Gabriele Wohmann

Scherben hätten Glück gebracht

Erzählungen
Cover: Scherben hätten Glück gebracht
Aufbau Verlag, Berlin 2006
ISBN 9783351030810
Gebunden, 208 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Das Besondere passiert in diesen Geschichten einfach so, mitten im Alltag: Manch einer trifft eine Entscheidung, die ihn selbst am meisten überrascht; oder jemand beginnt aus scheinbar nichtigem Anlass in Frage zu stellen, wie er bisher gelebt hat. Verpasste Gelegenheiten, alte Verletzungen, verdrängte Sehnsüchte blitzen in Sekunden auf oder überschatten ein ganzes Leben. Die Figuren bewegen sich wie überforderte oder listige Hauptdarsteller in der Wirklichkeit, fallen aus ihrer Rolle, hinein in Missgeschicke, erleben Leid und Wonne wie Augenblicke des Triumphs. Ihrer vertrackt verzweifelten Personnage aus Babys, Rentnern, Ehepaaren und Einzelgängern bringt Wohmann spürbar Sympathie entgegen, selbst wenn sie höchst unübliche Wege einschlagen, um ihre Interessen durchzusetzen. Schließlich sind es manchmal Scherben, die Glück bringen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.02.2007

Meike Fessmann weiß, dass Gabriele Wohmann mit ihren Texten bei der Kritik einen schweren Stand hat, weil sie sich der Beschreibung des ganz normalen Alltagslebens verschrieben hat. Im leichten Ton erzählen auch die Geschichten dieses Bandes, dessen Titel die Rezensentin allerdings etwas albern findet, von den Auseinandersetzungen die sich in der Privatsphäre der Familie abspielen, und es gelingt der Autorin, richtige Gespräche abzubilden, erklärt die Rezensentin angetan. Deshalb ist sie auch durchaus bereit, darüber hinwegzusehen, dass diese feinfühlig festgehaltenen Dialoge mitunter in Geplapper ausarten, denn für Fessman ist die "literarische Eloquenz" der Erzählungen, die aus dem Leben selbst zu stammen scheinen, unabweisbar.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2006

Rezensentin Maria Frise mochte den neuen Erzählband von Gabrielle Wohmann, besonders die "unverwechselbaren Wohmannschlenker" vom "rosazuckrigen Geburtstagsherz zum schokoladendunklen Trauerkuchen". Allerdings konstatiert die Rezensentin mehr Milde beim Beobachten und Sezieren der Menschen, eine Fähigkeit, die diese Erzählungen für sie immer noch zu einem Ereignis machen. Da werden Frise zufolge die inkompatiblen Welten von Männern und Frauen beschrieben. Ein "Menschenzoo" sei das, was insgesamt in diesen Erzählungen vorgeführt werde, lesen wir. Ein Zoo freilich, in dem "gelacht" werden dürfe. Auch Gabrielle Wohmanns Begabung für "abrupte und überraschende Schlüsse" wird bewundert. Allerdings mit Einschränkung, da Wohmann für den Geschmack von Maria Frise dieses Stilmittel mitunter etwas zu krude anwendet und Erzählungen sogar abbricht, wenn sie noch nicht richtig in Gang gekommen sind.
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