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Peter Blickle
Kommunalismus
Skizzen einer gesellschaftlichen Organisationsform. Band 1: Oberdeutschland
Klappentext
Im Spätmittelalter erfolgte in den meisten europäischen Ländern ein Kommunalisierungsprozeß. Neben dem traditionellen Lehnswesen entwickelte sich auf lokaler Ebene die Gemeinde zur vorherrschenden gesellschaftlichen Organisationsform. Deren Wertvorstellungen - Frieden, Gemeiner Nutzen, Rechtsgleichheit - waren ein wichtiger Bestandteil des modernen Staates, der sich in den folgenden Jahrhunderten entwickelte.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2000
Peter Blickle hat in den letzten Jahrzehnten eine theoretische Figur zur Beschreibung von politischer Organisation auf Dorfebene in der frühen Neuzeit entwickelt, der er den Namen "Kommunalismus" gegeben hat, erklärt Robert von Friedeburg in seiner Besprechung des zweibändigen Werks. Es geht dabei um ein eigenständiges "Werte- und Verfassungsprinzip von Bürgern und Bauern" - das der Autor dem Feudalismus wie dem Absolutismus als Modell gegenüberstellt. Der Rezensent findet dieses Konzept "anschlussfähig und inspirierend" - vielleicht aber, so die paradoxe Pointe, zu anschlussfähig. Er stellt die Frage, ob bei Blickle nicht zu viel Verschiedenes unter diesen Begriff fällt, der zudem unter Juristen mit der spätmittelalterlichen Formulierung von der "persona ficta", der Rechtsperson, eine präzisere Fassung bekommen habe. Außerdem wird kritisch angemerkt, dass Blickle, teilweise wenigstens, auf die von Otto Gierke bereits im 19. Jahrhundert entwickelte Dichotomie von "Genossenschaft und Herrschaft" zurückfällt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.07.2000
Achim Landwehr bespricht zwei Bände Peter Blickles zum "Kommunalismus": Band 1 befasst sich mit "Oberdeutschland" und Band 2 mit "Europa".
Landwehr erläutert zunächst, um was es bei dem von Blickle geprägten Begriff des Kommunalismus überhaupt geht. Und so erfährt der Leser, dass es sich dabei um die Bestrebungen von Gemeinden handelt, die sie betreffenden Angelegenheiten weitestgehend in die eigene Hand zu nehmen. Blickle habe dies in seinen zwei Bänden auf "unorthodoxe, aber umso erhellendere Weise" erforscht. Wichtigstes Ergebnis im ersten Band (der sich mit dem oberdeutschen Raum befasst) ist dabei nach Landwehrs Ansicht, dass die Gemeinde hier politisch wesentlich stärkeren Einfluss hatte als das von Historikern bisher gemeinhin angenommen wurde. Überraschend scheint dem Rezensenten die besondere Bedeutung des Sozialen, des Gemeinwohls aber auch der Frieden, der für den Kommunalismus kennzeichnend war.
Schwerpunkt des zweiten Bandes ist, so Landwehr, der europäische Vergleich, wobei der Rezensent andeutet, dass sich auch hier neue Sichtweisen ergeben (die er aus Platzgründen jedoch nicht näher erläutert). Lobenswert findet der Rezensent an dieser Studie vor allem, dass Blickle nie versuche, "die gesamte europäische Geschichte ausnahmslos kommunalistisch umzudeuten" und dass es ihm gelungen ist, sowohl den Kommunalismus Oberdeutschlands mit Europa in Beziehung zu setzen, wie auch "die kommunale Praxis zur Herrschaft und zur politischen Theorie".
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