realität, Kanonisierung und Inszenierung der Illusion?, das wohl nicht das seine sei. Mit seinem marokkanischen Begleiter, Dichter wie er, entfaltet sich ein west-östlicher Dialog. Während der Deutsche "zwischen Realitätssinn und einer naiven Verführbarkeit durch das Fremde? balanciere, sinniert sein arabischer Counterpart ganz unromantisch über europäische Abschottung und modernes Sklaventum. Berking sieht die zentrale Botschaft Weidners darin, im Vergleich der Kulturen dieselben Maßstäbe anzulegen. Zu weiteren Meinungsäußerungen über das Buch lässt sich die Renzensentin nicht hinreißen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.01.2007
Überaus eingenommen ist Rezensent Joseph Hanimann für Stefan Weidners Buch über Fes und Marrakesch, das zugleich Erzählung, Essay, Geschichtsabriss, Bildband und Reisebegleiter ist. Den Autor schätzt er als einen der "feinsinnigsten" deutschen Kenner der islamisch-arabischen Welt. In den sieben Kapiteln des Buchs gelingt ihm zur Freude Hanimanns eine "subtile Annäherung" nicht nur an Marokko, sondern an die ganze nordafrikanisch-arabische Kultur. Angesichts der zahlreichen Klischees und Pauschalurteile über diese Kultur kann er das Buch nur begrüßen, hilft es doch den Blick zu weiten und die dominierende Problemperspektive auf die islamisch-arabische Welt aufzubrechen. Hanimann attestiert dem Autor, aus zahlreichen Eindrücken und Beobachtungen ein präzises, detailreiches, nuanciertes Bild der Lebensrealitäten in Marokko zu zeichnen. Zwischendurch fühlt sich Hanimann gar an die große Reiseliteratur eines Wolfgang Koeppen erinnert, dann nämlich, "wenn im Unscheinbaren sich Weltgeschichte spiegelt".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2006
Ludwig Ammann rühmt den essayistischen und subjektiven Reisebericht des Orientalisten Stefan Weidner, der sich in der alten marokkanischen Königsstadt Fes, jenseits diskursiver und akademischer Begriffe, auf die Suche nach der "Erfahrung des radikal Fremden" gemacht habe. Ähnlich wie der Sufimeister Ibn Arabi habe Weidner seinen Selbstversuch als eine zum Teil mystische Umkreisung in sieben Stufen und anhand von drei Führern inszeniert. Einerseits bleibe der Autor im Weltlichen verhaftet, biete bedenkenswerte historische wie aktuelle Beobachtungen des "islamischen Westens", andererseits führe ihn die Suche aber auch zum "mystischen Diskurs", der schließlich in der arabesken und ornamentalen Kunst als einer "Ästhetik der Wiederkehr" mündet. Diese Wiederkehr lasse sich ebenso im Alltag wie auf den beigefügten Fotografien des Autors wiederfinden.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.11.2006
Rezensent Hans-Volkmar Findeisen vermag Stefan Weidners neues Buch nicht so recht einem herkömmlichen Genre zuweisen: Literarische Autobiografie, Essay, Reportage oder Fotoband? Ein "Gemenge" aus alledem am ehesten, und das kommt dem Gegenstand zugute, applaudiert er. Um sich der postkolonialen Moderne in Nordafrika anzunähern, stelle Weidner fiktive Dispute über religionspolitische und ästhetische Fragen neben Fotografien und anekdotische Berichte von zweideutigen Avancen junger Fundamentalmuslime. Mit diesem Ansatz bietet der Autor nach Ansicht des Rezensenten thematisch wie formal einen "ungemein anregenden Brückenschlag", weshalb sich das Buch als eine Vorschule zu einem neuen Zugang zum Orient empfehle.
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