Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Der Eifer, mit dem Schüler und Gotteskrieger, Familienväter und Selbstmordattentäter mit Schrotflinten und Bomben ihrem eigenen und dem Leben möglichst vieler anderer ein Ende machen, ist den meisten von uns rätselhaft. "Man muß nicht alles verstehen, aber ein Versuch kann nicht schaden": das ist das Motto dieses Essays, den Hans Magnus Enzensberger dem "Radikalen Verlierer" widmet. Gibt es, jenseits aller Ideologie, Gemeinsamkeiten zwischen dem einsamen Amokläufer, der in einem deutschen Gymnasium um sich schießt, und den organisierten Tätern aus dem islamistischen Untergrund? Größenfantasie und Rachsucht, Männlichkeitswahn und Todeswunsch gehen auf der verzweifelten Suche nach einem Sündenbock - beim isolierten Täter wie im Kollektiv der Fanatiker - eine brisante Mischung ein, bis der radikale Verlierer explodiert und sich und andere für sein eigenes Versagen bestraft.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 31.05.2006
Woher kann ein Hans Magnus Enzensberger so eindeutig wissen, fragt Rezensent Rudolf Walther, wie die Psyche eines gemeinen Selbstmordattentäters möbliert ist? Antwort: Nur fiktiv und als "gelernter" Dramatiker, denn Enzensberger wische alle Argumente der Sozialpsychologen oder anderer Fachidioten als irreführend vom Tisch. Als Resultat wird der Rezensent mit "Küchenpsychologie" konfrontiert, mit der Enzensberger auch noch allen friedvollen Muslimen Schizophrenie attestiere. Wenn er schließlich einen letztlich unpolitischen Radikal-Theologen wie Syyid Qutb als Inspiration für Terroristen aus der islamischen Welt verantwortlich macht, ist das aus Sicht des Rezensenten genauso absurd, als ob man Thomas von Aquins "Gegen die Heiden" als Wirkursache des Holocaust ansehen würde.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.05.2006
Mehr als Provokation denn als Analyse versteht Rezensent Martin Meyer die Erklärungen des Autors zur Radikalität von Verlierern in den westlichen, aber vor allem in den islamischen Gesellschaften. Hans Magnus Enzensberger verweise zudem selbst im Titel auf den Versuchscharakter seiner Darstellung. Sowohl bei den Amokläufern und Terroristen westlicher Provenienz als auch ihren islamischen Entsprechungen, referiert der Rezensent, mache der Autor eine "narzisstische" und letztlich persönliche Verletzung als Urgrund aller politischen Aktionen aus. Ein Fragezeichen setzt der Rezensent allerdings hinter die Folgerung, dass der Islamismus letztlich als unpolitisch zu verstehen sei. Unbestreitbar seien hingegen die vom Autor angeführten Defizite der islamischen Welt wie politische Unfreiheit, ökonomischer Rückstand, mangelnde Wissenschafts- und Technikkultur und nicht zuletzt die Rolle der Frau. Dennoch fragt sich der Rezensent, ob solche im Grunde eurozentrische Aufrechnerei, so zutreffend sie zum Teil sein möge, nicht auch die Unfähigkeit zur Verständigung über die eigene Kultur hinaus zementiere.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2006
Gegen die Figur des radikalen Verlierers hat Henning Ritter in seiner in großen Teilen die Hauptargumente des Essays zusammenfassenden Rezension nichts einzuwenden, gegen die Reduzierung der Muslime auf eine in der Anpassung an den Westen gescheiterten und deshalb durchweg enttäuschten Gruppe jedoch schon. Das ist für Ritter mehr, "als man verantwortlich aussagen kann". Zweifelhaft findet er auch, die islamische Welt alleine an westlichem Fortschrittsdenken zu messen. Auch in Europa habe es Traditionalisten gegeben, die vor den Gefahren der neuen Technik gewarnt und dabei durchaus Konstruktives zum Fortschritt beigetragen hätten. Wundersam findet Ritter auch die uneingeschränkte Sympathie des ehemals linken Denkers für der europäischen Zivilisation überhaupt. Als Glanzlichter des Essays betrachtet der Rezensent deshalb zwei kleinere Betrachtungen: den Zweifel an der Stärke des Selbsterhaltungstriebs und den Hinweis auf die Enttäuschungen, die jede Weiterentwicklung zwangsläufig mit sich bringt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.05.2006
Hans Magnus Enzensbergers Gedanken über den "radikalen Verlierer" wirken auf den ersten Blick so eingängig und eindeutig, dass Sven Hillenkamp zunächst in einen "Klarheitsrausch" verfällt und glaubt, endlich habe er den großen Nenner von Selbstmordattentätern, Nationalsozialisten und Amokläufern gefunden. "Doch die diskursive Überlegenheit ist Fiktion", Enzensbergers Argumentation gar "tautologisch", muss Hillenkamp schließlich feststellen. Die Gewalt ausschließlich aus Selbstverachtung und der Freude an der Gewalt zu erklären, ist für den Rezensenten "an sich so erhellend, wie inmitten eines Sturms von starkem Wind zu reden". Zudem ist Hillenkamp der Begriff des Verlierers zu ungenau und passe etwa beim äußerlich erfolgreichen Bin Laden schon nicht mehr. Hillenkamp schlägt "Verletzte" vor. Enzensberger spare die persönlichen Faktoren bei der Entstehung von Gewalt aus und vernachlässige die menschlichen Seiten von Gewalttätern. Und auch Enzensbergers direkter Weg von der "Bitterkeit des Einzelnen" hin zu einer gewaltorientierten Bewegung scheint Hillenkamp ein "Kurzschluss" zu sein.
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Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
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06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








