Bücherschau der Woche
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Klappentext
Jonas ist allein. Zuerst ist es nur eine kleine Irritation, als die Zeitung nicht vor der Tür liegt und Fernseher und Radio nur Rauschen von sich geben. Dann jedoch wird Jonas klar, dass seine Stadt, Wien, menschenleer ist. Ist er der einzige Überlebende einer Katastrophe? Sind die Menschen geflüchtet? Wenn ja, wovor? Jonas beginnt zu suchen. Er durchstreift die Stadt, die Läden, die Wohnungen und bricht schließlich mit einem Truck auf, um nach Spuren der Menschen zu suchen. Mit wachsender Spannung erzählt Thomas Glavinic davon, was Menschsein heißt, wenn es keine Menschen mehr gibt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006
Schöne Idee, nur mit der Ausführung hapert's ein bisschen. So lässt sich Martin Lhotzkys gutwillige Besprechung resümieren. Zwar kennt Lhotzky Endzeitvisionen genug, aber aus dem Wien unserer Tage ist ihm noch keine untergekommen. Lhotzky unterhält und gruselt sich ganz passabel - bis zur Mitte. Von da an macht das Buch auf ihn den Eindruck einer großen Verzettelung, einer "Testreihe" mit einem eher uninspirierten Protagonisten, die das fantastische Potential der Story nicht ausschöpft. Leider, findet Lhotzky, der Vergleichbares, etwa bei einem Autor wie Leo Perutz, auch schon fantasievoller umgesetzt gesehen hat.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2006
Die Begeisterung von Rezensentin Iris Radisch über diese Menschheitsparabel ist groß. Schon den Grundeinfall dieses 400-Seiten Romans findet sie "genial". An irgendeinem 4. Juli erwache Protagonist Jonas und sei ganz alleine auf der Welt. Kein Fernsehen mehr, kein Computer, keine Menschen, nichts. Mutterseelenallein stehe er auf dem totenstillen Heldenplatz in Wien als der letzte Mensch und frage: "Ist da noch wer?" Ein "ungeheures Wagnis" sei so ein Plot, findet die Rezensentin. Aber es hat sich gelohnt. Radisch beschreibt ihre Lektüre als existenzielles Erlebnis von "Pascalschen Dimensionen". Denn mehr und mehr ziehe Autor Thomas Glavinic seinen Helden "hinüber in die Dunkelheit des nicht begreifbaren Teils der menschlichen Existenz". Fasziniert folgt die Rezensentin dem einsamen Helden auch auf seinem Weg durch das verlassene Europa und staunt über die Prägnanz, mit der ihr der Autor darlegen kann, dass es im Grunde nicht die unabänderliche Einsamkeit ist, an welcher der Mensch scheitert, sondern "seine hilflosen Strategien", mit dieser kosmischen Verlassenheit umzugehen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.09.2006
Als typische "Männerphantasie" erscheint Maike Albath die Ausgangslage des Romans "Die Arbeit der Nacht" von Thomas Glavinic, der sie aber zunächst noch durchaus willig zu folgen bereit ist. Eines Morgens wacht Jonas auf und muss feststellen, dass er plötzlich vollkommen allein auf der Welt ist und alle anderen Menschen aus unerfindlichen Gründen vom Erdboden verschwunden sind. Was zunächst noch als interessantes und erschreckendes Experiment fesselt, nutzt sich aber nach Meinung der Rezensentin schon nach dem ersten Drittel des Buches enorm ab und wird immer einförmiger. Der Handlungsverlauf, der keine wirkliche Entwicklung mehr erfährt und durch das Stilmittel der Wiederholung den fortschreitenden Zerfall der Hauptperson verbildlichen soll, kann die Rezensentin nicht mehr recht bei der Stange halten und ganz offensichtlich beginnt sie sich zu langweilen. Albath findet, dass der Autor nach einem durchaus atemberaubenden Ausgangspunkt dann doch nur ein "lebloses" Buch geschrieben hat, was ihrer Meinung nach nicht zuletzt an der strikten Außenperspektive eines sehr sachlichen Erzählers und der Beschränkung auf einen einzigen Protagonisten liegt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.09.2006
Als beeindruckend und dabei zutiefst verstörend preist Alex Rühle den vierten Roman von Thomas Glavinic. Das Buch erzählt von einem Mann, der eines Morgens vollkommen allein in einer Welt aufwacht, aus der alle anderen Lebewesen aus unerklärlichen Gründen verschwunden sind. Wie der Autor nun die Existenz eines Menschen in absoluter Einsamkeit schildert, lässt Elemente von Mythen, Horrorfilmen und Actionthrillern zusammenfließen und beständig zwischen Traum, Wachsein und Wahnsinn pendeln, stellt der Rezensent fasziniert fest. Er würdigt das Buch als mutiges Experiment und virtuoses Spiel mit einer "Urangst" des Menschen, wobei er zugibt, während der Lektüre beim Einschlafen lieber das Licht angelassen zu haben. Wenn der Protagonist aber am Ende noch ein letztes Stückchen Freiheit erringt und erkennen lässt, dass er bis zum Schluss an die Liebe glaubt, erscheint das dem geängstigten Rezensenten wie helles Licht nach einer "schrecklichen Nacht".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.08.2006
Entgegen allen Befürchtungen, der Plot und das Konstrukt dieses Romans werde nicht bis zum Schluss tragen, stellt Andreas Breitenstein zu seiner Erleichterung und sogar Begeisterung fest, dass Thomas Glavinic seine Geschichte um einen Mann, der sich eines Tages allein auf der Welt wiederfindet, nichts weniger als meisterhaft durcherzählt. Das Buch lasse den Leser bis zur letzten Seite nicht aus seinem Bann, während der Protagonist ohne ein soziales Umfeld immer stärker in Ich-Verlust und Paranoia versinkt, erklärt der Rezensent fasziniert. Er ist vom gekonnten Evozieren des Grauens genauso beeindruckt wie er das psychologische Geschick Glavinics bei der Schilderung der zunehmenden Zerrüttung seines Helden bewundert. Vom Schluss, in dem sich die Hauptfigur allen äußeren Umständen zum Trotz der Liebe verschreibt, zeigt sich Breitenstein geradezu ergriffen. Gerade in der Paradoxie von "Liebe und Leere", auf die der Roman hinaus läuft, zeigt sich Glavinic als großer Literat, resümiert Breitenstein überschwänglich.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.08.2006
Den jungen Thomas Glavinic nennt Kolja Mensing einen unterschätzten Autor, auch nach seinem nunmehr fünften Roman. Zeit, das zu ändern, meint Mensing. Diesen Roman hält er für geeignet dazu, weil er einfach und zugleich rätselhaft und dunkel ist und formal und inhaltlich radikal genug, seine durchaus nicht neue Erkenntnis des Horror Vacui - der Verlorenheit des Menschen in Raum und Zeit - zu übermitteln. Die Jugend des Autors und dessen nüchterne Erzählweise, die die üblichen Manierismen des modernen Romans ersetzt, hat Mensing sichtlich beeindruckt. Ebenso wie der bereits in Glavinics früheren Romanen erkennbare Hang zur Skurrilität.
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