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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Wolfgang Reinhard

Geschichte der Staatsgewalt

Eine vergleichende Verfassungsgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart

Cover: Geschichte der Staatsgewalt

C. H. Beck Verlag, München 1999
ISBN-10 3406453104
ISBN-13 9783406453106
Gebunden, 631 Seiten, 49,90 EUR

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Klappentext

Obwohl die Europäer die Erfinder des modernen Staates waren, gab es bisher keine gründliche Untersuchung seiner europaweiten historischen Grundlagen, keine vergleichende Verfassungsgeschichte der Länder Europas. Dieses Buch versucht, die politischen Strukturen der europäischen Länder als Varianten gemeinsamer Grundmuster darzustellen. Der Prozess des Wachstums der Staatsgewalt wird dabei vom Mittelalter bis heute, von der Monarchie bis zum totalen Staat und dem Zerfall in der Gegenwart verfolgt.

BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Geschichte der Staatsgewalt - Info bei C.H. Beck

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.12.1999

In seiner ausführlichen Besprechung diskutiert Armin Adam vor allem die historisch-funktionelle Entwicklung des Staates, wie sie der Autor, seines Zeichens Professor für neuere Geschichte in Freiburg, darstellt. Zunächst wird die Ausgangslage, die heutige Krise des Staates, als Ausdruck einer "langen Krankengeschichte" beschrieben, dann nachvollzogen, wie mit der Vorstellung der Souveränität des Gemeinwesens sich zunächst der monarchische und dann auch der republikanische Staat als allgemeines, transpersonales Recht gesetzt hat (16.Jhdt.). Staatshaushalt (Militärausgaben und Schuldendienst) und von der Kirche unabhängig werdende Körperschaften stärkten die Beharrungskraft, der Säkularisierung folgt der Nationalismus, und mit seinem Erlahmen tritt der Verlust "des Glaubens an den Staat" ein. Dennoch zeigt der Autor, schreibt Adam, mit seiner Geschichte auch die "erstaunliche Anpassungsfähigkeit des Staates" an veränderte Bedingungen, weshalb die Rede von einer Krise des Staates durch die Lektüre des Buches relativiert werden kann. Schade ist, dass wir in der Besprechung nichts Konkretes erfahren über die Behandlung desjenigen Aspekts, der im Untertitel eine "vergleichende Verfassungsgeschichte Europas" verspricht. Nur einmal weist Adam je konkret auf Frankreich und Preussen hin.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.11.1999

Ulrich Speck lobt den Materialreichtum des Bandes und erläutert, wie Reinhard seine Geschichte der Staatsgewalt aufbaut: mit Konzentration auf die frühe Neuzeit und die folgenden Jahrhunderte - während die Moderne des 19. und 20. Jahrhunderts vergleichsweise kurz gefasst seien. Der Staat sei für Reinhard "im Kern ein von den Monarchen geschaffener Zwangsapparat". Kritikwürdig findet Speck, dass Reinhard am Zwangscharakter aller Staatlichkeit auch nach der Zeit der Französischen Revolution festhält. Selbst die Bundesrepublik stelle er noch als "totalen Staat" dar. Ähnlich wie sein Kollege Martin van Dreveld in "Aufstieg und Untergang des Staates" (Gerling Akademie Verlag 1999) weine Reinhard dem im Zeichen der Globalisierung verschwindenden Staat keine Träne nach. Speck ist mit diesem Ansatz nicht zufrieden und fordert eine mehr sozial- und mentalitätshistorische Annäherung an das Thema.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.10.1999

Der Sozialgeschichtler schlechthin, Hans-Ulrich Wehler, bespricht die „Geschichte der Staatsgewalt“, und kein Lob ist ihm zu gering. Wehler rühmt das Werk nicht nur als „großen Wurf“ als „Opus magnum“, sondern auch als „Spitzenleistung“ und als „Meisterwerk moderner Geschichtswissenschaft“. Und das, obwohl der Autor, wenn man Wehler glauben kann, gerade die Disziplin der Sozialgeschichte ebenso hinter sich lässt wie die reine Institutionengeschichte. „Eine große historische Synthese der europäischen Staatsbildungsgeschichte“ habe Reinhard vorgelegt, meint Wehler. Eine Arbeit, die ihn durch Präsizion, Sachkenntnis, und vor allem dadurch besticht, dass sie die nationalgeschichtliche Perspektive durch eine „wahrhaft europäische“ ersetzt. Von den antiken und germanischen Anfängen bis zur Gegenwart lässt sich die Staatenbildung in Europa „in bestechender Klarheit“ verfolgen, meint Wehler. Man gewinnt den Eindruck, dass hier ein Thronfolger ernannt wird.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999

Peter Blickle lobt das Buch als eine "Leistung ohne Beispiel" in der deutschen Geschichtswissenschaft der letzten Jahrzehnte - obwohl seine Argumentation durchaus manchmal in die Nähe des Stammtischs gerate. Ausführlich zeichnet Blickle nach, wie Reinhard die Entstehung des Staats aus Krieg und Gewalt im Lauf der letzten tausend Jahre vor dem Leser auffaltet. Die eigentliche Existenz des Staates datiere er dann vom 18. Jahrhundert bis ins zweite Drittel des 20. Jahrhunderts. "Beklemmend" findet Blickle allerdings, dass Reinhard, der "ungemein große Stoffmassen" bewältige, sozialen und totalen Staat in einem Kapitel zusammenfasst. Überhaupt werde hier "ein Furcht erregendes Europa" rekonstruiert. Blickle hofft, dass Reinhards Buch "politiktheoretische Debatten" auslösen wird.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.10.1999

Reinhards These, dass vor allem monarchische Machtinteressen letztlich zur Ausbildung moderner Staaten geführt hätten, mag Thomas Maissen zwar nicht teilen: immerhin gebe es da noch das eidgenössische Beispiel. Dann jedoch würdigt Maissen ausdrücklich die historischen Schilderungen Reinhards. Er zeigt sich besonders von der systematischen Präsentation, der Bewältigung der Stoffmenge und dem hohen Niveau, auf dem Reinhard dies gelinge, beeindruckt. Nach Ansicht des Rezensenten könnte dieses Buch sogar als verfassungsgeschichtliches Handbuch taugen - wenn es denn ein Sachregister hätte! Allerdings stelle "die Komplexität und die Dichte des Stoffs einige Ansprüche an den Leser".

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