Julian Nida-Rümelin plädiert in seinem Buch für eine Erneuerung kultur- und bildungspolitischer Ideale. Er erinnert an die Tatsache, daß der große Erfolg der Humboldtschen Reformen an den deutschen Universitäten sowie weltweit gerade darin bestand, dass die vom Mittelalter überkommene Ausbildungsorientierung durch Bildungsorientierung ersetzt wurde. Er warnt vor einer allzu kurzsichtigen Bildungspolitik, die bloß auf die Verwertbarkeit des Wissens setzt, statt freie Persönlichkeit, Urteilskraft und Entscheidungsstärke zu fördern. Aber auch die staatliche Kulturförderung - jahrzehntelang ein Vorzeigeschild der deutschen Gesellschaft - ist auf dem Rückzug. Bildung und Kultur sind jedoch die wichtigsten Standbeine einer auch wirtschaftlich erfolgreichen modernen, liberalen Gesellschaft. Julian Nida-Rümelin fordert eine umfassende Erneuerung der humanistischen Substanz von Bildung und Kultur.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.06.2006
Hätte Dorothea Frede das Überraschende dieses Bandes mit gesammelten Beiträgen von Julian Nida-Rümelin zu vermitteln versucht, wäre diese Spalte im Feuilleton heute wohl leer geblieben. Das Buch enthält nichts Neues, erklärt sie uns, ohne dabei allerdings sonderlich ungehalten zu wirken. Nida-Rümelins Aufforderung zur Besinnung auf humanistische Werte scheint ihr sympathisch, wenn auch bekannt und "wenig kontrovers". Sachlich zweifelhafte Behauptungen hält sie für verwunderlich. Einzig ein Interview mit dem Autor am Schluss des Bandes reißt die Rezensentin aus ihrem Gleichmut, bezeugt es doch die Spannung zwischen Politik und Philosophie in der Person Nida-Rümelins.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2006
Offensichtlich unerfreulich findet Eberhard Straub die Überlegungen zu "Humanismus als Leitkultur", die der Philosophieprofessor und ehemalige Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin anstellt. Er mag das Buch nicht mal als "Buch" im eigentlichen Sinn durchgehen lassen. Vielmehr erscheinen ihm Nida-Rümelins Ausführungen über eine Wiederbelebung der humanistischen Ideale in dem hiesigen Bildungswesen als "einzigartig verschmocktes Dokument der Phrasendrescherei". Nur in einigen Zeilen setzt sich Straub direkt mit Autor und Werk auseinander, der größte Teil der Rezension besteht aus einer Paraphrase des Inhalts mit glossierenden Einsprengseln. Gegen Ende wird Straub noch einmal deutlicher und wirft Nida-Rümelin "Gedankenflucht" und "sprachlichen Pauperismus" vor.
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