Curzio Malaparte

Die Haut

Roman
Cover: Die Haut
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2006
ISBN 9783552053687
Gebunden, 446 Seiten, 25,90 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Hellmut Ludwig. Neapel 1943: Die deutschen Nationalsozialisten werden von den Neapolitanern vertrieben, die Alliierten sind gelandet und kämpfen gemeinsam mit den italienischen Widerstandskämpfern. Doch mit den Befreiern verbreitet sich ein anderes Übel in der Stadt. "Es waren die Tage der 'Pest' in Neapel." So beginnt Curzio Malapartes skandalöser Roman "Die Haut", der unmittelbar nach seinem Erscheinen 1949 vom Vatikan auf den Index gesetzt wurde, seinen Verfasser jedoch schlagartig weltberühmt machte. Einen Tanz auf dem Vulkan beleuchtet dieser reportagehafte Roman voller schockierender Bilder, dem zu folgen auch ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung verstört.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.08.2006

Die Neuveröffentlichung von Curzio Malapartes Roman "Die Haut", der im Italien nach dem Krieg spielt, kommt gerade rechtzeitig, meint Georg Diez, um sich die Bildmächtigkeit und Sinnlosigkeit des Krieges wieder vor Augen führen zu lassen. Und wenn man dem hingerissenen Rezensenten glauben darf, tun das wenige Literaten besser als Malaparte, dessen "Großjournalismus" in Romanform ihn zum Vorläufer von Mailer, Hemingway und Wolfe machten. Im Vergleich zu "Kaputt", sei "Die Haut" das "drastischere, tragischere, abgründigere" Werk, befindet Diez, den es fasziniert, wie Malaparte die offenkundige Abneigung gegen den Krieg mit einer hilflosen Begeisterung für Blut, Gewalt und Spektakel verbindet. Die Erzählhaltung wird laut Diez durch den "epischen Ekel" Malapartes bestimmt, der aber nicht Sartre'sches Instrument zur Selbsterforschung sei, sondern dem Schriftsteller Abstand von der Welt verschaffe, den er dann mit oft abwegigen Gedanken und einer außerordentlich freien Sprache auffüllen könne.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.07.2006

Maike Albath begrüßt diese Neuausgabe von Curzio Malapartes Roman als Genuß für Literaten wie Geschichtsinteressierte. Als Erlebnis erscheinen ihr die Dynamik der neoexpressionistischen Sprache, ihre starke Bildlichkeit (insbesondere in der Landschaftsbeschreibung) und "atmosphärische Dichte", die sie an Poe erinnert sowie die dahinter verborgene "beinahe religiöse Deutung des Bösen". Bei der Bewertung des Buches als Zeugnis italienischer Geschichte spielt für die Rezensentin der kultische Vitalismus des Autors eine wichtige Rolle: Diesen "schillernden Extremismus" und "dantesken" Sinn fürs Schreckliche findet sie bezeichnend für das Italien der Nachkriegszeit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.06.2006

Rezensentin Maike Albath ist bei der Lektüre dieses Romans über die Befreiung Italiens von den Deutschen 1943 immer wieder unangenehm berührt von der durchscheinenden faschistischen Grundierung der Weltsicht Malapartes. Andererseits zeigt sie sich fasziniert von der "dynamischen, neoexpressionistischen Sprache" sowie den "eindringlichen Metaphern". Doch aus ihrer Sicht fängt gerade der "schillernde Extremismus" den Epochenbruch so signifikant ein. Der Roman ist laut Albath eine "bizarre Chronik", bestehend aus zwölf "tableauartigen" Kapiteln. Überall sehe und beschreibe Malaparte "Verderbnis und Fäulnis", und leuchte "genussvoll" die Abgründe der menschlichen Existenz aus, der Ideale wenig gelten. Doch wird die Rezensentin durch das Panoptikum der Obszönitäten, die sie oft ins Surreale münden sieht, auch an Edgar Allen Poe und Hieronymus Bosch erinnert.
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