Das Gedächtnis ist es, was den Menschen von anderen Lebewesen unterscheidet. Genauer muß man sagen: Es ist das autobiographische Gedächtnis, das den Menschen zum Menschen macht. Es handelt sich um das Vermögen, "Ich" sagen zu können und damit eine einzigartige Person zu meinen, die eine besondere Lebensgeschichte, eine bewußte Gegenwart und eine erwartbare Zukunft hat. Das Gedächtnis ist es, was den Menschen von anderen Lebewesen unterscheidet. Genauer muß man sagen: Es ist das autobiographische Gedächtnis, das den Menschen zum Menschen macht. Es handelt sich um das Vermögen, "Ich" sagen zu können und damit eine einzigartige Person zu meinen, die eine besondere Lebensgeschichte, eine bewußte Gegenwart und eine erwartbare Zukunft hat. Das Buch beschäftigt sich in interdisziplinärer Sicht auf der Basis neuester Forschungsergebnisse mit der Entwicklung des autobiographischen Gedächtnissystems, die erst mit dem Erwachsenenalter vollständig abgeschlossen ist. Seine Entstehung basiert auf einem komplexen Zusammenspiel hirnorganischer Reifungsvorgänge, sozialer Entwicklungsanreize und psychischer Entwicklungsschritte. Weil das Gehirn und mit ihm das Gedächtnis sich selbst erst in der Auseinandersetzung mit seiner physischen und sozialen Umwelt ausbildet und strukturiert, ist die Gehirn- und Gedächtnisentwicklung prinzipiell ein biosozialer Prozeß; organische und psychosoziale Reifung sind in der menschlichen Entwicklung lediglich unterschiedliche Aspekte ein und desselben Vorgangs. Die Autoren zeigen, daß die unfruchtbaren Dualismen von Gehirn und Geist, Natur und Kultur in interdisziplinärer Forschungsarbeit überwunden werden können. Sie liefern zugleich einen aktuellen Überblick über die Entstehung des menschlichen Gedächtnisses und einen Einstieg in ein neues Feld der Gedächtnis- und Erinnerungsforschung.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 08.12.2005
Und sie können es doch! Hier arbeiten Hirnforschung und Sozialwissenschaften Hand in Hand, verkündet der Rezensent Michael Pauen voller Freude über die "produktive Unruhe", die der Hirnforscher Hans J. Markowitsch und der Sozialpsychologe Harald Welzer bewerkstelligt haben. Gegenstand ihrer Arbeit ist "eine von mehreren Formen des Erinnerns": das "autobiografische Gedächtnis" - das praktischerweise und im Gegensatz zu den unlängst umkämpften Begriffen der Willensfreiheit und des Bewusstsein augenblicklich als Berührungspunkt zwischen Geist und Gehirn einleuchtet, wie der Rezensent bemerkt. Ausgehend von der Feststellung, dass das autobiografische Gedächtnis eine grundlegende Voraussetzung der menschlichen Lebensgestaltung darstellt, und in erhellender Synergie geistes- und neurowissenschaftlicher Erkenntnisse, widmen sich die Autoren dem "Entstehungsprozess" dieser Fähigkeit, vom Säuglingsalter bis zur Ausreifung im vierten Lebensjahr. Dieses Buch, schwärmt der Rezensent, hat so viel mehr zu bieten als nur "die Befriedigung unserer Neugier"; es liefert auch "Ansätze für mögliche Strategien" im Umgang mit dieser dem Menschen vorbehaltenen Fähigkeit.
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