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Robert O. Paxton
Anatomie des Faschismus
Klappentext
Aus dem Englischen von Dietmar Zimmer. Der Faschismus war eine der bedeutendsten politischen Kräfte des 20. Jahrhunderts und Quelle millionenfachen Unglücks. Das Geheimnis seiner Attraktivität erscheint angesichts der Horrorbilanz, die er hinterlassen hat, immer noch rätselhaft. Robert O. Paxton analysiert in seiner vergleichenden Studie, wie der Faschismus in den verschiedenen europäischen Ländern in Aktion trat, unter welchen Bedingungen er mächtig werden konnte und welche Gefahr noch heute von ihm ausgeht. In einer Zeit massiver sozialer und sicherheitspolitischer Herausforderungen neigen demokratische Gesellschaften dazu, bürgerliche Freiheiten zu beschneiden und nach rechts zu rücken. Das war in den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts so, das kennzeichnet aber auch die Politik dieser Tage, sei es in Italien, den Niederlanden oder den USA. Paxton macht kenntlich, an welchen Punkten die zivilisatorischen Grenzen überschritten werden.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2006
Für Carlo Moos ist die "Anatomie des Faschismus" des emeritierten Historikers Robert O. Paxton der krönende Abschluss eines "Gelehrtenlebens", und er versichert, dass die Studie sowohl für das Fachpublikum als auch für den interessierten Laien eine lohnende Lektüre darstellt. Der amerikanische Autor untersucht die verschiedenen Ausprägungen des Faschismus anhand der Taten und Ziele und interessiert sich dabei weniger für die dahinter stehenden Ideologien, stellt der Rezensent fest. Erst im letzten Kapitel versuche Paxton, so etwas wie eine allgemeine Definition der verschiedenen Faschismen zu finden, so Moos weiter. Indem der Autor Nazideutschland als das einzige faschistische Land ansieht, das sich in seinen faschistischen Zielen wirklich radikalisiert hat, neigt er dazu, beispielsweise den italienischen Faschismus mit seinem "Radikalisierungspotenzial" zu unterschätzen, findet der Rezensent. Dennoch würdigt er das Buch als differenzierte Studie eines komplexen Themas, in dem Paxton der Überblick über die Faschismen mit Ausblick auf die Entwicklung des 21. Jahrhunderts vorzüglich gelungen ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2006
Dem Missbrauch des Begriffs Faschismus "zur Ersetzung von Argumenten durch Tabus" sieht Manfred Funke mit diesem Versuch einer "transnationalen Faschismustheorie" von Robert O. Paxton etwas entgegengesetzt. Aufmerksam folgt Funke dem gleich gegen mehrere bedeutende Historiker gewendeten Ansatz Paxtons, eine "allgemeine Theorie zur Verknüpfung von Faschismus und Nationalsozialismus" aufzustellen. Eine gemeinsame Linie jedoch kann der Rezensent nicht so recht entdecken: dafür gibt es "zu wenig diagnostische und inspirierende Wertungslogik". Bleibt dem Rezensenten die Gesamtschau auf das Unternehmen: Fleiß und Disziplin im Dickicht der "Bibliotheks-Plantagen zum Faschismus", Wiedergabe der Positionen der Funktionalisten wie der Intentionalisten (aber ohne Biss!) und in den "empirisch-deskriptiven Teilen" immerhin eine "solide Topografie aller faschistischen Bestrebungen nach einer privilegierten Stellung in der Geschichte".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2006
Durchaus anregend findet Klaus Hildebrand dieses Buch, mit dem der amerikanische Historiker Robert O. Paxton den von seinen Kollegen geschmähten Begriff "Faschismus" wieder in die Debatte einbringen möchte. Überzeugt ist Hildebrand aber nicht. Vernünftig findet er noch Paxtons Definition des Faschismus, die sich vor allem auf die Massenbasis, den Schulterschluss mit den Eliten, die Beschneidung demokratischer Freiheiten mittels einer verklärten Gewalt, auf Expansionsdrang und innere Säuberung bezieht. Daraus ergebe sich nämlich, so Hildebrand, dass die autoritären Regimes in Rumänien, Spanien und Portugal etwa gerade keine faschistischen waren. Aber Hildebrand sieht auch Schwächen. Den Vernichtungskrieg der Nazis hält er für nicht vergleichbar mit Mussolinis Imperial-Kriegen, fragwürdig findet er auch die geringe Bedeutung des antisemitischen Elements, die Paxton dem Faschismus zuweist. Schließlich moniert er die Umständlichkeit, in der Paxton schreibt, und eine "Subjektivität der Urteilsbildung, die eher amüsiert als informiert".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.03.2006
Micha Brumlik leuchtet Robert O. Paxtons "Anatomie des Faschismus" voll und ganz ein. Er fühlt sich "gründlich informiert", kann jetzt auch aktuelle europäische Ausformungen des Faschismus besser verstehen und geht mit der Fünfphasentheorie Paxtons völlig konform, nach der die Entwicklung eines faschistischen Systems sowohl geistesgeschichtliche, soziologische und politische Züge hat. Der "ebenso anregende wie besonnene" Stil gefällt, die "vorzügliche" Übersetzung von Dietmar Zimmer überzeugt. Und mit der Bibliografie, die dem Buch zu einem "hohen Gebrauchswert" verhilft, habe ein Student der Sozialwissenschaften für Jahre ausgesorgt. Eines stört Brumlik aber gewaltig. Dass Paxton nicht versucht, den radikalen Islamismus mit Hilfe seiner Theorie auf seine faschistischen Elemente zu untersuchen. Nach Brumlik jedenfalls sei der Iran unter Ahmadinedschad bereits in der vierten Phase und damit vorletzten Phase angelangt: "Der Faschismus ist an der Macht."
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