Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren und Nikolaus Stingl. "Bis ich dich finde" ist die Geschichte des Schauspielers Jack Burns. Seine Mutter ist Tätowiererin, sein Vater ein Organist, der verschwunden ist. Ein Roman über Obsessionen und Freundschaften; über fehlende Väter und (zu) starke Mütter; über Kirchen-orgeln, Ringen und Tattoos; über gestohlene Kindheit, trügerische Erinnerungen und über die Suche nach der einen Person, die unserem Leben endlich einen Sinn gibt.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.03.2006
Matthias Altenburg ist genervt von John Irvings neuem, besonders dickem Roman "Bis ich dich finde". Hat da etwa jemand direkt ins Diktaphon gequatscht, ohne hinterher den Wortbrei wenigstens noch einmal durchzulesen? Diesen Eindruck hat Altenburg. Das Buch will nicht aufhören, klagt er, "fahrig" ist es und "unstrukturiert", und auch das überdrehte "Kuriosenkabinett", aus dem Irving sein Personal heranschleppt, hätte er am liebsten abgesperrt. Dass hier eine Eigentherapie mit literarischen Mitteln unternommen werde - von solchen Argumenten der Irving-Freunde mag der Rezensent nichts hören, nicht angesichts eines solchen "dicken Nichts". Aber lassen wir Altenburg selbst zu Wort kommen, sein kritischer Negativismus drängt geradezu dazu: "Niemals habe ich mich bei einem so dicken Buches so gelangweilt. Niemals war ich so oft versucht, die Lektüre abzubrechen. Und nie habe ich so sehr bereut, es nicht getan zu haben."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2006
Durchaus genervt zeigt sich Annette Zerpner von John Irvings neuem Roman "Bis ich dich finde", der auf umfangreichen 1200 Seiten die Lebensgeschichte des Schauspielers Jack Burns erzählt. Die Begeisterung zahlloser Irving-Fans, die jedes neue Buch des Autors als "Panoptikum der Skurrilität" feiern, kann sie jedenfalls nicht nachvollziehen. Spöttisch vergleicht sie die Wirkung des Textes, so man die Lektüre nicht vorzeitig beende, mit der einer "psychedelisch gemusterten Tapete": "vor sich hin wuchernde Elemente in steter Wiederholung, deren ausdauernde Betrachtung das Hirn vom Hang zur Analyse befreit". Jacks ausladende Kindheitserinnerungen scheinen Zerpner schnell ermüdet zu haben. Sie beanstandet einen Mangel an Erzählökonomie. Das Spiel mit zahlreichen Realitätssignalen wie Musikstücken, Ortsnamen, Filmen oder Restaurants verleiht dem Werk zu ihrem Bedauern keine Tiefe - zumal sich seelische Vorgänge wie die Entfremdung Jacks von seiner Mutter hinter den Kulissen abspielen. Der Roman bleibe schlicht "zweidimensional wie eine Tapetenblume". Geradezu quälend findet Zerpner schließlich den "zuckersüßen Schlussteil" des Romans, in dem Jack eine Therapie macht und alles gut wird.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.02.2006
Selbst für Fans gehe es hier noch mal "richtig zur Sache", berichtet Rezensentin Kristina Maidt-Zinke, John Irving habe eine Art Autorenbiografie mit reichlich Action und Phantasie ausstaffiert. Weniger erfreulich für den Leser sei allerdings die "zermürbende Ausführlichkeit", mit der der Autor seinem Helden und Stellvertreter Jack Burns nacheifere, wenn dieser auf der Couch die Nerven seiner Therapeutin strapaziere. "Hübsch" und "kurzweilig" erzähle er aber, wie der vierjährige Jack mit seiner Mutter durch die zwielichtigen Hafenstädte Nordeuropas reise auf der Suche nach dem verschwundenen Vater. Unterhaltsam stelle Irving die Mutter Alice beruflich als Tätowiererin vor und den Vater als Tattoo-süchtigen Kirchenmusiker. Diese Kindheitsreise kurz vor den Irving-üblichen Missbrauchserfahrungen ist aus Sicht der Rezensentin besonders gelungen, weil sie aus der Perspektive des kleinen Jungen erzählt werde. Das sei "rätselhaft und rührend" zugleich. Wer wie die Rezensentin bedauere, dass "Rhythmus und Dramaturgie" in Irvings monumentaler Stoffmasse immer mehr "abhanden kommen", der werde aber auch mit viel "Komischem", "Anrührendem" und immer mal wieder mit "rundum gelungenen" Sätzen belohnt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.01.2006
Sein letzter, 'nur' 450 Seiten starke Roman legte nahe, John Irving würde sich in Zukunft kürzer fassen, schickt der Rezensent Gerrit Bartels vorweg. Doch nichts da! Mit "Bis ich dich finde" lege Irving nun das längste Buch seiner Schriftsteller-Laufbahn vor. Und nicht nur das: Es ist auch das autobiografischste und stringenteste, findet der Rezensent, der von dem Roman völlig hingerissen ist. Auch hier geht wieder jemand auf die Suche, in diesem Fall auf die Suche nach dem Vater, auf die sich der junge Jack Burns und seine Mutter schon gleich zu Anfang begeben. Dieser Anfang gerät Irving ein wenig schleppend, wie der Rezensent findet, doch dann entwickele der "genau durchkomponierte" Roman regelrechte "Seitenverschlinger-Qualitäten" und beweise erneut, wie gewandt Irving tragische oder schwere Situationen schnörkellos und unterhaltsam darstellen könne. In der Figur des Jack Burns, der auf eine Mädchenschule geschickt wird und später zum Hollywood-Schauspieler avanciert, verbinden sich "ausgeprägte Ich-Störungen" mit einem "ausgeprägten Ego", eine "ausgeprägte Sehnsucht nach tragfähigen Beziehungen" mit einer "ausgeprägten Beziehungsunfähigkeit", erklärt der begeisterte Rezensent. Obendrein wimmelt der Roman nur so vor hinreißenden Szenen, die förmlich danach schreien, verfilmt zu werden, so Bartels. Gefallen hat ihm auch, dass Irving - wie üblich - die Historie ignoriere und ein eigenes Erzähluniversum erschaffe. Nur das Happy End erscheint dem Rezensenten "eher schwach" und sogar "verzichtbar".
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