Aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis. Als der Lissaboner Müßiggänger Luis Bernardo Tavares im Dezember 1905 von seinem König ein ungewöhnliches Angebot erhält, gibt eine Liebesaffäre den Ausschlag für die Entscheidung: Luis geht als Gouverneur in die am Äquator gelegenen portugiesischen Kolonien Sao Tome und Principe. Dort soll er den Vorwurf der Engländer entkräften, Portugal dulde auf den Kakaoplantagen Sklavenarbeit. Auf den Inseln empfangen Luis die feuchte Hitze der Tropen, eine faszinierend fremde Wildnis und die Feindschaft der Plantagenbesitzer. Mit allen Sinnen erkundet er die neue Welt. Er ersehnt bald die tägliche Stunde des Regens und spürt die unendliche Trauer der schwarzen Plantagenarbeiter. Entschlossen, ihre Lage zu bessern, riskiert Luis den Krieg mit fast allen Weißen...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.05.2006
Die Rezensentin Kersten Knipp zeigt sich schwer beeindruckt von Miguel Sousa Tavares? Roman über den Kakaohandel und die Sklavenwirtschaft im 19. Jahrhundert, der die "portugiesische Kolonialliteratur" auf gekonnte Weise zu einer zeitgemäßen Kunstform macht. Seiner Meinung nach ist der Roman hochkomplex und trotzdem verständlich und gut lesbar, und der diffizile Bereich der Slavenwirtschaft werde deutlich und klar dargestellt. Auch das Thema des "moralischen Konsums" werde hier bearbeitet, denn die Briten setzten Portugal seinerzeit wegen ihrer Produktionsmethoden unter Druck - natürlich aus auch eigenem wirtschaftlichen Interesse. Auf literarische hohem Niveau wird das koloniale Ausgreifen Portugals in allen Grautönen und Ambivalenzen gezeigt, resümiert ein hochzufriedener Rezensent.
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