Bücherschau der Woche
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Peter Wensierski
Schläge im Namen des Herrn
Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik
Klappentext
Ihr Schicksal ist kaum bekannt: Bis in die siebziger Jahre hinein wurden mehr als eine halbe Million Kinder sowohl in kirchlichen wie staatlichen Heimen Westdeutschlands oft seelisch und körperlich schwer mißhandelt und als billige Arbeitskräfte ausgebeutet. Viele leiden noch heute unter dem Erlebten, verschweigen diesen Teil ihres Lebens aber aus Scham - selbst gegenüber Angehörigen.
Manchmal genügte den Ämtern der denunziatorische Hinweis der Nachbarn auf angeblich unsittlichen Lebenswandel, um junge Menschen für Jahre in Heimen verschwinden zu lassen. In diesen Institutionen regierten Erzieherinnen und Erzieher, die oft einem Orden angehörten und als Verfechter christlicher Werte auftraten, mit aller Härte. Die "Heimkampagne", ausgelöst von Andreas Baader und Ulrike Meinhof, und die Proteste der 68er brachten einen Wandel. Die Erlebnisberichte in diesem Buch enthüllen das vielleicht größte Unrecht, das jungen Menschen in der Bundesrepublik angetan wurde.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.05.2006
Erschüttert zeigt sich Antonia von Alten von dieser Geschichte der Heimkinder in der frühen Bundesrepublik, die Peter Wensierski vorgelegt hat. Dessen präzise Darstellung des miserablen Umgangs mit den Kindern, seine Schilderung persönlicher Schicksale von Misshandlung, Demütigung, Ausbeutung in den Heimen sind nach Ansicht Altens "nichts für Zartbesaitete". Sie hebt die zahlreichen von Wensierski zusammengetragenen Berichte von Betroffenen hervor, die bis heute von ihren Erlebnissen traumatisiert sind. Bei aller Anteilnahme für die Opfer hält sie dem Autor gleichwohl vor, in seiner Darstellung bisweilen recht undifferenziert vorzugehen. Dass in der Nachkriegszeit generell andere Erziehungsmethoden als heute herrschten, bleibt ihres Erachtens etwa "völlig unreflektiert". Insofern überzeichne Wensierski einseitig zu Lasten der Kirchen, wenn er die in den Heimen üblichen Strafen zu "Schlägen im Namen des Herrn" programmatisch hochstilisiere.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.03.2006
Matthias Drobinski mochte "manchmal gar nicht mehr weiterlesen", derart "entsetzlich", schreibt er, glichen sich die von Peter Wensierski über Jahre gesammelten und in diesem Buch festgehaltenen Erinnerungen Erwachsener an den Alltag in kirchlichen Heimen in den 50er und 60er Jahren. Entsetzlich vor allem wegen der laut Drobinski bei den Opfern bis heute nachwirkenden brutalen Erniedrigung und Drangsalierung durch sadistische Kirchenpädagogen. Staunend vermerkt der Rezensent die dennoch gewahrte Nüchternheit im Stil und die Faktentreue des Textes, die ihn von vergleichbaren Erlebnisberichten mit Opferperspektive absetzten. Die weich gezeichneten 50er und 60er Jahre haben für Drobinski durch diese Lektüre einen tiefen Kratzer bekommen. Die hierdurch bereits angeschobene Geschichtsrevision, wünscht er sich, möge "zur Pflicht der Heime" werden.
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