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Klappentext
Im Fragment eines Heftchenromans über die Heimkehr eines deutschen Soldaten aus Sibirien entdeckt Peter Debauer Details aus seiner eigenen Wirklichkeit. Die Suche nach dem Ende der Geschichte und nach deren Autor wird zur Irrfahrt durch die deutsche Vergangenheit und offenbart auch Peter Debauers Geheimnisse.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.04.2006
Wo man auch hinschaut in diesem Roman, alles hat mit der Odyssee zu tun, berichtet der Rezensent Giery Cavelty. Vor allem ist da der Groschenroman, den der in Westdeutschland ohne Vater aufgewachsene Peter Debauer auf dem Dachboden entdeckt, und in dem der anonyme Autor die Heimkehr eines Wehrmachts-Odysseus aus russischer Gefangenschaft in Peters Heimatstadt beschreibt. Und da ist auch der verschwundene Vater, der sich als der Autor des Heimkehrerromans entpuppt: John de Baur, ehemals Nazi-Propagandist, der sich nach dem Krieg als KZ-Überlebender ausgab und nun als Rechtsprofessor in den USA lehrt und sich in seinen Seminaren mit der Odyssee beschäftigt. Dabei, so der Rezensent, vertritt er einen so "extrem dekonstruktivistischen" Standpunkt, dass einem schwindelig wird: Genauso wie der Leser - und nicht der Autor - für den Sinn eines Textes verantwortlich ist, genauso liegt das Böse einer Tat nicht bei dem Täter, sondern bei dem Ankläger. Eine These, mit der sich de Baur elegant und skrupellos entlastet. Vor allem dadurch, dass der Sohn sich einerseits vor der "bösartigen Demagogie dieser Gedankengänge" ekelt, dass ihm aber andererseits die Kaltschnäuzigkeit des Vaters imponiert, wird der Roman für den Rezensenten zu einem "nicht ganz harmlosen Gesinnungstest" von "beklemmendem Reiz". Unzumutbar findet Cavelty allerdings die mangelnde literarische Qualität, die sich in der allzu "konstruierten" Handlung, dem laxen Stil und den zu "Ideenträgern" degradierten Figuren offenbare.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.03.2006
Bernhard Schlinks "Heimkehr" ist für den Rezensenten Alexander Leopold eindeutig "der Versuch eines großen Wurfs". Und es bleibt leider auch beim Versuch, meint der Rezensent, denn Schlink wolle schlichtweg "alles" und habe seinen Roman so "pickpacke voll" geschrieben, dass dieser letztlich zu vielfältig geraten und ihm daher misslungen sei. In der Tat entwickle sich aus der anfänglichen "Kindheitsgeschichte" des kleinen Peter Debauer ein "Rätselroman" um die unklare und lückenhafte Familienvergangenheit, über die Peter Nachforschungen anstellt, bis ihn die Liebe abfängt, womit der Roman zur Liebesgeschichte werde, bis sich schließlich die etwas verabredet wirkende Vater-Sohn-Geschichte einstelle. Doch nicht genug damit, so der Rezensent, es "muss noch die Wiedervereinigung in den Roman, muss immer wieder Homers Odyssee in Stellung gebracht und mit Bildung nur so gehubert werden", so dass Schlinks Romanpersonal mitunter wie eine Ansammlung von "Pappkameraden" wirkt. Schade, meint der Rezensent, denn jeder der genannten Erzählstränge hätte einen "hübsch kompakten" Erzähltext ergeben können. So aber stehe der Leser "mitten in einem öden, träge vor sich hin dämmernden Roman".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.03.2006
Eher reserviert äußert sich Rezensent Gustav Seibt über Bernhard Schlinks Roman "Die Heimkehr". Er betrachtet das Buch vor allem als Versuch des Autors, an seinen Welterfolg "Der Vorleser" anzuknüpfen. Ihm erscheint der Roman dann auch als eine "de luxe"-Version des "Vorlesers": "nicht minder gefühlig, im Aufbau doppelt so verschachtelt, intellektuell teuer befrachtet", findet er das Buch, das dennoch ein Buch "für alle" geworden sei. Ausführlich zeichnet er die beiden ineinander verschlungenen Geschichten des Romans nach. Er hebt insbesondere die zweite Geschichte hervor, in der Schlink den Fall des Literaturwissenschaftlers Paul de Man, der im zweiten Weltkrieg antisemitische Artikeln verfasste, um später in den USA Karriere als dekonstruktivistischer Literaturprofessor zu machen, ins Juristische übersetzt und de Man als John de Baur auftreten lässt. Letztlich liegt dem Roman bei aller Komplexität nach Ansicht Seibts lediglich ein Einfall zu Grunde: Paul de Man/John de Baur hat einen unehelichen Sohn, der nach ihm fahndet. Den Rest des Romans hält Seibt für "narratives Styropor" und "intellektuelles Ornament".
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