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Klappentext
Helga Grebing, Historikerin der Arbeiterbewegung und Mitherausgeberin der "Berliner Ausgabe" von Brandts Schriften, entwirft ihr ganz eigenes und doch auf Objektivität zielendes Bild der Person und des Politikers Willy Brandt. Sie begegnete Willy Brandt erstmals 1949: "Irgendwie, so erinnere ich mein damaliges Empfinden, wurde der dunkelmuffige Raum heller, und der sogleich beindruckende Mann vemittelte in seiner kurzen Rede Zuversicht auf eine ganz andere Zukunft, an der auch wir mitarbeiten wollten." In den Jahrzehnten danach beobachtete sie den Politiker Brandt nicht nur aus der Ferne der Wissenschaft, sondern ist ihm als politische Mitstreiterin auch immer wieder begegnet.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.03.2009
Ulrich Teusch ist zwiegespalten nach der Lektüre dieses Buches über das Leben Willy Brandts. Im Fokus, lässt uns der Rezensent wissen, steht bei Helga Grebing die Frage, zu welchem Menschen und Politiker die Weimarer Republik und das Exil Brandt formten, und welche Rolle dieser Politiker schließlich im historischen Weltgeschehen spielen sollte. Besonders beeindruckt hat den Rezensenten dabei Grebings Darstellung des Brandt'schen Verständnisses eines "demokratischen und freiheitlichen Sozialismus". Eine Biografie, erfahren wir, soll Grebings Buch unterdessen nicht sein, vielmehr ein persönlicher Blick der Autorin auf Brandt. Dieser persönliche und sympathisierende Ausgangspunkt gibt Teusch aber einigen Anlass zur Kritik. All zu sehr werden die Schwächen des SPD-Politikers durch Grebing ausgebügelt, Niederlagen ausgeblendet und Brandt zu einem Mann stilisiert, der über jeden Zweifel erhaben ist, meint der Rezensent. Das, findet Teusch, ist dann doch eher Verklärung als Aufklärung.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008
Trägt der Willy Brandt von Helga Grebing nicht einen Heiligenschein? Rezensent Peter Voß sieht das so und trauert ein wenig um die vertane Chance, mit Hilfe der im Buch waltenden Nüchternheit doch ein differenzierteres, kritischeres Bild Brandts zu zeichnen. Das Brandt von Grebing aufgedrückte Prädikat "vielschichtig" erscheint Voß viel zu zahm. Für ihn ist Brandt noch immer der Mann der Gegensätze. Und genau hier hätte er die Autorin gerne ansetzen sehen und Brandts Wirken im Hinblick auf das "irritierend Mehrdeutige" vorgeführt bekommen. Stattdessen muss der Rezensent mit ansehen, wie die Autorin Unvereinbarkeiten (z. B. betreffend Freiheit und Sicherheit) einfach ausblendet. Und damit auch Brandts Talent zur rhetorischen Überspielung und schließlich die für Voß hier gründenden innerparteilichen Zerreißproben der SPD, siehe Nachrüstung oder Energiepolitik.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.10.2008
Insgesamt ist der in der Geschichte der Sozialdemokratie profilierten Historikern Helga Grebing das persönlich gehaltene Porträt Willy Brandts, das ausdrücklich keine Biografie sein will, gut gelungen, konstatiert Wolfgang Kruse. Hervorzuheben sind insbesondere die Kapitel über den Freiheits- und Nationenbegriff und das Verhältnis von Freiheit und Sozialismus im Selbstverständnis von Brandt. Hier wird deutlich, dass der große Sozialdemokrat ein "international orientierter, freiheitsliebender Sozialist europäischer Prägung" war, wie der Rezensent die Autorin zitiert. Zu bemängeln hat Kruse, dass Grebing den selbst gestellten kritischen Anspruch leider nicht immer durchhält, etwa was die zu einseitig geratene Beurteilung der linksradikalen Anfänge betrifft. Trotzdem legt Kruse die Lektüre dieses Buches der SPD-Führung ans Herz, die vor Kampagnenpolitik vergessen zu haben scheint, dass es sich bei der Sozialdemokratie um ein "allgemeines Emanzipationsprojekt handelt", dessen Aufgabe es ist, Perspektiven aufzuzeigen, so der Rezensent.
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