Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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Klappentext
In den dreißiger Jahren ist das Palasthotel Lutetia nicht nur eine Drehscheibe wahrer und eingebildeter Snobs, sondern auch Treffpunkt der deutschen Exilanten. Hier kündigen sich große politische Veränderungen an. In den Weinkellern, im Aufzug oder im Tee-Salon nehmen menschliche Dramen ihren Lauf: vom Diebstahl über den Ehebruch bis zum Duell. Geradezu magisch zieht das Lutetia Menschen mit einem Hang zum Doppelleben an. Selbst der pflichtbewusste Hoteldetektiv Edouard Kiefer, ein Protestant und Junggeselle, hat eine heimliche Geliebte: Natalie Clary, die er seit früher Jugend kennt und verehrt. Als Frankreich von den deutschen Truppen überrollt und das Hotel Lutetia zum Hauptquartier der so genannten deutschen Abwehr wird, verschwindet Natalie aus dem Hotel, aber nicht aus dem Leben von Edouard, der bald nicht mehr weiß, wem er dienen soll: dem Land, dem Hotel, seiner einzigen Heimstatt oder jenen Kollegen, die sich im Widerstand engagieren?
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2006
Jürgen Ritte hat diese zwischen Fiktion und Fakten changierende Biografie des alten Pariser Hotels Lutetia nicht gänzlich überzeugt, dennoch hat er sie, nicht zuletzt, weil sie sowohl ein Stück Grand Hotel-Geschichte als auch Geschichte des 20. Jahrhunderts erzählt, mit Gewinn gelesen und dabei informativ und unterhaltsam gefunden. Erzählt wird aus der Perspektive des Hoteldetektivs Edouard Kiefer, der vor dem Zweiten Weltkrieg so berühmte Gäste des Hotels wie Josephine Baker und James Joyce kennen lernt, um dann die Besetzung des Lutetia durch die deutsche Spionage-Abteilung des Wilhelm Canaris mituzerleben. An der Erzählerfigur entzündet sich die Kritik des Rezensenten, der die Erlebnisse des Hoteldetektivs nicht immer plausibel findet. Zudem erscheint ihm der Detektiv, der sich nicht nur leidenschaftlich für fiktive und reale Hotelbesucherinnen interessiert, sondern auch als Verfechter "deutscher Kultur" und der "Werte der französischen Republik" entpuppt, dann doch etwas überladen. Trotzdem aber hat Ritte das Buch gern gelesen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.10.2006
Die Welt des Nobelhotels "Lutetia" in Paris wird in Pierre Assoulines Roman nicht zum ersten Mal erzählt, aber noch nie hat Johannes Willms sie derart elegant geschildert gefunden. Dem Rezensenten imponiert die Mischung aus Genauigkeit der historischen Fakten und literarischer Freiheit, die den französischen Autor das Schicksal des fiktiven Hoteldetektivs Edouard Kiefer mit der Geschichte des Hotels verknüpfen lässt. Dabei sei es der Klugheit von Assouline anzurechnen, dass er seine Darstellung auf die Jahre zwischen 1938 und 1945 eingrenze und sehr geschickt die Stofffülle zu nutzen wisse, die diese Epoche biete, so Willms beeindruckt. Dass der Autor unbeirrt am Mythos weiter strickt, nahezu alle Franzosen seien am Widerstand gegen die Deutschen beteiligt gewesen, sieht der Rezensent als Zugeständnis an die französische Kundschaft, das tut aber seiner Begeisterung für diesen, wie er rühmt, fesselnden und gut geschriebenen Roman keinen Abbruch.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.09.2006
Die Rezensentin Ingrid Müller-Münch braucht ein Weilchen, um nachzuvollziehen, wieso Pierre Assoulines Roman mit dem angesehenen Prix de la Maison de Presse ausgezeichnet wurde. Zunächst "plätschern die anekdotischen Begebenheiten" um das Hotel Lutetia so dahin. Zwar kann die Rezensentin die Verluste, die dieser Ort durch die Nazi-Besatzer erlitt, durchaus nachvollziehen, doch besondere Dramatik bekommt das Buch für sie erst im letzten Kapitel, als KZ-Überlebende in das Hotel zurückkehren. Für seine Recherche konnte der Autor Pierre Assouline auf eine Tradition zurückgreifen, die es seither gibt: einmal im Monat richtet die Hotelleitung bis heute ein Essen für die Überlebenden aus. An dem nahm eine Jahr lang auch der Autor teil: sein Buch wurde schließlich "vielleicht gerade wegen seines dokumentarischen Ursprungs zu einer mitreißenden Erzählung". Assoulines "Erzählkunst" jedenfalls ist nach Meinung der Rezensentin wirklich bemerkenswert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.08.2006
33 Jahre hat Pierre Assouline an diesem Roman gearbeitet und wollte damit historische Fakten und fiktive Erzählung organisch miteinander verknüpfen. Das ist ihm größtenteils auch "glänzend" gelungen, meint Kolja Mensing, nur der ganz große Wurf, wie ihn der Autor vorhatte, ist es nicht geworden. Was Mensing aufstößt, ist die doch zu nette Behandlung der Resistance als Vereinigung rechtschaffener Widerstandskämpfer, die in den Augen des Rezensenten durch die jüngere Forschung schon längst widerlegt ist. "Kein Wunder", meint er, "dass dieser Roman in Frankreich ein Bestseller geworden ist." Was aber nicht heißen soll, dass "Lutetias Geheimnisse" nicht großartig geschrieben ist. In der Geschichte des Hoteldetektivs Edouard, dessen diffuse Moral durch die Auseinandersetzung mit den deutschen Besatzern auf die Probe gestellt wird, frage Pierre Assouline nach der Integrität des Menschen und schildere Edouards Gewissenskonflikt mit der "Präzision eines klassischen Tragödiendichters". Assouline präsentiere hier das "elegant geschriebene Porträt einer Epoche" und darüberhinaus einen mit geschichtlichen Fakten "raffiniert verwobenen" Roman. Wobei Mensing eben hier auf einen "sonderbaren" Fehler hinweisen muss: Brzezinka sei nicht ein dem Konzentrationslager Birkenau benachbarter Ort, sondern schlicht der polnische Name für Birkenau. Überhaupt hätte er sich in einem solchem Werk mehr Beschäftigung mit den Kriegsgräueln erwartet, die Assouline aber bis zum Schluss und zur Verwunderung des Rezensenten fast vollständig ausspart.
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Uangenehm plausibel
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