Nach Hitlers Machtantritt war Joseph Roth (1894 - 1939) wie viele jüdische und linke Autoren zur Emigration gezwungen. In Frankreich, seinem bevorzugten Exilland, gab es jedoch keine Verleger, die sein Werk auf Deutsch publizieren wollten. Drei niederländische Verlagshäuser hatten Exilverlage für in Deutschland unerwünschte Autoren gegründet. Ab Frühjahr 1933 erschienen Roths Werke bei Allert de Lange, im Querido Verlag und beim Verlag De Gemeenschap. Roths Korrespondenz mit Allert de Lange und Querido galt lange als verschollen. Teile fanden sich in New York oder haben eine Odyssee über Moskau und Potsdam hinter sich. Die nun vollständig edierten und sachkundig kommentierten Briefe zeugen von den widrigen Bedingungen, unter denen Roth Werke wie 'Der Leviathan' und 'Die Legende vom heiligen Trinker' schrieb. Und nicht nur Roth litt unter der sich verschlechternden politischen Lage. Auch seine Verleger hatten zahlreiche Probleme zu lösen: sei es durch die Behinderung des internationalen Zahlungsverkehrs, das stetig kleiner werdende Absatzgebiet und die Verlängerung der Transportwege. Mit dieser Ausgabe liegt Roths Korrespondenz mit seinen niederländischen Verlagshäusern komplett vor. Die Briefe enthalten bislang unbekannte Fakten zur Entstehungsgeschichte, zur Verbreitung und Rezeption seines Werkes.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.02.2006
Rezensent Tilmann Lahme kann gar nicht genug von Joseph Roth bekommen und begrüsst jede Zeile, die von diesem bedeutenden Schriftsteller veröffentlicht wird, So auch die hier nun vorgelegten Briefe Roths an seine Exilverleger, Fritz Landshoff (Querido) und Gerard de Lang (Allert des Lange), in denen der notorisch klamme (und in der Branche als "Staubsauger" berüchtigte) Roth dem Rezensenten zufolge energisch immer neue Vorschüsse für Bücher forderte, die allenfalls als flüchtige Ideen existierten. Amüsiert gibt Lahme einzelne taktische Verven des alkoholkranken Autors zu Protokoll und gibt Einblicke in die Dynamik der Beziehung Roths zu seinen Verlegern und einzelnen Schriftstellerkollegen, die sich ihm aus den Briefen erschlossen haben. Wenig Verständnis hat der Rezensent allerdings für die Herausgeber der Edition, die aus seiner Sicht weder Sinn für Autor und Material noch Sachverstand an den Tag gelegt haben. Das zeigt sich für ihn sowohl an der Gewichtung von Informationen in Vorwort und Anhang, wo Lahme mehr Nebensächliches als Relevantes fand, als auch an gelegentlichen "schulmeisterlichen" stilistischen Korrekturen der Briefe Roths.
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