Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 14.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Eva Demski

Das siamesische Dorf

Roman

Cover: Das siamesische Dorf

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN-10 3518417401
ISBN-13 9783518417409
Gebunden, 382 Seiten, 19,80 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Einen dreiwöchigen Aufenthalt im Paradies - das verspricht das siamesische Dorf, eine Ferienanlage an der Küste Thailands, erholungsbedürftigen Europäern. Die Journalistin Kecki und der Photograph Max sollen über den fernöstlichen Garten Eden berichten, doch statt dessen finden sie sich bald konfrontiert mit höchst befremdlichen Vorkommnissen. Schon Buddha warnte vor dem Begehren als Quelle böser Taten. Der ungeklärte Tod zweier Frauen im Vorjahr wirft einen irritierenden Schatten auf die perfekt inszenierte Touristenidylle. Nichts ist, was es scheint - selbst die zwei Klöster in der Nähe des Dorfes sind nicht reine Horte der Erleuchtung, sondern Schauplätze recht unbuddhistischer Machenschaften. Ein zweites Dorf versteckt sich im Dschungel, ganz anders als das der Fremden und doch untrennbar mit diesem verbunden. Den beiden Reportern und Ermittlern wider Willen enthüllt sich hinter den Wundern Asiens mehr und mehr ein bedrohliches Geflecht irdischer Interessen und Begehrlichkeiten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.08.2006

Besonderen Spaß hatte Rezensentin Marion Lühe sichtlich nicht mit dem jüngsten Roman von Eva Demski. Allzu übersichtlich ist ihr das alles angelegt: Eine Satire auf den Tourismus, der auf der Suche nach dem Neuen nur das immerselbe findet und produziert: den üblichen Tourismus. Hier werden in einer thailändischen Ferienanlage einige Figuren zusammengeführt, die - mit voller Absicht - nichts sind als Klischees; die "ironische Brechung" besorgt die Autorin immerhin gleich mit. Nur leider, so Löhne, reicht das nicht; jedenfalls zu nicht mehr als einer leidlich unterhaltsamen Geschichte und dem gelegentlichen Schmunzeln. "Seniorenüberschuss und Kindersex, Touristenesoterik und Wellnessboom" - alles drin in diesem Roman, nur leider mache Demski zu wenig daraus, gerade weil sie zu viel will, meint Lühe.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.07.2006

Rezensentin Beatrix Langner hält eine leidenschaftliche Verteidigungsrede auf Eva Demskis satirischen Tourismusroman. Dieser sei bei der Kritik völlig durchgefallen, obwohl er fast das Gleiche fast am gleichen Ort passieren lasse wie Michel Houellebecq in seinem Bangkok-Roman. Nur, holt Beatrix Langer aus, Eva Demski habe entschieden mehr "Selbstironie" auf der Pfanne und ihre ganze Erzählweise sei wesentlich überdrehter und einfach lustiger. Möglicherweise könne man ihr dieses außer Rand und Band geratene Erzählen ankreiden, bei dem Wahrscheinlichkeit und Logik gerne mal von einer märchenhaften Fabulierfreude ausgehebelt würden. Aber genau das sei auch die Qualität, so die Rezensentin, "schrill" gehe es zu und auch "lustig", aber zugleich werfe Eva Demski einen knallharten soziologischen Blick auf die untoten Utopien von Touristenzombies.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.04.2006

Bei der Lektüre von Eva Demskis Roman "Das siamesische Dorf" bekommt der Leser "heiße Ohren", verspricht Uta Beiküfner. Eine Touristengruppe findet sich in einem thailändischen Ferienparadies zusammen, in dem es zu seltsamen Morden kommt, fasst die Rezensentin zusammen. Doch nicht die Verbrechen, sondern "Erotik und Exotik" bestimmen die Handlung und hier zeigt die Autorin ihr "Händchen für Dialoge" und ihr Geschick, die "Schwächen ihrer Figuren" in vielen Bildern offenbar werden zu lassen, so Beiküfner eingenommen. Dabei liege die "Stärke" Demskis vor allem in den "pittoresken Details", mit denen sie ihre Geschichte würzt, wobei das "Große und Ganze" etwas ins Hintertreffen gerät, wie die Rezensentin einräumt. So manches bleibt in diesem Roman dann auch gänzlich unaufgeklärt und rätselhaft, doch das scheint Beiküfner nicht zu stören. Sie lässt sich in die "glitzernde Jahrmarktkulisse" dieser bedrohten Ferienidylle hineinziehen, lässt sich von der "Spannung" der Handlung bannen und von der "Sinnlichkeit" des Geschehens "verführen". Nicht eben"tiefsinnig", gibt die Rezensentin zu, aber eben trotzdem fesselnd. Und nebenbei schreibt die Autorin auch noch "Sätze", die eigentlich "zu kostbar für dieses billige Ambiente" sind, so Beiküfner angetan.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2006

Ein böser Verriss! Was hat bloß den ehrwürdigen Suhrkamp Verlag geritten, fragt Kristina Maidt-Zinke, dieses Buch als Spitzentitel der Frühjahrsproduktion erscheinen zu lassen und "in dessen Programmtradition es, mit Verlaub, hineinpasst wie ein Kondomautomat in einen Klosterhof". Finanznöte? Den Erfolg bezweifelt Maidt-Zinke, denn das Buch tauge höchstens als Unterhaltungslektüre für einen Flug nach Bangkok. Nun spielt das Buch in Thailand, Protagonistin ist eine etwas ältere Reisejournalistin, die sich als Amateurdetektivin nützlich macht und sich nicht vor den Karren von Tourismusbranche und Pharmakonzernen spannen lässt. Jede Menge "klischeehaft überzogener Porträts" macht die Rezensentin aus, eine kriminalistische Konstruktion, die an die gute alte Agatha Christie erinnert, wohl allerdings nicht mehr ganz die zeitgemäße Form ist, wohingegen das jedem Kapitel vorangestellte Buddha-Zitat durchaus dem heutigen Zeitgeist entspricht. Statt nach Thailand würde sie doch lieber auf Hundeschlittentour nach Lappland gehen, bekundet die Rezensentin und vermutet dort keinen solchen Sündenpfuhl wie im "siamesischen Dorf". Und wohl auch keine Suhrkamp-Lektoren.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.03.2006

Die Verbindung von leichtem Sujet und sozialkritischem Tiefgang misslingt Eva Demski gründlich, meint Burkhard Müller: Wenn es um deutsche Urlauber irgendwo an der thailändischen Küste geht, lasse sich "Seichtheit" nicht vermeiden. Das Problem besteht in den Augen Müllers nun darin, dass Demski mit "falschem Ehrgeiz" diese Beschränkungen hinter sich lassen will und eine Geschichte mit kriminellen Triaden, Entführungen und Brandstiftungen daraus macht. "Der Plot ist wirklich zu dumm", schimpft der Rezensent, der zu seinem Leidwesen beobachten muss, wie im Laufe des Buches die "hanebüchene" Handlung die durchaus "schönen Vignetten" verdrängt, die hier und da zu finden sind.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Uangenehm plausibel

11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Joan Didion: Blaue Stunden

09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Maria Sonia Cristoff: Unbehaust

06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen

Lisa Kränzler: Export A

02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren