Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 21.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Peter Blickle

Kommunalismus

Skizzen einer gesellschaftlichen Organisationsform. Band 1: Oberdeutschland

Oldenbourg Verlag, München 2000
ISBN-10 3486564617
ISBN-13 9783486564617
Gebunden, 196 Seiten, 39,88 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Im Spätmittelalter erfolgte in den meisten europäischen Ländern ein Kommunalisierungsprozeß. Neben dem traditionellen Lehnswesen entwickelte sich auf lokaler Ebene die Gemeinde zur vorherrschenden gesellschaftlichen Organisationsform. Deren Wertvorstellungen - Frieden, Gemeiner Nutzen, Rechtsgleichheit - waren ein wichtiger Bestandteil des modernen Staates, der sich in den folgenden Jahrhunderten entwickelte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2000

Peter Blickle hat in den letzten Jahrzehnten eine theoretische Figur zur Beschreibung von politischer Organisation auf Dorfebene in der frühen Neuzeit entwickelt, der er den Namen "Kommunalismus" gegeben hat, erklärt Robert von Friedeburg in seiner Besprechung des zweibändigen Werks. Es geht dabei um ein eigenständiges "Werte- und Verfassungsprinzip von Bürgern und Bauern" - das der Autor dem Feudalismus wie dem Absolutismus als Modell gegenüberstellt. Der Rezensent findet dieses Konzept "anschlussfähig und inspirierend" - vielleicht aber, so die paradoxe Pointe, zu anschlussfähig. Er stellt die Frage, ob bei Blickle nicht zu viel Verschiedenes unter diesen Begriff fällt, der zudem unter Juristen mit der spätmittelalterlichen Formulierung von der "persona ficta", der Rechtsperson, eine präzisere Fassung bekommen habe. Außerdem wird kritisch angemerkt, dass Blickle, teilweise wenigstens, auf die von Otto Gierke bereits im 19. Jahrhundert entwickelte Dichotomie von "Genossenschaft und Herrschaft" zurückfällt.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.07.2000

Achim Landwehr bespricht zwei Bände Peter Blickles zum "Kommunalismus": Band 1 befasst sich mit "Oberdeutschland" und Band 2 mit "Europa".
Landwehr erläutert zunächst, um was es bei dem von Blickle geprägten Begriff des Kommunalismus überhaupt geht. Und so erfährt der Leser, dass es sich dabei um die Bestrebungen von Gemeinden handelt, die sie betreffenden Angelegenheiten weitestgehend in die eigene Hand zu nehmen. Blickle habe dies in seinen zwei Bänden auf "unorthodoxe, aber umso erhellendere Weise" erforscht. Wichtigstes Ergebnis im ersten Band (der sich mit dem oberdeutschen Raum befasst) ist dabei nach Landwehrs Ansicht, dass die Gemeinde hier politisch wesentlich stärkeren Einfluss hatte als das von Historikern bisher gemeinhin angenommen wurde. Überraschend scheint dem Rezensenten die besondere Bedeutung des Sozialen, des Gemeinwohls aber auch der Frieden, der für den Kommunalismus kennzeichnend war.
Schwerpunkt des zweiten Bandes ist, so Landwehr, der europäische Vergleich, wobei der Rezensent andeutet, dass sich auch hier neue Sichtweisen ergeben (die er aus Platzgründen jedoch nicht näher erläutert). Lobenswert findet der Rezensent an dieser Studie vor allem, dass Blickle nie versuche, "die gesamte europäische Geschichte ausnahmslos kommunalistisch umzudeuten" und dass es ihm gelungen ist, sowohl den Kommunalismus Oberdeutschlands mit Europa in Beziehung zu setzen, wie auch "die kommunale Praxis zur Herrschaft und zur politischen Theorie".

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Uangenehm plausibel

11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Joan Didion: Blaue Stunden

09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Maria Sonia Cristoff: Unbehaust

06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen

Lisa Kränzler: Export A

02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren