Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Älter werden wir alle, von Anfang an, und es gibt keine Aussicht auf Umkehr. Erst, wir sind noch ein Kind, wollen wir es unbedingt, dann, wir sind erwachsen, widerfährt es uns fast unmerklich, schließlich, die Jahre gehen ins Land, kommen die Tage des Rückblicks, auf die Zeit, in der wir die Zukunft noch vor uns hatten. "Älter werden" gibt persönlich erzählend, räsonierend und kommentierend einen Rückblick auf das gelebte Leben und einen Ausblick auf möglicherweise Kommendes. Diese erzählten Erinnerungen und gedanklichen Spiele fügen sich zu einem poetischen Bericht über eines der zentralen Themen unserer Zeit.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.12.2006
Als unterhaltsame und intelligente Lektüre beschreibt Rezensentin Renee Zucker Silvia Bovenschens Buch, dessen "genial" einfacher Titel ihr besonderen Eindruck machte. Die Autorin überrascht die Rezensentin immer wieder mit scharfen und scharfsinnigen Beobachtungen zum Thema, vor allem von sich selbst. Manchmal allerdings findet Zucker die Direktheit und Unbarmherzigkeit, mit der Bovenschen gerade über ihre Behinderung schreibt, auch befremdlich. Zudem bemängelt sie einige Schwachpunkte. So wirken zum Beispiel manche Beschreibungen von Freunden, die Zucker allesamt nur als Namenskürzel in Erscheinung treten sieht, weshalb sie in ihren Ohren stets ein wenig wie Krankheiten (statt menschliche Wesen) klingen, ungewollt komisch auf sie. Am Anfang macht das Buch sogar einen leicht "tüddeligen" und "tantenhaften" Eindruck auf sie.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2006
Sehr eingenommen zeigt sich die Rezensentin Felicitas von Lovenberg von Silvia Bovenschens Überlegungen zum Älterwerden. Voller gedanklicher und sprachlicher Eleganz - und vor allem ohne jegliche Alterslarmoyanz - horcht sie prüfend die Begriffe des Älterwerdens ab und spricht furcht- und schnörkellos heikle Themen an: etwa Sexualität im Alter ("Runzelsex") oder (wenn auch sparsam) ihre Erkrankung an Multipler Sklerose. Sehr gefallen hat der Rezensentin, dass die Autorin Leben und Zeit nicht aus einer quasi jenseitigen, weil von Trauer und dem Gedanken an Versäumnisse behafteten Perspektive betrachtet, sondern dass gerade das Bewusstsein der Vergänglichkeit sie mitten ins Leben und der Freude daran führt. Dieses Buch muss man gerade deswegen "weise" nennen, weil es das nicht sein will, so das lobende Fazit der Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.10.2006
Rezensentin Andrea Köhler bescheinigt diesen assoziativ vorgetragenen Aufzeichnungen, das Ergebnis einer geglückten Selbsterforschung zu sein. Zwei Eigenschaften, "Neugier" und "Unbestechlichkeit", würden Silvia Bovenschen helfen, weder in Larmoyanz noch in Eitelkeiten zu verfallen. Wahrscheinlich, mutmaßt die Rezensentin, habe auch die Krankheit der Autorin dazu geführt, dass ihr "Ich" in dieser Recherche nahezu "unverstellt" hervortrete. Über die an persönlichen Erinnerungen haftenden Überlegungen könne der Leser zugleich auch einiges über die bundesrepublikanische Nachkriegszeit erfahren. Beispielsweise zu den "narrativen Übereinkünften" der Kriegsgeneration. Was sind die Verluste im Alter, was möglicherweise die Gewinne, diesen Fragen gehe Silvia Bovenschen mit Humor und Klugheit nach.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.10.2006
Joachim Kaiser hält es für möglich, dass es Autorinnen gibt, die den größten Autoren in nichts nachstehen, und er ist bereit, auch Silvia Bovenschen in diese "Elite" einzureihen, wie er etwas gönnerhaft kund tut. Dieses Buch allerdings, in dem die Autorin dem Titel nach über das "Älter werden" schreibt, enttäuscht ihn zunächst maßlos. Viel mehr als Banalitäten und gewichtig klingende Schalheiten habe Bovenschen auf den ersten Blick zum Thema Alter und Tod nicht zu bieten, beschwert sich der Rezensent, der beim Weiterlesen dann doch die Entdeckung macht, dass der Autorin ein melancholisches und dabei "schmerzlich-schönes" Buch über das Leben mit Multipler Sklerose, an der Bovenschen schon lange leidet, geglückt ist. So sieht sich Kaiser unversehens von diesem schmalen Band in den Bann gezogen, aus dem ihn nur die ein oder andere "Stilblüte" wieder herausreißt, wie er bedauert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.10.2006
Von intellektuellem und sinnlichem Vergnügen mit diesen "lapidaren" aber luzide beobachteten Aufzeichnungen über das Älterwerden spricht die Rezension von Renate Wiggershaus. Großen Anteil an der Leichtigkeit dieses Buchs hat ihrem Eindruck zufolge der "ungeschützt subjektive wie reflektierende Zugriff" der Autorin auf die großen Themen des Altwerdens, wie Krankheit, Pflegebedürftigkeit und Tod. Beleuchtet werde aber auch Allgemeines, wie die Nachkriegsgeschichte, das Altern von Begriffen oder Themen wie Glück und Geld. Was der Rezensentin immer wieder angenehm an den "differenzierten Betrachtungen" Silvia Bovenschens auffällt, von der sie berichtet, dass sie wegen einer MS-Erkrankung an den Rollstuhl gefesselt ist, ist das Fehlen jeglicher Larmoyanz. Und die Tatsache, dass "beunruhigenden Erkenntnissen" hier mit "Witz, Humor und Selbstironie" begegnet werde.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2006
Sehr bewegt berichtet Susanne Mayer über Silvia Bovenschens Buch "Älter werden", das sie als eine reine Wohltat gegenüber all jenen Bestsellern beschreibt, die das Alter nur in demografische Horrorszenarien denken können. Mit soziologischem wie philosophischem Rüstzeug, mit der Klugheit der eigenen Erfahrung und einer großen Gelassenheit nähere sich Bovenschen ihrem Thema. In "Sequenzen der Nachdenklichkeit" gehe Bovenschen den Fragen nach, wie sich Alter anfühlt, was man verliert, was gewinnt. Was macht es mit einem, wenn man den eigenen Körper verfallen sieht, wenn das eigene Auto zum Oldtimer wird oder man immer noch seine Nylons an einem Strumpfhalter befestigen will? Berührt haben die Rezensentin auch Bovenschens Gedanken zur der Frage, was von der eigenen Person im Alter verloren geht, wenn wir nicht mehr diejenigen sind, die einst so stark liebte, wünschte und hoffte. Sehr schön fand sie auch die Erkenntnis, dass sich die Zeit als Reichtum entpuppt, wenn man erkennt, wie weit die eigenen "Erinnerungsspuren" zurückreichen.
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