Aus dem Serbokroatischen von Bärbel Schulte. Es sind kleine, in sich geschlossene Prosatexte: eingefangene Augen-Blicke, Momentaufnahmen einer Kindheit im Zigeunerdorf. Wie leichtfüßige Musikstücke kommen sie daher - Bagatellen, Impromptus, Humoresken. Aneinander gereiht erzählen sie vom turbulenten Leben in einer schäbigen Romasiedlung, von Dragisa, dem Saxophon spielenden Vater, vom Großvater, der im Suff deutsche Kommandos brüllt, von der mit Geistern kommunizierenden Großmutter, der Tante, die sich bei Bedarf imaginäre Krankheiten zulegt, und von der Mutter, die all das im Griff zu halten versucht; auch von Jacky, dem Hund, von geköpften Hühnern oder jenem Lamm, in dessen Augen sich der Junge wiedererkennt, bevor es am Georgstag auf den Tisch kommt. Von diesem etwas eigentümlichen Jungen vor allem, der staunend die Welt um sich und sich selbst in ihr beobachtet.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.09.2006
Ausgesprochen begeistert von diesen ebenso poetischen wie unsentimentalen Prosaarbeiten ist der "Jdl." unterzeichnende Rezensent, der Jovan Nikolic zu den wichtigsten Vertretern der Roma-Literatur zählt. Den Rezensenten beeindruckt besonders die skizzenhafte Leichtigkeit, mit der hier Szenen einer behüteten, aber armen Kindheit im ehemaligen Jugoslawien geschildert werden. Es gehe um Fußball oder den Vater, der sein Geld als Saxophonist in kommunistischen Hotels verdiente. Die atmosphärische Dichte scheint auf den Rezensenten eine fast hypnotische Wirkung zu haben. Er genießt Stimmungen und Bilder, die sich für ihn während des Lesens "wie in einem Kaleidoskop" ineinander schieben und insgesamt "den Roman einer Kindheit" ergeben.
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