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Lars Brandt
Andenken
Klappentext
Alle glauben, Willy Brandt zu kennen. Lars Brandt erzählt, was er in seinem Vater sieht. Ausgehend von einzelnen Momenten - Kindheitserinnerungen an das Berlin des Bürgermeisters Brandt, das gemeinsame Angeln, die Atmosphäre in der Kanzlervilla in Bonn, bis hin zu Brandts Fischsuppe für Herbert Wehner - zeigt der Autor seinen Vater in den privatesten Augenblicken.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.02.2006
Lars Brandts Erinnerungen an seinen Vater Willy Brandt haben auf Rezensent Gustav Seibt durchaus Eindruck gemacht. Im Mittelpunkt stehen für Seibt tatsächlich Andenken - Elefantenzähne von einem Staatsbesuch in Afrika etwa, eine Lackschachtel von Breschnew oder ein Stift von John F. Kennedy, aber auch Erinnerungen an Kleider und Schreibmaschinen des Vaters. Dem Autor ging es nach Ansicht Seibts darum, "nur das zu zeigen, was er mit niemandem teilen muss, weder mit anderen Familienmitgliedern noch mit jener Öffentlichkeit, die seit Jahrzehnten sehr viel über Willy Brandt wissen konnte". Die literarischen Fähigkeiten des Autors findet er "beachtlich". Zudem hebt er die zahlreichen reizvollen Einzelbeobachtungen hervor, Kommentare etwa zu dem Ehepaar Wehner oder Erinnerungen an die Kinder von anderen Staatschefs, die Comics lesenden, gelangweilten Kennedy-Kinder etwa oder den öligen Sohn Ceausescus. Im Blick auf Brandts Eindruck von seinem Vater schreibt Seibt resümierend: "Am Ende überwiegen die guten menschlichen Gefühle, Verständnis für einen komplizierten Menschen, Erbarmen für den alten Mann, dessen Ende von schwerer Krankheit überschattet war." Er fügt hinzu: "Lars Brandts Generation übte sich oft im Vaterhass. In diesem Text ist davon nichts zu spüren."
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.02.2006
Rezensentin Ursula März tut sich schwer mit Lars Brandts "Andenken", das um des Autors leiblichen Übervater Willy Brandt kreist. Wenn sie das Buch am Ende in die "Reihe der literarischen Gespräche zwischen Ober- und Unterwelt" einordnet, es als "intime Grabrede" identifiziert, wirkt das ein wenig verlegen und auch sehr gewollt. Ein Stück Sohn-Literatur hat der mittlere der Brandt-Söhne hier vorgelegt, meint März also, Kurzprosa, die es "mit dem Literarischen ein wenig übertreibt", hier und da. Weder legt Brandt eine Autobiografie vor noch eine Home-Story, keine Familienchronik und auch kein historiografisches Werk. Was Lars Brandt vermitteln möchte, ist, befindet die Rezensentin, das eigenartige "Geflecht aus Intimität und Entfremdung" zwischen Vater und Sohn. März findet mitten im Fluss ihres kritischen Tastens zu der Formulierung eines "subjektiven Sammelns sinnlich-bildlicher Erfahrungen". Es zeigt sich ihr, dass der Verfasser auf "die Bedeutung von Stil und Stilmitteln Wert legt", sie muss allerdings auch feststellen, dass in der "Fülle eleganter Sätze" auch der eine oder andere Patzer seinen Platz hat. Dennoch wird das Werk gerühmt als "sorgfältig komponiert" und "nach allen Seiten durchdacht". Was am Ende dann feststeht: Willy Brandt war kein liebevoller Vater, es fehlte ihm die Fähigkeit der väterlichen Zuwendung; und das Werk hinterlässt, ungeachtet der störenden Sperrigkeiten und Schnitzer, einen "berührenden Eindruck".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.02.2006
Wie der Titel es schon "pietätvoll" umschreibt, will dieses Buch, in dem der Sohn Lars Brandt die Erinnerungen an seinen Vater Willy Brandt festhält, keine "Abrechnung" sein, stellt Martin Krumbholz klar. Äußerst "behutsam, ja geradezu nachsichtig" beschreibt der Autor die Fremdheit und Kälte, die in der Familie herrschte, und für den Rezensenten ist bei aller "betonten Beiläufigkeit", mit der der Sohn die "menschliche Knauserigkeit" Brandts in Bezug auf seine Familie beschreibt, doch die "tiefe Verletztheit" spürbar, die dem Text gegen die Intention des Autors eine untergründige Bitterkeit verleiht. Eine "Dekonstruktion" der Vaterfigur strebe Brandt nicht an, eine "Heldenlegende" könne das Buch schon aufgrund der "privaten Nähe" nicht sein, und so entstehe neben dem Bild der "Ruine einer Vaterfigur" auch das Porträt eines durchaus verletzlichen Mannes, so Krumbholz eingenommen. Insbesondere "gelungen" findet er auch die Passagen des Buches, in denen Brandt Fotografien seines Vaters beschreibt. Willy Brandt hat im "Andenken" seines Sohnes durchaus etwas "Wächsernes", und dennoch scheint dahinter die "menschliche Physiognomie" des Politikers auf, stellt Krumbholz anerkennend fest.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.02.2006
Für den Rezensenten Gerrit Bartels ist dieses Buch ein "eigenwilliges, ambitioniertes Porträt", das dem Leser tatsächlich einen recht scharfen Eindruck von Willy Brandt vermittelt. Zugleich sei es die Aufarbeitung einer komplizierten Vater-Sohn-Beziehung. Lars Brandt habe die Erinnerung an das Leben mit seinem Vater "formstreng und knapp" aufgeschrieben. Bitterkeit strahle das Buch nicht aus, dennoch glaubt der Rezensent unter der beherrschten Oberfläce ein "unterschwellig aggressives Verhältnis" des Sohns zum Vater zu spüren: "Man ahnt nur, dass zwischen den Zeilen mehr mitschwingt, dass das Künstlerische den Ärger und die Abrechnungsgelüste im Zaum hält." Auf jeden Fall bietet das Buch für den Rezensenten einen interessanten, ungewohnten Einblick in das Leben Willy Brandts.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.02.2006
Fasziniert zeigt sich Rezensentin Ina Hartwig von Lars Brandts Buch über sein Verhältnis zu seinem Vater Willy Brandt. Sie attestiert dem Buch eine "erhebliche Sogwirkung". Dennoch lasse es einen in einer "seltsam ungeklärter Gefühlslage" zurück. Ausführlich berichtet Hartwig von den Erinnerungen des mittleren der drei Söhne Brandts an seinen populären Vater, der bei anderen tiefe Gefühle auslöste und im Umgang mit Menschenmengen sicher war, zuhause aber oft verstummte. Berührt hat sie, wie sehr das Buch - "angetrieben von einer unerfüllten Sehnsucht" - um einen "tieftraurigen Kern" kreist. Sie sieht in dem Buch auch den Versuch des Sohnes, sich gegen die großen offiziellen Erzählungen über Willy Brandt, den politischen Mythos, die unzähligen Biographien, Ausstellungen, Fernsehspiele zur Wehr zu setzen - um "etwas zu retten von einem Vater, zu dem jedem, wirklich jedem etwas einfällt."
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