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Klappentext
Aus dem Portugiesischen von Karin von Schweder-Schreiner. Am 2. August 1939, während eines seiner Forschungsaufenthalte bei den Krah-Indianern in Amazonien, nimmt sich der nordamerikanische Anthropologe Buell Quain auf brutale Weise das Leben. Er ist erst 27 Jahre alt. Keiner kennt die Gründe, der Fall wird auch nicht untersucht.
Zweiundsechzig Jahre später stößt ein brasilianischer Autor und Journalist zufällig auf eine Erwähnung dieses Selbstmords und seitdem lässt ihn das Schicksal Buell Quains nicht mehr los. Wie besessen gräbt er sich in das Leben des einsamen Forschers, der in jungen Jahren um die Welt reiste und Claude Levi-Strauss persönlich kannte. Er stöbert Briefe auf, spricht mit Nachfahren von Zeitgenossen und fährt selbst zu den Krah mitten in den brasilianischen Urwald an den Fluss Xingu.
Die Briefe eines Mannes vom Xingu, dem Quain in insgesamt neun Nächten von seinem Leben, seinen Erfahrungen und Ängsten erzählte, ergänzen das Bild eines Fremden in der Fremde, eines Suchenden, der vom Paradies träumte und stets über seine Grenzen ging.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.01.2007
Bernardo Carvalho erzählt in "Neun Nächten" zugleich von einer interessanten Spurensuche und dem Prozess einer Selbstfindung und hat damit einen fesselnden Roman geschrieben, lobt Margrit Klingler-Clavijo. Es geht um einen Journalisten aus Rio, der versucht, den rätselhaften 1939 verübten Selbstmord eines bei den Kraho-Indianern lebenden Anthropologen zu erforschen, und der dabei immer tiefer auf eine Suche nach sich selbst gerät, fasst die Rezensentin zusammen. Gerade die kulturellen Unterschiede, die dem Journalisten bei der Beschäftigung mit den Kraho-Indianern aufgehen - er hat Schwierigkeiten, sich in ihre komplizierten symbolischen Verwandtschaftsverhältnisse einzufinden und findet das Essen abscheulich -, findet die Rezensentin amüsant und dabei erhellend aufgegriffen. Besonders gefällt ihr an dem Roman, wie der Autor mit den verschiedenen Perspektiven der Figuren auf ihnen Fremdes spielt. Eine sehr gelungene Mischung aus Erfindung und historischen Tatsachen, freut sich Klingler-Clavijo.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.07.2006
Der Anthropologe Buell Quain war von den Kraho-Indianern fasziniert, der Autor Bernardo Carvalho war von Quains Selbstmord 1939 im Urwald fasziniert, und nun ist Katharina Döbler von der Melange aus Faktenbericht und "Ritterroman" fasziniert, die daraus entsprungen ist. Mit der komplexen Anlage des Buchs - der fiktive aber autobiografisch inspirierte Erzähler macht sich im Heute auf die Suche nach Quains Spuren und strickt sich schließlich eine Geschichte von dessen Leben zusammen - kommt Döbler gut zurecht. Dass dieser Roman mit der Beschreibung der Recherche zu den Umständen von Quains Tod seine eigene Entstehung gleich mitverhandelt, sei der Clou von Carvalhos Vorhaben. Fiktion und Tatsachen werden ständig vermischt, befruchten sich aber laut Döbler eher, als dass sie sich im Weg stehen. Die Rezensentin wurde somit Zeugin des "wundersamen Entstehens" von Literatur, was ihr offenbar sehr gefallen hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2006
Die Konstruktion dieses Romans ist, um das mindeste zu sagen, raffiniert. Es geht, so viel steht fest, um einen Ethnologen namens Buell Quain, der in den Dschungel ging und auf dem Rückweg auf grausame Weise wohl sich selbst tötete. Buell Quain gab es wirklich, der brasilianische Autor Bernardo Carvalho nähert sich ihm in der Fiktion. Als Ich-Erzähler, der Nachforschungen anstellt und den Leuten, sagt er, nicht widerspricht, die glauben, er tue es für einen Roman. Ein Täuschungsmanöver des Erzählers, begeistert sich der Rezensent Richard Kämmerlings, das dessen Undurchschaubarkeit bewahrt. Wenn man den Fährten dieses Romans folge, so Kämmerlings, gerate man ab von der schlicht biografischen Spur - aufs Autobiografische nämlich. Es geht dem Erzähler in Wahrheit um die Auseinandersetzung mit dem eigenen Vater. Davon aber lenke er auf kluge Weise ab, und der Rezensent ist und bleibt bis zum Ende hin und weg.
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